Leuenberger kehrt Implenia den Rücken

Wegen seines Mandats als Verwaltungsrat beim Baukonzern Implenia wurde Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger stets kritisiert. Nun stellt er sich nicht mehr zur Wiederwahl.

Gab 2010 bekannt, das Mandat als Implenia-VR zu übernehmen: Moritz Leuenberger, hier während einer Rede.

Gab 2010 bekannt, das Mandat als Implenia-VR zu übernehmen: Moritz Leuenberger, hier während einer Rede. Bild: Keystone

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Die bisherigen Implenia-Verwaltungsräte Moritz Leuenberger und Theophil Schlatter haben sich entschieden, sich an der Generalversammlung vom 27. März 2013 nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stellen. Dies gibt das Bauunternehmen auf seiner Website bekannt.

Moritz Leuenberger hatte sich heftige Kritik gefallen lassen müssen, als er im November 2010 bekannt gab, dass er ein Mandat im Verwaltungsrat von Implenia annehmen werde (Tagesanzeiger.ch berichtete). Konflikte seien vorgespurt, wenn ein Ex-Infrastrukturminister zu einer Firma gehe, die stark von staatlichen Aufträgen lebe, hiess es bei politischen Freunden und Feinden.

Leuenbergers Wahl war sogar in seiner eigene Partei SP auf Kritik gestossen, da Implenia unter anderem am Bau des Gotthardtunnels beteiligt ist. Damit handle es sich um ein Mandat im «direkten Wirkungsbereich» des ehemaligen Infrastrukturministers, kritisierte die SP. Der Bundesrat dagegen hat kein Problem mit Leuenbergers Mandat. Leuenberger selbst betont, er habe als Bundesrat nie direkt mit dem Unternehmen zu tun gehabt.

Rekordgewinn im vergangenen Jahr

Der Baukonzern hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erzielt. Der Umsatz sei um 6,9 Prozent auf 2,696 Milliarden Franken gestiegen, teilte Implenia mit. Der Reingewinn verbesserte sich gar um 16,1 Prozent auf 71,2 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn (Ebit) übertraf mit 104,1 Millionen Franken das mittelfristige Ziel von 100 Millionen Fr. bereits ein Jahr früher als erwartet. Im Vorjahr hatte Implenia einen Betriebsgewinn von 93,5 Millionen Fr. eingefahren.

Damit hat der grösste Schweizer Baukonzern die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese hatten im Durchschnitt laut der Nachrichtenagentur AWP einen Umsatz von 2,676 Milliarden Fr. und einen Reingewinn von 67,4 Millionen Fr. vorhergesagt.

Höhere Ziele

Sowohl die Sparte Real Estate (Generalunternehmung, Dienstleistungen und Immobilien) als auch die Bausparte Infra erzielten das beste Resultat ihrer Geschichte, wie Implenia weiter schreibt.

Bei der Division Industrial Construction erlebte der Tunnelbau Schweiz einen ausgezeichneten Geschäftsgang. Implenia Norwegen habe sich dynamisch entwickelt und einen guten Beitrag zum Ergebnis geleistet.

«Die weiterhin solide Baukonjunktur, der hohe Auftragsbestand und der positive interne Schwung lassen zuversichtlich ins laufende Jahr blicken», schreibt Implenia. Mit einem Auftragsbestand von 3,1 Milliarden Fr. sei man gut ins laufende Jahr gestartet. Die vollen Auftragsbücher entsprechen mehr als einem Jahresumsatz.

Nun steckt der Baukonzern die Ziele höher: Mittelfristig werde ein Betriebsgewinn von 140 Millionen bis 150 Millionen Fr. angepeilt, hiess es weiter. (kpn/sda)

Erstellt: 26.02.2013, 07:47 Uhr

Implenia-Chef Anton Affentranger äussert sich zum Abgang Moritz Leuenbergers aus dem VR der Baufirma. (Video: Keystone )

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