«Meine Taten werden lauter sprechen als Worte»

Die einstige Buchhalterin Vanessa Hall soll die taumelnde Gastrokette Vapiano retten.

Erst 2018 trat sie dem Verwaltungsrat von Vapiano bei, wurde zur Vorsitzenden und ist nun operative Chefin: Vanessa Hall.

Erst 2018 trat sie dem Verwaltungsrat von Vapiano bei, wurde zur Vorsitzenden und ist nun operative Chefin: Vanessa Hall.

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Dass Vanessa Hall ab September die Chefin der Restaurantkette Vapiano wird, war so nie geplant. Doch nachdem der bisherige Chef nur drei Tage vor der Generalversammlung abgedankt hatte, erklärte sich die gebürtige Britin und bisherige Verwaltungsratsvorsitzende bereit, die Geschäfte bis mindestens April 2020 zu leiten.

Besonders viel Spass, das zeigt sich bei der Generalversammlung in Köln, dürfte die Aufgabe nicht machen. Kein Lächeln huscht Hall übers Gesicht, stattdessen verschränkt sie die Arme vor ihrem knallorangenen Kleid und hört über Kopfhörer fast regungslos zu, was Aktionäre ihr und ihren Kollegen an den Kopf werfen. Die Expansionsstrategie ist gescheitert, der Verkauf des US-Geschäfts wankt, die Aktie hat rund 80 Prozent an Wert verloren. Kein Wunder: In Europa mit den zehn Ablegern in den grössten Schweizer Städten verdiente Vapiano mehr als 11 Prozent weniger – und weltweit rund 25,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Bei mehr als 400 Millionen Franken Umsatz blieb 2018 ein Verlust von 110 Millionen.

Hauptgrund dafür ist die Expansion nach Übersee, nach Australien beispielsweise oder in die USA. Zeitweise eröffnete Vapiano in drei Ländern gleichzeitig und baute das Geschäft mit Lieferdiensten weiter aus. Für den Konzern bedeutet das Schulden, für die Mitarbeiter Druck und für die Kunden langes Anstehen. Denn bei Vapiano warten die Gäste an der Theke und schauen zu, wie Köche ihre Pasta oder Salate zubereiten. Dauert das zwei oder drei Minuten länger, springen die Kunden ab und gehen in andere Restaurants.

Zur Strategie der kommenden Monate äussert sich Hall nur vage

Vanessa Hall soll die Gastrokette nun wieder zu alter Grösse führen. 1967 ist die neue Chefin im Norden von Grossbritannien geboren. Ihre Karriere begann sie bei einer Treuhandgesellschaft , bevor sie Ende der Achtziger zur Getränkefirma Bass Brewers wechselte. Dort war sie für die Finanzen des Softdrinkhersteller Britvic zuständig. Sie wechselte zu Mitchells & Butlers, einem der grössten Betreiber von Restaurants und Pubs in Grossbritannien. In eine Führungsposition rückte sie später bei der Gastronomiekette Yo! Sushi. Anders als bei Vapiano war die Expansion, die Hall dort vorantrieb, durchaus erfolgreich. Als der Eigentümer der Kette 2015 wechselte, stieg sie aus und kümmerte sich um ihre Familie.

Erst 2018 trat Hall dem Verwaltungsrat von Vapiano bei, wurde zur Vorsitzenden und ist nun operative Chefin. Wie Hall die zahlreichen Probleme lösen will, lässt sie an der Generalversammlung allerdings offen. Während ihr Vorgänger den Aktionären in den Jahren zuvor noch ausführlich erklären durfte, was man ändern wolle – von der Einführung eines Mittagsmenüs bis hin zur Reduktion der Speisekarten –, redet Hall vor allen Dingen über ihre erfolgreiche Vergangenheit.

Zur Strategie der kommenden Monate äussert sie sich nur vage. Sie wolle die Komplexität verringern, den Service in den Restaurants wieder schneller machen und die Gastlichkeit verbessern. Konkrete Ansagen über die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens gibt es nicht – genauso wenig wie Szenenapplaus. Die meisten Aktionäre dürften hoffen, dass stimmt, was sie zum Schluss sagt: «Meine Taten werden lauter sprechen als meine Worte.»

Erstellt: 22.08.2019, 18:09 Uhr

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