Hintergrund

Manager, Extremsportler, Mensch

Über sein Geschäft redete der verstorbene Carsten Schloter viel. Aussergewöhnlich offen sprach er in Interviews auch über den Menschen Schloter.

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Ob Umsatz, Gewinn oder Zukunftsperspektiven: In vielen Interviews sprach Carsten Schloter übers Geschäft, über neue Technologien und Zukunftsperspektiven für seine Swisscom.

Doch auch in sein Privatleben gab er immer wieder berührende Einblicke. Zum Beispiel am 26. März 2012 in der Sendung «Schawinski», als er von Moderator Roger Schawinski auf seine grösste Niederlage angesprochen wurde. «Ich habe drei kleine Kinder und lebe getrennt. Ich sehe sie alle zwei Wochen. Das vermittelt mir immer wieder Schuldgefühle. Hier habe ich das Gefühl, etwas gemacht zu haben, das nicht richtig ist.»

Als Schawinski nachhakte, sagte Schloter: «Man kann da viele Gründe ins Spiel bringen, am Ende des Tages ist es sicherlich eine Portion Egoismus. Es hat nur einen Vorteil: Wenn ich jetzt mit den Kindern zusammen bin, versuche ich wirklich, ihnen die Zeit vollumfänglich zu widmen. Aber alle zwei Wochen, das ist zu wenig.»

Am härtesten Gebirgswettlauf der Welt teilgenommen

Schloter war auch Extremsportler. Er hat 2010 und 2012 an der Patrouille des Glaciers teilgenommen. Im «Persönlich»-Interview (1. Juni 2011) wurde er gefragt, was ihn am härtesten Gebirgswettlauf der Welt fasziniere. «Die Natur. Die kann man zwar während der Patrouille nicht so gut geniessen, aber während der ganzen Vorbereitung verbringt man viele Stunden da oben. Das Zweite ist, an die eigenen Grenzen zu gehen. Es ist ein Abenteuer.»

In der Vorbereitung auf die Patrouille des Glaciers habe er «jedes Wochenende praktisch ein oder zwei Touren» gemacht. «Und ich mache zudem pro Jahr auf dem Bike fünf- bis sechstausend Kilometer.»

Frühaufsteher

Zu seinem frühen Aufstehen sagte der Swisscom-Chef gegenüber der «Schweizer Illustrierten» am 12. April 2010: «Morgens um fünf Uhr würge ich den inneren Schweinehund. Wenn ich das nicht mache, bin ich unausstehlich.» Zwei Jahre später, als er den Spitzensport reduziert hatte, sagte in der Sendung «Schawinski»: «Das gehörte für mich zur Lebenshygiene.»

Angesprochen auf seine vielen Verpflichtungen, sagte Schloter am 19. Mai dieses Jahres im Interview mit der «Schweiz am Sonntag»: «Wie viele Zeitfenster an sieben Tagen und 24 Stunden gibt es noch, während denen man frei ist von jeder beruflichen und privaten Verpflichtung? Jeder Mensch braucht solche Zeitfenster. Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. Das schnürt Ihnen die Kehle zu. Unter einem solchen Eindruck – dass es weniger Verpflichtungen sein könnten – stehe ich immer noch.» (or/cpm)

Erstellt: 23.07.2013, 15:39 Uhr

Wenn Manager aus dem Leben scheiden

Der ehemalige Ricola-Chef Adrian Kohler war 25 Jahre für das Unternehmen tätig, ehe er sich im November 2011 das Leben nahm. Vor seinem Suizid hatte Kohler sich beim Verwaltungsrat wegen finanzieller Unregelmässigkeiten angezeigt. Dabei ging es um veruntreute Geldbeträge.

Alex Widmer, ehemaliger Chef der Privatbank Julius Bär, beging im Dezember 2008 Suizid. Der 52-Jährige hinterliess eine Partnerin und drei Kinder. Seine Frau war zwei Jahre zuvor an Krebs gestorben. Die Bank betonte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Suizid und dem Geschäftsverlauf.

Im Zuge der Finanzkrise schieden weltweit mehrere prominente Wirtschaftsvertreter aus dem Leben: 2009 wurde der 52-jährige Chef eines führenden amerikanischen Immobilien-Auktionshauses, Steven Good, tot aufgefunden.

Im gleichen Jahr begingen auch der deutsche Milliardär Adolf Merckle und der Fonds-Manager René-Thierry Magon de la Villehuchet Suizid. Letzterer wurde durch das Schneeball-System von Bernard Madoff ruiniert; er verlor 1,4 Milliarden Dollar. Den Freitod wählte Adolf Merckle, dessen Firmenimperium (Ratiopharm, Heidelberg Cement) durch schwere Verluste ins Wanken geraten war. In Grossbritannien beging Kirk Stephenson, Topmanager beim Privat-Equity-Haus Olivant, Suizid. (rbi)

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