LafargeHolcim

LafargeHolcim gibt Deal mit Islamisten zu

Um seine Fabrik und die Mitarbeiter in Syrien zu schützen, ging der schweizerisch-französische Zementkonzern sehr weit. Das gesteht er nach einer internen Untersuchung ein.

Die Zementfabrik in Nordsyrien. (27. Februar 2017)

Die Zementfabrik in Nordsyrien. (27. Februar 2017) Bild: Daniel Riffet/Photononstop/AFP

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Der Zementriese LafargeHolcim hat in einer Stellungnahme vom Donnerstag erhebliche Fehler im Werk in Syrien eingestanden. «Aus heutiger Sicht kann festgestellt werden, dass die für den weiteren Betrieb des Werks erforderlichen Massnahmen nicht akzeptierbar waren», schreibt der Konzern in einem Communiqué.

Das Unternehmen reagiert mit dieser Stellungnahme auf Veröffentlichungen, wonach Mitarbeiter im Jahr 2013 Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppierungen und sanktionierten Parteien getroffen hätten, bis das Werk aufgrund der desolaten politischen Lage in Syrien schliesslich im September 2014 evakuiert wurde. Die französische Zeitung «Le Monde» hatte dem Konzern in einem Artikel vorgeworfen, «zweifelhafte Arrangements» mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingegangen zu sein.

«Bewaffnete Gruppen, einschliesslich sanktionierter Parteien»

Zeitweise haben laut LafargeHolcim verschiedene bewaffnete Gruppen die Gegend um das Werk kontrolliert. Aufgrund einer internen Untersuchung sei darauf zu schliessen, dass das lokale Unternehmen Geld an Dritte zahlte, damit Vereinbarungen «mit bewaffneten Gruppen, einschliesslich sanktionierter Parteien», in der Absicht geschlossen werden konnten, den Betrieb weiterzuführen und Mitarbeitern sowie Waren einen sicheren Zugang zum Werk zu gewährleisten.

Das damalige Werk von Lafarge in Syrien arbeitete in dem betreffenden Zeitraum mit Verlust und trug weniger als 1 Prozent zum Konzernumsatz bei. Laut der Mitteilung habe der Konzern nunmehr Massnahmen getroffen, damit die Compliance verbessert wird.

Die im Zusammenhang mit den geschilderten Aktivitäten in Frankreich gestellten Strafanträge kommentiert der Zementkonzern allerdings nicht, da weder Lafarge SA noch irgendeine Tochtergesellschaft Partei von diesen Verfahren seien.

(mch/sda)

Erstellt: 02.03.2017, 08:35 Uhr

Infobox

LafargeHolcim mit kräftiger Erholung im vierten Quartal

Der Zementkonzern LafargeHolcim hat im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres einen Konzerngewinn von 535 Millionen Franken erwirtschaftet. Das ist eine deutliche Erholung im Vergleich mit der Vergleichsperiode des Vorjahres. Damals war hauptsächlich infolge von Wertberichtigungen ein Verlust von rund 2,9 Milliarden Franken angefallen.

Der Betriebsgewinn stieg im vierten Quartal 2016 laut einer Mitteilung des Konzerns vom Donnerstag um 30,9 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Franken. Allerdings gab der Nettoverkaufsertrag von Oktober bis Dezember 2016 um 12,3 Prozent auf 6,5 Milliarden Franken nach.

Der Aktienkurs des Zementkonzerns hat am Donnerstagmorgen positiv auf die Quartalszahlen reagiert. Die LafargeHolcim-Aktien zog gegen 9.40 Uhr bei hohem Handelsvolumen um 4,3 Prozent auf 60,50 Franken an und stehen damit so hoch wie seit Sommer 2015 nicht mehr.

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