Meilensammler im Meilendschungel

1 bis 3 Rappen ist eine Flugmeile wert. Aber wer hat bei den Programmen überhaupt noch den Durchblick? Von einem, der ein Geschäft aus dem Irrgarten macht – auch in Zürich.

Wo bitte, gehts hier zur Meilenkasse? Besucher einer Flugzeugmesse in Hamburg. (Archivbild)

Wo bitte, gehts hier zur Meilenkasse? Besucher einer Flugzeugmesse in Hamburg. (Archivbild) Bild: Martin Rütschi/Keystone

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Die Herbstferien sind vorbei, viele Flugreisende sind um einige Bonusmeilen reicher geworden. Aber ob sie diese jemals einlösen, ist fraglich. Von allen gesammelten Bonusmeilen weltweit verfällt jede dritte, schätzen Branchenexperten. Je nach Programm und Airline liegt der Wert einer Meile zwischen 1 und 3 Rappen. Damit bleiben jährlich 100 bis 300 Millionen Franken ungenutzt – Tendenz steigend. Denn die gut 200 Vielfliegerprogramme, darunter «Miles & More» von Swiss und Lufthansa, werden je länger, je enger gestaltet.

Erstens werden die Meilen weniger grosszügig vergeben als früher. Passagiere müssen mehr fliegen, um in den Genuss von Vergünstigungen zu kommen und einen höheren Mitgliederstatus zu erreichen. Bei der Swiss zum Beispiel wurde der Meilenbonus per Anfang 2014 bei den billigeren Flugtickets massiv gekürzt. Zweitens verfallen die gesammelten Punkte schneller als noch vor einigen Jahren. Die Gültigkeit liegt, je nach Meilenprogramm, zwischen einem Jahr und unbegrenzter Laufzeit. Bei der Swiss sind es momentan drei Jahre. Drittens ist weltweit das Angebot an Sitzplätzen gesunken, die man mit Meilen kaufen kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass man für Meilenflüge oft höhere Steuern und Gebühren berappen muss als bei einem herkömmlich gebuchten Flug. So ist Letzterer manchmal gar günstiger als ein mit Meilen gekaufter Flug. Eine Leserin erlebte dies, als sie 30'000 Meilen im Bonusprogramm «Miles & More» der Swiss und Lufthansa einlösen wollte. Die Gebühren für den Meilenflug von Zürich nach Kopenhagen waren etwa gleich hoch wie eine reguläre Flugreise.

Vielfliegerseminare für 700 Euro

Damit Reisende doch noch etwas aus den vielen Bonusmeilen machen können, haben findige Köpfe dies zum Geschäft gemacht. Zum Beispiel Alexander Koenig, der als Unternehmensberater für die Boston Consulting Group und McKinsey durch die Welt jettete. Über die Jahre entwickelte der Deutsche Strategien, um seine Meilen- und Punktekonten bei Airlines und Hotels bestmöglich auszunutzen. Vor einigen Jahren gründete Koenig, der inzwischen in Dubai lebt, das Insiderportal «First Class & More». Über verschiedene Kanäle – etwa persönlich sowie in Büchern und Online-Newslettern – berät er Leute, wie sie ihre Reisekosten teils massiv senken können, wenn sie ihre Flugmeilen optimal einsetzen.

Dieses Jahr vermittelte Koenig sein Wissen erstmals in Seminaren. Bis dato waren es sechs in Deutschland und eines in Wien. Durchgeführt werden die Kurse in gehobenen Hotels. Ende November findet im Dolder Grand in Zürich das erste von «First Class & More» statt. Sie dauern einen ganzen Tag und kosten inklusive Verpflegung rund 700 Euro. Die Anlässe waren laut Koenig stets ausgebucht; auch derjenige in Zürich.

Sind die Seminare, angesichts des stattlichen Preises, eine Angelegenheit nur für Manager mit hohem Einkommen? «Nein, die Gruppen sind bunt gemischt», sagt Alexander Koenig gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: Selbstständige, die ihre Reisekosten optimieren wollen. Manager, die von ihren Firmen nur Economyclassflüge bezahlt bekommen, jedoch mit einem höheren Vielfliegerstatus Privilegien wie Loungezugang wünschen. Grosse Leute, die nicht eingequetscht in der Economyclass sitzen möchten, und viele, die einfach in Eigenregie Businessclass und First Class bis zu 70 Prozent günstiger buchen wollen.

Grosse Ersparnisse

Fragt sich, ob die Kurskosten von 700 Euro wieder hereingeholt werden mit einem besseren Meileneinsatz. Das Seminar refinanziert sich Koenig zufolge «in der Regel sehr schnell». Die Teilnehmer, die während des Seminars die eigenen Laptops oder Tablets benutzten, könnten Schritt für Schritt nachvollziehen, wie man nach Business- und First-Class-Flügen mit grossen Ersparnissen suchen und diese auch buchen könne. Die Ersparnisse würden somit «live» erlebt.

Zur scheinbar grosszügig bemessenen Kursdauer von sieben Stunden – Pausen nicht eingerechnet – meint Koenig, dass die Zeit eigentlich zu knapp bemessen sei. «Das Vielfliegerbusiness ist eine komplexe Materie und erfordert zunächst eine Einführung in die Welt der Vielfliegerprogramme. Das Beherrschen von Profitools zur Flugsuche – und damit sind nicht die Standardflugportale im Internet gemeint – erfordere ebenfalls mehrere Stunden Training, erklärt der Gründer von «First Class & More».

Erstellt: 30.10.2014, 15:33 Uhr

Meilentipps für Schweizer Vielflieger

Alexander Koenig rät Schweizer Vielfliegern Folgendes, um möglichst viel aus ihren Flugmeilen machen zu können:

Meilen sammeln


  • Wenn man eine «Miles & More»-Kreditkarte der Swiss besitzt, verfallen die gesammelten Meilen nicht. Zudem erhält man für die Beantragung einen attraktiven Meilenbonus (aktuell mind. 12.000 Meilen), und auch für jeden Kreditkartenumsatz werden Meilen gutgeschrieben. Je nach Kartenlevel muss man allerdings bestimmte Umsatzkriterien erfüllen.

  • Die beste Möglichkeit für Schweizer, Meilen zu sammeln, sind die Coop-Trophy-Aktionen. Während einer Trophy können bis zu 50'000 Meilen generiert werden.

  • Darüber hinaus gibt es die Coop-Superpunkte. Wer seine Wocheneinkäufe mit fast immer vorhandenen 5x-Coupons durchführt, kann als Familie mit monatlichen Ausgaben von 1000 Franken rund 60'000 Superpunkte pro Jahr sammeln, die in 30'000 «Miles & More»-Meilen umgewandelt werden können.

  • Man auch über Zeitschriftenabos Meilen sammeln. Doch die meisten haben eine unattraktive Meilen-Ratio, also den Preis für 1000 Meilen.



Meilen einsetzen


  • Ein No-Go ist der Meileneinsatz im Swiss Shop bzw. Lufthansa-Worldshop oder für Standard-Economy-Tickets zu Mainstream-Destinationen. Dort zahlt man in der Regel drauf, denn auch bei Prämientickets zahlt man immer Steuern und Gebühren, die bei Flugprämien interessanterweise teils höher sind als beim regulären Kaufticket. Darum die Meilen für Economy-Flüge an Nicht-Mainstream-Destinationen oder für generell besonders teure Routen verwenden, oder dann für Flüge in der Business Class.

  • Es lohnt sich, immer wieder auf www.meilenschnaeppchen.de vorbeizuschauen. Dort gibt es stets um nahezu 50 Prozent reduzierte Prämientickets, auch in der Business Class. Einfach oben die Schweiz als Abflugort auswählen.

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