Mayrhuber will nun doch

Verwirrung bei der Lufthansa: Der designierte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber verzichtete zunächst auf Druck der Aktionäre auf eine Verwaltungsrats-Kadidatur. Nun machte er seinen Entscheid rückgängig.

Aktionäre hatten ihn für angebliche Fehlentwicklungen bei der Lufthansa kritisiert: Wolfgang Mayrhuber. (Archivbild)

Aktionäre hatten ihn für angebliche Fehlentwicklungen bei der Lufthansa kritisiert: Wolfgang Mayrhuber. (Archivbild) Bild: Reuters

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Der frühere Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber will nun doch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Fluggesellschaft werden. Das teilte das Unternehmen am Montagabend in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit.

Am Vormittag hatte der 66-Jährige noch erklärt, dass er nach Kritik aus Aktionärskreisen für das Amt nicht zur Verfügung stehe. Die Hauptversammlung findet am Dienstag in Köln statt.

Derweil wurde auch bekannt, dass der Chef der Fluggesellschaft Swiss, Harry Hohmeister, in den Vorstand des Mutterkonzerns Lufthansa berufen wird. Der 49-Jährige übernimmt die Verantwortung für Verbund-Airlines und Logistik. Das Amt des Swiss-Chefs behält Hohmeister, wie deren Mutterkonzern am Montagabend bekannt gab. Seinen neuen Job tritt er am 1. Juli an.

Neben Hohmeister stösst Bettina Volkens zur Lufthansa-Konzernleitung. Sie übernimmt das Ressort Personal und Recht. Dieses gehörte bisher Hohmeisters neuem Verantwortungsbereich an. Volkens ist nach Finanzchefin Simone Menne die zweite Frau in der Lufthansa-Führung.

Der bisherige Chef der Abteilung, Stefan Lauer, tritt auf Anfang Juli ab. Damit vergrössert sich die Konzernleitung von vier auf fünf Mitglieder.

Angebliche Fehlentscheidungen

Die Kandidatur Mayrhubers gilt als umstritten: Während sich deutsche Investoren an Fehlentscheidungen Mayrhubers aus seiner Zeit an der Unternehmensspitze störten, kritisierte die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) vor allem die Vielzahl der Verwaltungsratsmandate des Österreichers, der unter anderem Infineon, BMW und Munich Re beaufsichtigt.

Weiterhin störte sich ISS an der aus ihrer Sicht zu kurzen «Abkühlzeit» zwischen Vorstandsposten und Kontrolltätigkeit und riet ihren Kunden - meist grosse Fondsgesellschaften und andere institutionelle Anleger - zum «Nein» für den Personalvorschlag. Mayrhuber soll nach zehn Jahren dem scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Jürgen Weber folgen, hatte der Aufsichtsrat vorgeschlagen.

Wechsel war ursprünglich für 2011 geplant

Der Österreicher wird aber für strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe in seiner Zeit als Vorstandschef in den Jahren 2003 bis 2010 verantwortlich gemacht. Den aktuellen Sparkurs mit harten Einschnitten auch beim Personal könne Mayrhuber deshalb nicht glaubwürdig vertreten können, so die Kritik.

Mayrhuber sollte ursprünglich bereits 2011 in den Lufthansa-Verwaltungsrat wechseln, hatte dann aber gemäss der deutschen Grundsätze für eine gute Unternehmensführung zwei Jahre Wartezeit eingehalten. Dies war der ISS aber noch zu kurz.

Drastisches Sparprogramm eingeleitet

Das Hickhack im Verwaltungsrat fällt für das Unternehmen in eine schwierige Phase. Der aktuelle Lufthansa-Chef Christoph Franz hat auf seinem Sanierungskurs Sparmassnahmen auch an der Konzernspitze angekündigt. Den Aktionären will er eine Nullrunde bei der Dividende zumuten und im Unternehmen rund 3500 von derzeit 117'000 Stellen streichen.

Die Verbund-Airline Lufthansa umfassen unter anderem Swiss, Austrian Airlines und Germanwings. Seine neue Funktion wird Hohmeister am 1. Juli antreten, wie der Lufthansa-Konzern am Montag mitteilte (mrs/sda)

Erstellt: 06.05.2013, 09:49 Uhr

Bleibt der Swiss als Chef erhalten: Harry Hohmeister. (Bild: Keystone )

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