Mammut am Social-Media-Pranger

Weil sich die Bergsportmarke Mammut zusammen mit Economiesuisse gegen das kommende CO2-Gesetz positionierte, hagelt es auf Facebook heftig Kritik.

Berühmte Mammut-Szenerie: In der Werbung gibt sich die Marke naturnah und umweltbewusst.

Berühmte Mammut-Szenerie: In der Werbung gibt sich die Marke naturnah und umweltbewusst.

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Die Outdoor-Bekleidungsmarke Mammut steht schwer in der Kritik. Zumindest in den Social-Media-Sphären. Der Grund für den Sturm: Mammuts Schützenhilfe für den Wirtschaftverband Economiesuisse. Mit der Parole «Nein zu einem starren CO2-Gesetz» bekämpft der Verband das CO2-Gesetz, das im Herbst beim Parlament erneut zur Diskussion steht . Für Economiesuisse sind die Pläne, wonach bis 2020 die CO2-Emissionen um 20 Prozent im Inland gesenkt werden sollen, zu ehrgeizig. Auf der Kampagnenwebseite CO2.ch listete der Verband alle Unternehmen auf, die sich ebenfalls gegen das neue Gesetz aussprechen. Mammut mit seinem roten Emblem ist besonders prominent inszeniert.

Dieses Bekenntnis sorgte bei der Netzgemeinde für grossen Unmut, weil sich Mammut in der Werbung als naturnahe und umweltbewusste Marke gibt. Stimmen wurden laut, die Mammut des «Greenwashings» beschuldigten. Den Ausdruck ordnet man Unternehmen zu, die sich im übertragenen Sinn ein «grünes Mäntelchen umhängen» und somit Kunden täuschen.

«Wir wollten niemanden vor den Kopf stossen»

Innert Stunden verwandelte sich Mammuts Facebook-Profil zur digitalen Klagemauer. Die Marke reagierte am Dienstag auf den wütenden Social-Media-Mob. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt Werbeleiter Christian Gisi, dass sich das Unternehmen von der Economiesuisse-Kampagne distanziert. Aus einer Unachtsamkeit sei Mammut auf der CO2-Liste aufgetaucht. «Die Präsenz auf dieser Liste hat keinerlei strategische Bedeutung. Aus diesem Grund tun wir uns nicht schwer damit, die Position von CO2.ch nicht weiter öffentlich zu vertreten», sagt der Werbechef. Gisi hat auch eine Erklärung, warum es soweit kam: Jemand im Unternehmen sei «halt mal angefragt worden» und habe spontan zugesagt, ohne sich der Konsequenzen in diesem Umfang bewusst zu sein. «Wir wollten niemanden vor den Kopf stossen damit. Die ganze Sache ist uns sehr unangenehm», erklärt Gisi.

Ungenehm dürfte die Situation mit Sicherheit gewesen sein. Ein User brachte es treffend auf den Punkt: «Das Mammut wird gerade abgeschlachtet.» Übrigens: Den Stein brachte, wie Recherchen ergeben haben, Andreas Freimüller ins Rollen. Er ist Geschäftsführer der Agentur Kampagnenforum.ch. Zu seinen Kunden gehören NGOs wie Greenpeace und WWF. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet betont Freimüller, nicht im Interesse seiner Kunden gehandelt zu haben. Er habe aus einem persönlichen Motiv die Debatte ins Spiel gebracht, weil er die Aktion von Mammut als eine «Blödheit sondergleichen» empfunden habe. Er könne dies auch nur darauf zurückführen, dass sich das Management von Mammut nicht abgesprochen habe. Der Fall zerstöre schliesslich ein Image, das seit zehn Jahren mit Sorgfalt aufgebaut werde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.08.2011, 19:41 Uhr

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