Libor-Affäre: UBS droht Milliardenstrafe

Gemäss Insiderinformationen hat die UBS eine Milliardenstrafe zu befürchten. Diese wäre mehr als doppelt so hoch wie diejenige, die der Bank Barclays im Juni aufgebrummt wurde.

Die Schätzungen werden immer höher: Logo der UBS in London.

Die Schätzungen werden immer höher: Logo der UBS in London. Bild: Keystone

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Als Folge der Ermittlungen in der Libor-Manipulationsaffäre könnte die UBS zu einer Strafe von über einer Milliarde Dollar verdonnert werden: Dies meldeten Nachrichtenagenturen am heutigen Donnerstagnachmittag. Als Quelle nennt etwa Bloomberg eine «Person, die Kenntnis der Untersuchungen hat». Wie drei weitere Quellen gegenüber Bloomberg sagen, wird nach wie vor um den Betrag verhandelt. Die definitive Summe steht demnach noch nicht fest.

Bereits im Juni wurde die Bank Barclays von den Behörden mit einer Strafe von 468 Millionen US-Dollar belegt. Federführend im Verfahren gegen die Grossbanken sind Finanzbehörden aus den USA und Grossbritannien. Zu den vorliegenden Informationen wollten sie sich nicht äussern. Die neue Schätzung übertrifft die Zahl, welche die «New York Times» vor zehn Tagen verbreitet hatte. In einem Artikel sprach die Zeitung von einer Strafe von 450 Millionen US-Dollar, die der UBS drohen würde.

Löwenanteil der Busse geht in die USA

Gemäss den Quellen wäre allein der Bussenanteil, welcher der UBS durch die amerikanische Regulierungsbehörde CFTC auferlegt würde, höher als die Strafe, die Barclays im Juni bezahlen musste. Ursprünglich hätte die Strafe laut Bloomberg diese Woche bekannt gegeben werden sollen. Die Verzögerungen seien demnach entstanden, weil die UBS mit den US-Justizbehörden noch über einem Vergleich verhandelt. Laut der Agentur Reuters könnte der Vergleich am Montag oder Dienstag geschlossen werden.

Die Untersuchungen gegen rund zwanzig Grossbanken aus Europa und den USA wegen Manipulationen des Libor-Zinssatzes dauern seit Monaten an. Vorgeworfen wird den Banken, dass sie den in London ausgehandelten Zinssatz verfälscht hätten, um einerseits von eigenen Zinswetten zu profitieren und andererseits einen finanziell gesünderen Eindruck zu hinterlassen. Schätzungen zufolge hängen weltweit Finanzprodukte im Umfang von 350 Billionen Dollar vom Libor ab.

Ex-Banker in London verhaftet

In den Büchern der UBS finden sich Rückstellungen von gegen 900 Millionen Franken für juristische Forderungen. Relevant für die UBS sind die US-Behörde CFTC, das amerikanische Justizministerium, die britische Financial Services Authority sowie die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma. In London sorgten Strafverfolger diese Woche für Aufsehen, als sie drei ehemalige Banker verhaften liess – darunter auch einen ehemaligen Angestellten der UBS namens Thomas Hayes.

Parallel zu den behördlichen Verfahren haben Investoren in den USA verschiedene Sammelklagen gegen Libor-Banken eingereicht. Auch hier zählt die UBS zu den Beklagten. In ihrer Eingabe ans Gericht werfen die Anwälte den Banken unter anderem vor, Käufer von liborgebundenen Zinsprodukten (Swaps) durch Absprachen benachteiligt zu haben. (ssc/Bloomberg/Reuters/FT)

Erstellt: 13.12.2012, 17:01 Uhr

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