Mehr Passagiere, unpünktlichere Züge

Bei der heutigen Präsentation der Halbjahreszahlen müssen die SBB einen Gewinneinbruch vermelden. Eine erfreuliche Entwicklung gibt es bei den Passagierzahlen, eine unerfreuliche bei der Pünktlichkeit.

Die Zahl der täglich mit der SBB fahrenden Passagiere ist im ersten Semester 2013 auf 970'000 Personen gestiegen.

Die Zahl der täglich mit der SBB fahrenden Passagiere ist im ersten Semester 2013 auf 970'000 Personen gestiegen. Bild: Keystone

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Die SBB hat im ersten Halbjahr 2013 einen Gewinn von 100,8 Millionen Franken erwirtschaftet - 38,7 Millionen Franken oder 27,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem die zusätzlichen Unterhaltsarbeiten bei der Infrastruktur machen dem Bahnunternehmen zu schaffen.

Die SBB ist Opfer ihres eigenen Erfolgs: Die steigenden Passagierzahlen und das intensiver genutzte Bahnnetz belastet die Infrastruktur immer wie mehr. Somit steigt der Unterhaltsbedarf der Anlagen.

Die Instandhaltung und Instandsetzung der Infrastruktur habe die SBB im ersten Halbjahr zusätzlich rund 70 Millionen Franken gekostet, sagte SBB-Chef Andreas Meyer in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. «Wir haben mehr Geld ausgegeben, als wir im Rahmen der Leistungsvereinbarung bekommen.»

Zum Beispiel machte die erhöhte Nutzung der ohnehin schon stark beanspruchten Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist einen vorzeitigen Ersatz der Schienen notwendig. Meyer hielt aber sogleich fest, dass das Schienennetz generell in einem guten Zustand sei. «Es gibt keine ausserordentlichen Sicherheitsrisiken im Netz.»

Mehr Passagiere

Beim Personenverkehr verdiente die SBB 56 Prozent weniger. Der Gewinn schrumpfte auf 28,8 Millionen Franken. Grund dafür sind laut Meyer hauptsächlich die gestiegenen Trassenpreise, welche das Ergebnis um fast 100 Millionen Franken belasteten.

Dabei beförderten die Züge der SBB im ersten Halbjahr mehr Passagiere als vor Jahresfrist. Die Zahl der täglich mit der SBB fahrenden Passagiere ist im ersten Semester 2013 um 0,6 Prozent auf 970'000 Personen gestiegen. Die Anzahl Personenkilometer legte sogar um 1,9 Prozent auf 8,73 Milliarden Kilometer zu.

Weniger pünktlich

Negatives meldete die SBB bei der Pünktlichkeit. Diese ging auf 87,3 Prozent zurück. «Hier mussten wir etwas untendurch», sagte Meyer. Die Hauptgründe seien die Grossbaustellen im Raum Zürich und Genf sowie zusätzliche Unterhaltsarbeiten.

Dennoch seien die Anschlüsse in 97,5 Prozent der Fälle garantiert gewesen, was nur knapp unter dem letztjährigen Rekordwert liege. Meyer äusserte aber auch Selbstkritik: «Wir haben die Kunden zu wenig informiert, was genau gemacht und gebaut wird.» Bei der Informationspolitik strebe die SBB deshalb Verbesserungen an.

Gewinn beim Güterverkehr

Auf gutem Weg befinden sich laut Meyer die Sanierungsmassnahmen bei SBB Cargo. Die Güterverkehrstochter schrieb einen Gewinn von 2,6 Millionen Franken, nachdem sie vor einem Jahr mit einem Minus von 22,0 Millionen Franken noch tief in den roten Zahlen steckte.

Das Ergebnis der Vorjahresperiode war jedoch durch die Gotthardsperre beeinträchtigt. Deshalb warnte Meyer vor überhöhten Erwartungen: «Eine schwarze Null bis zum Jahresende ist erreichbar, wird aber kein Spaziergang.»

Ausbau geht weiter

SBB Immobilien konnte das Ergebnis vor Ausgleichszahlungen um 47 Prozent auf 158,2 Millionen Franken steigern. «Die Nachfrage nach Objekten an zentraler Lage bleibt hoch», sagte Meyer.

Zudem hielten sich in den Bahnhöfen immer mehr Personen auf, was zu mehr Umsatz in den 32 Grossbahnhöhen führe. Dieser legte um 2,4 Prozent zu, während der Schweizer Detailhandel im ersten Halbjahr insgesamt 0,5 Prozent verlor.

Die SBB Infrastruktur musste wegen des erhöhten Unterhaltsbedarfs einen Verlust von 70,7 Millionen Franken hinnehmen. «Es ist insgesamt ein anstrengendes Jahr mit vielen Herausforderungen», bilanzierte Meyer. «Der Ausbau des Angebots geht weiter.» Der Einsatz neuer Züge im Regional- und Fernverkehr sowie der Aufbau schnellerer und zusätzlicher Verbindungen stünden kurz bevor.

Im nächsten Jahr käme zudem die «Jahrhundertvorlage» zur Finanzierung und zum Ausbau der Bahninfrastruktur (FABI) vors Volk. Meyer warb für ein Ja, weil so eine «verbindliche, kontinuierliche Finanzierung des öffentlichen Verkehrs» sichergestellt würde. (sam/sda)

Erstellt: 18.09.2013, 10:14 Uhr

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