Lebenszeichen aus den IT-Ruinen

Sony, Nokia und Blackberry: Die drei Verlierer im globalen Wettbewerb positionieren sich neu.

Typische Tastatur, quadratischer Bildschirm: Blackberry-CEO John Chen präsentiert das neue Smartphone. Foto: Reuters

Typische Tastatur, quadratischer Bildschirm: Blackberry-CEO John Chen präsentiert das neue Smartphone. Foto: Reuters

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Alle drei sind heute nur noch Schatten ihrer selbst. Mehr als 250 Milliarden Dollar an Marktwert haben Sony, Nokia und Blackberry seit ihren besten Zeiten gegen den Erzrivalen Apple und – etwas weniger ausgeprägt – gegen Samsung verloren. So steil der Absturz ist, geschlagen sind die drei Konzerne nicht. Sony will nun die Marktführerin für ­Onlinespiele und Internet-TV werden. Nokia erfindet sich als Netzwerkausrüsterin für Telecomfirmen neu. Und Blackberry präsentiert sich als Sicherheitsfirma der mobilen Kommunikation.

Die kreative Destruktion, wie sie der Ökonom Peter Schumpeter 1942 beschrieben hat, schüttelte in den letzten Jahren keine andere Branche stärker durch als die IT-Industrie. Dutzende von Hightechfirmen sind nach dem Internet-Börsencrash von 2000 verschwunden. Viele, wie etwa der Netzwerkausrüster JDS Uniphase, sind kaum mehr zu erkennen, so stark geschrumpft sind sie. Was indessen Nokia, Sony und Blackberry unterscheidet, ist ihre brutale Rückstufung von einer technologisch führenden Firma zu einer Nebendarstellerin.

Vom Erfolg träge gemacht

Ähnlich wie Apple heute schienen alle drei Konzerne zu ihrer Zeit auf bestem Weg zu einem Marktmonopol. Nokia hatte 1987 das erste mobile Telefon lanciert und 1998 Motorola als weltgrösster Anbieter überholt. 2005 verkaufte Nokia weltweit mehr als eine Milliarde Geräte. 2007 war die Spitze erreicht; Nokia beherrschte mehr als 40 Prozent des globalen Marktes und wurde an der Börse mit 150 Milliarden Dollar bewertet. Letztes Jahr war der Marktanteil auf 15 Prozent gesunken; bei den Smartphones allein sogar auf unter 1 Prozent. Wenn Microsoft das Handy-Geschäft nicht gekauft hätte, wäre der frühere finnische Vorzeigekonzern wohl kollabiert.

Schlimmer hatte es Sony erwischt. Der Stolz der japanischen IT-Industrie hatte bis in die frühen 90er-Jahre die gleich dominante Rolle inne wie heute Apple. Dank dem 1979 lancierten Walkman sowie seiner CD-Technik und seinem Design lag Sony so weit voran, dass Steve Jobs offen bekannte, diesen Erfolg kopieren zu wollen. Doch auch Sony liess sich einlullen und verpasste eine Innovationswelle nach der anderen. Als Apple den iPod lancierte, verlor Sony jedes Selbstbewusstsein und schliesslich mehr als 80 Prozent seines Unternehmenswertes.

Heftiger noch war der Sturz von Re­search in Motion, die das Blackberry herstellt. Der Konzern hatte mit diesem einzigartigen sicheren Smartphone ab 2002 einen so grossen Erfolg, dass es zum Statussymbol der Manager wurde. Das «Crackberry», wie das süchtig machende Gerät genannt wurde, trieb den Marktwert des Konzerns bis Mitte 2008 auf 70 Milliarden Dollar hoch. Doch App­­le bremste auch diesen Höhenflug aus. Blackberry musste 40 Prozent der Angestellten entlassen und sass auf einem unverkauften Lager von fast einer Milliarde Dollar, als der Konzern vor einem Jahr für gerade noch 4,9 Milliarden Dollar verkauft wurde.

Doch Blackberry zog im letzten Moment den Rettungsschirm. Der Konzern lagerte die Fertigung und das Management der Handys vollständig an die Foxconn-Werke aus; die gleichen Werke, die das iPhone hergestellt hatten.

Alte Kunden wandern ab

Dies gilt auch für das neue, diese Woche vorgestellte Smartphone. Das «Passport» fällt durch einen quadratischen Bildschirm sowie die typische Tastatur auf. Gefragt sind die Geräte vor allem von sicherheitsbewussten Anwendern. Mit der Sicherheit will der Konzern denn auch sein künftiges Geschäft machen. Blackberry präsentiert sich unter seiner neuen Führung als Anbieter von Sicherheitssoftware für Unternehmen und Regierungen. Im Nachgang zu den Enthüllungen von Edward Snowden will der Konzern die mobile Kommunikation abhörsicher machen. Ziel ist, 2015 wieder Gewinn zu machen. Das grosse Problem ist nur, dass Blackberry eine starke Einbusse im traditionellen Kundenstamm erlebt, der die Umkehr in Richtung Sicherheitsfirma erschweren oder verschleppen könnte.

Besser sieht es für Nokia aus. Der Konzern ist auf dem Weg der Besserung, da er das verlustreiche Handy-Geschäft an Microsoft verkaufen und daraus einen Gewinn von rund 3,8 Milliarden Franken verbuchen konnte. Nokia muss­te aber auch ein Drittel der Belegschaft entlassen und so die Kosten weiter senken. Analysten sprechen deshalb von einer stark abgemagerten, aber fitten Unternehmung, die neben der schwedischen Ericsson und der chinesischen Huawei zu den drei grossen Netzwerkausrüstern der mobilen Telekommunikation geworden ist. Das Joint Venture mit Siemens in diesem Bereich sichert bereits 90 Prozent der Umsätze ab. Zusätzlich verfügt Nokia über eine Schatztruhe von 40 000 Patenten. Die Einnahmen daraus sollten von 600 Millionen auf 1,4 Milliarden Dollar im Jahr 2017 steigen. Dass Nokia den Anschluss geschafft hat, zeigen auch die neuen Abnahmeverträge mit den führenden Telecomfirmen Sprint und Vodafone.

Am schwierigsten und längsten ist der Weg zurück für Sony. Das Comeback schien schon oft zum Greifen nah, doch immer wieder kamen Hiobs­botschaften dazwischen. So meldete Sony vor kurzem überraschend einen gigantischen Verlust von 2,12 Milliarden Dollar, nachdem einige Monate zuvor von einem Gewinn die Rede gewesen war. Grund für den Verlust war ein einmaliger Abschreiber des Smartphone-Geschäfts.

Wende zum Besseren

Obwohl Sony makellose Geräte produziert, gelang es dem Konzern nie, im wichtigen US-Markt Fuss zu fassen. Der Abschreiber indessen zeigt nach Ansicht von Analysten einen neuen Realitätssinn. Das Schlimmste dürfte überstanden sein, so die Meinung, umso mehr, als Sony zum ersten Mal auch noch die Dividende ausfallen lässt. Seine Zukunft sieht der Konzern nun als führender ­Anbieter von Spielkonsolen und als Dienstleister für Internet-TV und Video­streaming. Die Analysten der Credit Suisse sehen die Wende zum Besseren und erwarten eine starke Wachstumsbeschleunigung ab dem Jahr 2016.

Erstellt: 25.09.2014, 23:33 Uhr

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