Laut IWF bleiben die Zinsen auch in Zukunft tief

Auch wenn die Notenbanken künftig ihre Leitzinsen wieder erhöhen, dürfte der Anstieg des Zinsniveaus bescheiden bleiben.

Beliess ihre Leitzinsen unverändert: Europäische Zentralbank EZB.

Beliess ihre Leitzinsen unverändert: Europäische Zentralbank EZB. Bild: Keystone

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Wie erwartet, hat die Europäische Zentralbank EZB heute beschlossen, ihre Leitzinsen unverändert zu belassen. Damit bleibt der Hauptrefinanzierungssatz noch immer bei tiefen 0,25 Prozent.

Auch Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, hat zu Wochenbeginn erklärt, angesichts der noch immer schlechten Lage am Arbeitsmarkt sei eine Zinserhöhung von aktuell fast null Prozent nicht so bald auf der Tagesordnung. Die heute Freitag erscheinenden Daten zum US-Arbeitsmarkt werden daher auf Interesse stossen. Die Vertreter der Schweizerischen Nationalbank nutzen ebenfalls jede Gelegenheit zur Versicherung, dass sie ihre Geldversorgung nicht so bald einschränken werden.

Dennoch gilt es als unbestritten, dass die Zeit der Niedrigstzinsen sich dem Ende zuneigt und die Notenbanken mit der Normalisierung der Wirtschaftslage ihre Leitzinsen wieder anheben werden. Doch wie stark werden die Zinsen dann ansteigen? Das beschäftigt fast alle, ob als Sparer, Hypothekarschuldner, Kreditnehmer, Investoren oder Unternehmer.

Rückgang seit den 80er-Jahren

In einem vorab veröffentlichten Sonderkapitel des World Economic Outlook ist der Internationale Währungsfonds (IWF) dieser Frage nachgegangen. Die Schlussfolgerung: Die Zinsen werden zwar ansteigen, aber nur moderat, und sie werden nicht mehr die Niveaus erreichen, die früher als normal gegolten haben.

Wie die Ökonomen des Fonds schreiben, hat der Zerfall der Zinssätze nicht mit der Finanzkrise eingesetzt, sie hat ihn nur verstärkt. Schon seit den 80er-Jahren seien die Realzinsen im Fallen begriffen. Damit sind die um die Teuerung bereinigten Sätze gemeint, und der IWF konzentriert sich nicht auf die von den Notenbanken steuerbaren Tages- oder Monatsfristen für Ausleihungen, sondern auf die wichtigeren für längere Zeiträume.

Noch zu Beginn der 90er-Jahre befand sich der Zehnjahreszinssatz in der Schweiz bei rund 6,5 Prozent, aktuell liegt er bei 0,95 Prozent. Der Rückgang geht auch auf die deutlich geringere Teuerung zurück. Diese verzerrt aber die wahren, in Gütern gemessenen Kosten für Ausleihungen; deshalb der Fokus des IWF auf die Realzinsen.

Die Zinstreiber der Zukunft

Gemäss dem IWF werden in Zukunft die gleichen Ursachen für ein tief bleibendes Zinsniveau sorgen, die schon in den vergangenen 20 Jahren dafür verantwortlich waren. Im Vordergrund steht das Verhalten der Ersparnisse, der Investitionen und der Kapitalanlagen. Angesichts der stark integrierten weltweiten Geld- und Kapitalmärkte stehen nicht nationale, sondern internationale Entwicklungen im Vordergrund:

Ersparnisse: Generell die Schwellenländer und vor allem China haben im letzten Jahrzehnt die nationalen Ersparnisse drastisch erhöht. Steigende Ersparnisse erhöhen das Angebot an finanziellen Mitteln für Investitionen und drücken daher auf den Zinssatz. Der IWF geht zwar davon aus, dass die Schwellenländer angesichts eines sich abschwächenden Wachstums etwas weniger sparen werden. Gleichzeitig seien aber die hoch verschuldeten entwickelten Länder zum Sparen gezwungen.

Investitionen: Seit den 80er-Jahren sinkt in den entwickelten Ländern der Wert der Investitionen im Verhältnis zum Gesamtprodukt. Die dadurch sinkende Nachfrage nach deren Finanzierung hat ebenfalls zum fallenden Realzins beigetragen. Grund für die fallenden Ausgaben für Investitionen sind laut dem IWF einerseits tiefere Preise für Investitionsgüter wie Maschinen. Der Fonds geht davon aus, dass dieser Trend anhält. Ein zweiter Grund ist (vor allem seit der Finanzkrise) der Einbruch der Wirtschaft. Mit Verweis auf Studien zur Entwicklung nach einer Finanzkrise geht der IWF davon aus, dass deren Wirkungen noch lange für eine gedämpfte Wirtschaftsentwicklung sorgen.

Kapitalanlagen: International haben vor allem seit 2000 internationale Investoren – allen voran Schwellenländer – Anleihenkäufe gegenüber riskanteren Aktien bevorzugt. Steigende Anleihenkurse bedeuten ein tieferes Zinsniveau. Weil Banken wegen der neuen Kapitalanforderungen gezwungen seien, in sicherere Anleihen zu investieren, werde auch dieser Trend anhalten.

Der IWF weist in seinem Bericht auch auf die Faktoren hin, die für künftig höhere Zinssätze sprechen würden, wie etwa der höhere Anteil an Senioren in vielen Ländern und das Risiko weiter steigender Staatsschulden. Beides würde global die Sparquote senken. Doch die Ökonomen des IWF messen diesen Entwicklungen weniger Gewicht zu als den genannten.

Erstellt: 04.04.2014, 06:46 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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