Michelle und Mibelle: Frau Obama beglückt die Migros-Industrie

Die First Lady verwendet eine Gesichtscreme, deren Wirkstoff von der Kosmetikfirma Mibelle stammt. Erfolgsstorys wie diese verhelfen der Industriegruppe der Migros im Ausland zu Wachstum.

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Im November 2009 erschien im Modemagazin «Vogue» ein Artikel über den Uttwiler Spätlauber, eine fast ausgestorbene Schweizer Apfelsorte mit sehr guter Lagerfähigkeit, von der es nur noch drei Bäume gab. Nun, das Blatt interessierte sich nicht für den Apfel an sich, sondern für dessen Stammzellen. Diese sollen der Hautalterung vorbeugen. Den Wirkstoff hat die Schweizer Mibelle entwickelt. Auf wenigen Zeilen war noch erwähnt, dass Präsidentengattin Michelle Obama eine Creme der Firma Clark verwendete, welche die Substanz enthielt – und 355 Dollar kostete.

Die Gratiszeitung «20 Minuten» nahm die Story vom Super-Apfel auf und gab ihren Leserinnen einen Tipp: Das vergleichbare Zoé-Produkt der Migros koste knapp 30 Franken. «An jenem Tag waren wir ausverkauft», erinnert sich Luigi Pedrocchi, Geschäftsführer Mibelle. Die Verkäufe schnellten von bescheidenen 600 Franken pro Tag auf 3000 Franken. Dann schrieb die Migros-Presse darüber, und pro Tag wurden gegen 30'000 Franken umgesetzt. Unterdessen hat dieser Erfolg die ganze Kosmetiklinie Zoé beflügelt.

25 Biochemiker am Forschen

«Die Natur hat so viel zu bieten», sagt Pedrocchi, der unter seinen 475 Beschäftigten 25 Biochemiker zählt, die neue Wirkstoffe erforschen – zuletzt jenen der widerstandsfähigen und immergrünen Alpenrose. Die Innovationen werden weltweit verkauft, an bekannte Marken wie Lancôme, aber auch an unbekannte Eigenmarken. Weniger als 5 Prozent davon landeten in Migros-Regalen, hiess es an einem Mediengespräch.

Die M-Industrie erzielt knapp 9 Prozent ihrer 5,3 Milliarden Franken Umsatz im Ausland. Die Exporte legten 2010 mit 13,5 Prozent aber klar am stärksten zu – trotz Währungsverlusten. Dazu beigetragen hat der Kauf der britischen Hallam Beauty, die 40 Millionen Franken umsetzt. Mibelle ist bei Kosmetik und Hygiene nun Europas drittgrösster Hersteller von Handelsmarken.

Für Walter Huber, Chef M-Industrie und Mitglied der Generaldirektion der Migros, gehört die Körperpflege zu den Schlüsselbereichen, in denen er Potenzial sieht, um im Inland Erarbeitetes im Ausland zu multiplizieren. «Wir besetzen aber lediglich Felder, die auch für die Migros interessant sind.» Schon heute steht der Bereich mit Exporten von 144 Millionen Franken an der Spitze und hat die Schokolade und den Kaffee auf dieser Position abgelöst. Potenzial sieht Huber auch im Bereich Fertig- und Bequemgerichte. Da sei die Schweiz weiter als das Ausland. Das wolle man international in Erfolg ummünzen. So beliefert die 2009 gekaufte österreichische Gastina europäische Handelsketten mit gekühlten Produkten; produziert wird in der EU, das Know-how stammt aus der Schweiz – etwa von Anna’s Best.

Töchter in Kanada und den USA

Trotz starkem Franken hält Industrie-Chef Huber am 2007 formulierten Ziel fest, den Auslandumsatz bis 2012 auf 700 Millionen zu verdoppeln. Mit 475 Millionen sei man davon zwar noch weit entfernt. Viele gute Projekte seien aber aufgegleist, und mit dem einen oder anderen kleinen Zukauf sei das «machbar». In Kanada und den USA hat man unter dem Namen M-Industry Töchter zur lokalen Vermarktung eröffnet.

Im Inland hat die M-Industrie Preisvorteile im Einkauf an die Migros weitergegeben. Trotzdem stieg der Umsatz um 0,7 Prozent, wobei Denner, Le Shop und Migrolino überdurchschnittlich viel dazu beitrugen. Das mit 1,3 Milliarden umsatzstärkste Segment «Fleisch, Fisch, Geflügel» war 2010 Wachstumstreiber im Inland. Organisch legte dabei allerdings vor allem das Geschäft mit der Gastronomie zu. Ein Teil des Wachstums geht auf die Übernahme der Fischproduktion von regionalen Migros-Genossenschaften und einen Zukauf zurück.

Konkurrenz nehme zu

Im Geschäft mit Grossverbrauchern nehme der Konkurrenzdruck nach der Übernahme von Transgourmet durch Coop zu, sagt Huber. «Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir substanziell höhere Volumen erreichen.» Huber plant einen Sortimentsausbau: «Mit Milchprodukten etwa waren wir in der Gastronomie bisher fast nicht präsent.» Bei den Abholmärkten hält die Migros 30 Prozent an der Familienfirma CC Angehrn, hat aber keine Option auf mehr. Die Zusammenarbeit soll nun Bereich für Bereich ausgebaut werden. So liefert die Migros-Grossmetzgerei Micarna grosse Mengen Fleisch an CC Angehrn.

Mit gut 10 000 Mitarbeitenden und 366 Lernenden ist die Migros-Industrie ein grosser Arbeitgeber. In den nächsten drei Jahren will man 500 Millionen investieren, nachdem letztes Jahr schon 140 Millionen in den Ausbau des Werkplatzes Schweiz flossen.

Erstellt: 11.02.2011, 22:25 Uhr

Unfreiwillig Werbeträgerin für die Mibelle-Kosmetiklinie Zoé: Michelle Obama. (Bild: Keystone )

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