Microsoft schreibt erstmals Verlust

Der Software-Gigant Microsoft muss im vierten Geschäftsquartal einen Verlust von 492 Millionen Dollar verkraften – das erste Mal seit dem Börsengang im Jahr 1986.

Scheint den Anschluss zu verlieren: Der Software-Gigant Microsoft. (Archivbild)

Scheint den Anschluss zu verlieren: Der Software-Gigant Microsoft. (Archivbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Internet-Geschäft hat Microsoft seinen ersten Quartalsverlust als Aktiengesellschaft beschert. Im vierten Geschäftsquartal gab es ein Minus von 492 Millionen Dollar. Auslöser war eine bereits Anfang Juli angekündigte Abschreibung über 6,2 Milliarden Dollar auf die vor fünf Jahren gekaufte Online-Werbefirma Aquantive. Im Vorjahresquartal hatte es noch einen Gewinn von 5,87 Milliarden Dollar gegeben.

Das Online-Geschäft ist eine Dauerbaustelle, in der Microsoft über die Jahre viele Milliarden versenkt hat. In dem nun abgeschlossenen Geschäftsjahr addierte sich das operative Minus des Bereichs mit der Abschreibung auf 8,12 Milliarden Dollar. Schon im Jahr davor hatte der Software-Gigant im Internet 2,66 Milliarden Dollar verloren.

Der Umsatz legte in dem Ende Juni beendeten Geschäftsquartal um 3,9 Prozent auf 18,06 Milliarden Dollar zu. Es war ein Rekordwert, wie Konzernchef Steve Ballmer nach US-Börsenschluss am Donnerstag betonte.

Hoffnungen auf Windows 8

Im gesamten Jahr stieg der Umsatz um 5,4 Prozent auf den Bestwert von 73,7 Milliarden Dollar. Der Jahresgewinn fiel um gut ein Viertel auf 16,98 Milliarden Dollar. Die Aktie legte nach Börsenschluss zeitweise um 2,30 Prozent zu.

Die verlässlichste Geldquelle von Microsoft blieb die Office-Bürosoftware. Die Business-Sparte steuerte im gesamten Geschäftsjahr einen operativen Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar bei, mehr als die 11,46 Milliarden von Windows.

Ende Oktober kommt das neue Windows 8 auf den Markt. Der Software-Gigant erhofft sich davon eine Belebung des PC-Marktes, der zuletzt von dem rasanten Wachstum bei Smartphones und Tablets in den Schatten gestellt wurde. Microsoft will mit Windows 8 auch bei Tablet-Computern Fuss fassen. Die Software ist auch auf die Bedienung per Touchscreen ausgelegt.

Um den Absatz der bisherigen Version Windows 7 in den kommenden Monaten zu stützen, versprach Microsoft den Käufern einen Rabatt beim Upgrade auf die Nachfolgesoftware. Dafür plante der Konzern schon mal 540 Millionen Dollar ein.

Von Fehlkauf eingeholt

Im Spiele- und Unterhaltungsbereich mit der Spielekonsole Xbox 360 gab es im Schlussquartal rote Zahlen von 263 Millionen Dollar, im gesamten Geschäftsjahr aber ein operatives Plus von 364 Millionen. Microsoft versucht gerade, die Xbox zu einem Herzstück der Wohnzimmer-Unterhaltung zu machen. Dafür wurde das Angebot von Filmen und Sendungen für die Plattform stark ausgeweitet.

Mit der Online-Abschreibung holte Microsoft ein Jahre zurückliegender Fehlkauf ein. Der Konzern hatte Aquantive 2007 für 6,3 Milliarden Dollar übernommen. Der Software-Primus wollte Google das Werbegeschäft im Netz nicht kampflos überlassen.

Google hatte kurz zuvor den Spezialisten DoubleClick geschluckt. Doch während bei Google die Werbemilliarden flossen, tröpfelten die Einnahmen bei Microsoft nur.

(ses/sda)

Erstellt: 20.07.2012, 00:01 Uhr

Bildstrecke

Microsoft legt Office 2013 vor

Microsoft legt Office 2013 vor Neue Funktionen gibt es kaum, dafür Anpassungen an Windows 8 – und eine neue Lizenzierungsform. Diese bietet viele Vorteile. Vor allem muss man nicht ständig updaten.

Artikel zum Thema

Am 26. Oktober startet ein neues Windows-Zeitalter

Microsoft hat für Ende Oktober den Start seines neuen Betriebssystems Windows 8 angekündigt. Mehr...

EU tobt – Microsoft gesteht Fehler ein

Nächste Runde im jahrelangen Streit mit dem US-Softwarekonzern. Die EU-Kommission droht Microsoft erneut mit einer harten Strafe. Grund: Der Auswahl-Bildschirm für alternative Webbrowser sei verschwunden. Mehr...

EU-Kommission leitet Verfahren gegen Microsoft ein

Informatik Brüssel Die EU-Kommission hat am Dienstag ein formelles Verfahren gegen Microsoft eingeleitet und damit die nächste Runde im jahrelangen Streit mit dem US-Softwarekonzern eingeleitet. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Geldblog Solarenergie: So setzen Sie auf den Megatrend

Sweet Home Da werden wir weich

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...