Migros Aare baut 300 Arbeitsplätze ab

Bis 2021 will die Migros Aare 300 Stellen streichen. 20 Mitarbeitende haben die Kündigung bereits erhalten.

Die Migros Aare setzt den Rotstift an.

Die Migros Aare setzt den Rotstift an. Bild: Keystone

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Wenn ein Unternehmen mitteilt, es stelle sich für die Zukunft auf, bedeutet das für die Zukunft der Mitarbeitenden oft nichts Gutes. Die Migros Aare gab am Dienstag bekannt, dass sie in den kommenden zwei Jahren 300 Stellen ­abbauen will. Dies solle «so sozialverträglich wie möglich» passieren, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung schreibt.

Das heisst: Die Migros will möglichst keine Kündigungen aussprechen, sondern den Abbau über natürliche Fluktuationen bewältigen. Für 20 Mitarbeitende in der Betriebszentrale in Schönbühl war diese Absichtserklärung am gestrigen Tag allerdings ein schwacher Trost. Sie wurden im Rahmen der angekündigten «Effizienzmassnahmen» gleich auch über ihre Kündigung informiert.

Alle Bereiche sind betroffen

Die Entlassung von 20 Angestellten in der Betriebszentrale ist eine von über hundert Massnahmen, mit welchen die Migros Aare in den kommenden Monaten ihre Rentabilität verbessern will. Wie genau sich diese Sparübung auf die verbleibenden Mitarbeiter und die Kunden auswirken wird, kann die Migros zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau beantworten.

Als grobe Eckpunkte nennt das Unternehmen die Überarbeitung ihrer Immobilienstrategie, die Überprüfung der Einkaufsprozesse sowie eine neue Organisationsstruktur in der Betriebszentrale in Schönbühl. Klar ist hingegen das Sparziel: Rund 100 Millionen Franken sollen über die ganze Organisation bis 2021 eingespart werden.

«Unsere Strategie kann nur zum Erfolg führen, wenn sie durch eine effiziente Organisation gestützt wird.»Anton Gäumann, Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Aare

Auf der sicheren Seite kann sich heute keiner der Unternehmensbereiche wähnen. «Sämtliche Prozesse in der gesamten Organisation werden überprüft und wo möglich angepasst», sagt Daniela Lüpold, Sprecherin der Migros Aare. Der geplante Stellenabbau werde folglich «entlang der gesamten Wertschöpfungskette» stattfinden.

Auch das Verkaufspersonal in den Filialen könnte also bald vom Abbau betroffen sein. Insgesamt beschäftigt die Migros Aare heute rund 12000 Angestellte und ist damit der grösste private Arbeitgeber in der Region.

Die Wende bei der Migros

Während Stellenabbau und «Effizienzmassnahmen» in anderen Unternehmen gang und gäbe sind, markieren sie in der Geschichte der Migros Aare doch eine Art Wendepunkt. Jahrelang gab sich der als Genossenschaft organisierte Grossverteiler mit tiefen Gewinnen im einstelligen Millionenbereich zufrieden. Eine hohe Rentabilität gehörte nie zur «Raison d’être» des orangen Riesen.

Das scheint sich ab 2014 geändert zu haben, als die Migros Aare dreimal in Folge einen Gewinn von über 60 Millionen Franken einfuhr. Die vergangenen beiden Jahre, wo der Gewinn lediglich 30 respektive 35 Millionen Franken betrug, bedeuteten folglich einen Rückschritt.

Das Sparprogramm, das intern unter dem Namen «Fokus» läuft, ist von der Migros-Spitze in Zürich persönlich verordnet worden. Fabrice Zumbrunnen, seit zweieinhalb Jahren Chef des Migros-Genossenschafts-Bunds, gab den Spartarif vor knapp einem Jahr durch. Die regionalen Ableger der Migros müssen nun mit dem von Zumbrunnen ausgehändigten Rotstift ihre Budgets überarbeiten.

Geld fliesst in neue Angebote

Begründet wird das Sparprogramm vor allem mit den sich ändernden Kundenbedürfnissen, dem herausfordernden Marktumfeld und der sinkenden Rentabilität. Hinter den schwammigen Begriffen stecken echte Probleme.

Die Konkurrenz durch den Onlinehandel etwa, der zurzeit fast alle Detailhändler beschäftigt, ist auch bei der Migros Aare ein Thema. Mit den eingesparten Mitteln will sie folglich in ihre digitalen Projekte investieren.

Anton Gäumann. Foto: Beat Mathys

Eines davon ist beispielsweise «My Migros», ein Onlineshop für Lebensmittel, der mittels Cumulus-Daten den Nutzern ein personalisiertes Sortiment zusammenstellt. «Die Herausforderung besteht darin, im bisherigen Kerngeschäft weiter erfolgreich zu sein und gleichzeitig neue, zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln», sagt Sprecherin Daniela Lüpold.

«Position der Stärke»

Anton Gäumann, Geschäftsleiter der Migros Aare, betont, dass sein Unternehmen all diese Massnahmen aus einer «Position der Stärke» umsetze. Die Strategie könne nur dann zum Erfolg führen, wenn eine effiziente und schlagkräftige Organisation dahinterstehe. «Die Migros Aare will diesen Schritt tun, um langfristig wettbewerbsfähig und rentabel zu bleiben», so Gäumann.

Beim Migros-Personal stossen die Worte des Chefs derweil auf wenig Verständnis. Gerade am Hauptsitz in Schönbühl ist die Stimmung nach den 20 Entlassungen schlecht, besonders, weil man nicht genau weiss, ob weitere folgen werden.

Erstellt: 17.09.2019, 21:41 Uhr

Gewerkschaft fordert Verzicht auf Entlassungen

Der Arbeitsplatzabbau bei der Migros Aare stösst bei der
Gewerkschaft Unia auf scharfe Kritik. Der Entscheid sei nicht nachvollziehbar, schliesslich stehe die Migros finanziell solid da.

Die Arbeitsproduktivität und damit der Gewinn pro Kopf seien in den letzten Jahren ständig gestiegen. Die Unia erwartet vom grössten Arbeitgeber der Schweiz, dass er auf Entlassungen verzichtet und interne Lösungen für die betroffenen Angestellten findet.

Den Abbau finden die Gewerkschafter auch mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Onlinehandel strategisch falsch: Ein motiviertes und geschätztes Personal, das die Kundinnen und Kunden qualitativ gut berate, sei der beste Vorteil, den die Migros haben könne, hält die Unia fest.

Bei einem weiteren Stellenabbau aber müsse das verbleibende Personal eine zunehmende Verdichtung der Arbeit hinnehmen. Diese Mehrbelastung bedeute auch: mehr Stress für die bereits jetzt ausgelasteten Angestellten.

In einer Umfrage der Unia haben Mitarbeitende des Grossverteilers besonders kritisiert, dass der Arbeitsrhythmus streng sei und es an Personal mangle. Die Migros solle diesen Druck stoppen.

Die Unia kritisiert ferner, dass trotz harter Arbeit des Personals, damit die Migros prosperieren könne, die Löhne weniger stark als die allgemeine Teuerung angehoben worden seien. (jw)

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