Migros kauft sich in Deutschland ein

300 Filialen der deutschen Supermarktkette Tegut stossen neu zur Migros Zürich. Tegut ist in den deutschen Bundesländern Hessen und Thüringen sowie im nördlichen Teil Bayerns tätig.

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Die Migros Zürich übernimmt das Handelsgeschäft der Supermarktkette Tegut aus Deutschland. Das Unternehmen mit dem Hauptsitz in Fulda betreibt rund 300 Filialen und beschäftigt 6300 Angestellte. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 1,16 Milliarden Euro.

Den Kaufpreis geben die Partner nicht bekannt. Der Kauf beschränke sich auf das Handelsgeschäft von Tegut, betonten die Partner in Zürich. Das Industrie- und Landwirtschaftsgeschäft von Tegut bleibt in den Händen der Familie Gutberlet.

Mit dem Kauf des Tegut-Handelsgeschäft bringt Migros Zürich auch eigene Produkte in die deutschen Supermärkte. Umgekehrt werde es aber keine Tegut-Produkte in den Migros-Läden im Grossraum Zürich geben.

Mit dem Kauf sind auch klar Wachstumspläne in Deutschland verbunden. «Wir machen zuerst Tegut fit für die Expansion», sagte Migros-Zürich-Geschäftsführer Jörg Blunschi. Es sei möglich, aus dem Tegut-Stammgebiet in Hessen, Thüringen und Nordbayern herauszuwachsen. «Interessant für uns wäre Baden-Württemberg.»

Bezüglich weiterer Übernahmen äusserte sich Blunschi vorsichtig. Es gebe in Deutschland nicht entsprechende Objekte wie Sand am Meer.

Migros will im Ausland wachsen

Im Ausland zu wachsen ist ein erklärtes Ziel des Schweizer Detailhandels-Marktführers. Der deutsche Lebensmittelhandel wächst stärker als der schweizerische. «Expansion in der Schweiz ist für die Migros nur noch bedingt möglich», sagte Edi Class, Präsident der Migros Zürich, vor den Medien.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass eine regionale Genossenschaft und nicht die Dachorganisation Migros-Genossenschaftsbund (MGB) den Kauf tätige, sagte Class weiter. Der Lebensmittelhandel sei die Stärke der Genossenschaften. Ein Mitglied der MGB-Generaldirektion werde aber im Aufsichtsrat von Tegut Einsitz nehmen, sagte Class.

Der Besitzer von Tegut, Wolfgang Gutberlet, fühlte sich bei der Führung des 1947 in Hessen gegründeten Unternehmens den Grundsätzen von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verpflichtet, wie er während der Medienkonferenz betonte. Die Unternehmensphilosophie der beiden Detailhandelsunternehmen sei sehr ähnlich.

Vieles sprach für ein Zusammengehen von Migros und Tegut, wie der «Tages-Anzeiger» bereits bei den ersten Gerüchten schrieb. Da ist zum einen die Lage, in der sich Tegut befindet. In einem Interview im Regionalblatt «Fuldaer Zeitung» hatte Thomas Gutberlet unlängst gesagt, eine Allianz mit einem starken Partner oder ein Verkauf seien im Bereich des Möglichen. Die Geschäftslage der Kette mit ihrem für deutsche Verhältnisse tiefen Umsatz von 1,16 Milliarden Euro gilt seit Jahren als angespannt, zuletzt machte Tegut mit Ladenschliessungen von sich reden. «Wir haben kein Jahr für besonders gute Ergebnisse, und so nehmen wir auch Schliessungen unrentabler Märkte vor», sagte Gutberlet im Lokalblatt. In einer Krise stecke man allerdings nicht. Wie Umstrukturierungen seien Ladenschliessungen ein «normaler Prozess» und oft die Folge demografischer Veränderungen.

Ähnliche Unternehmensphilosophie

Ein Engagement der Migros kam aus mehreren Gründen in Betracht. Zum einen sieht Jörg Blunschi, Geschäftsleiter der Migros Zürich, im Inland abgesehen vom Biomarkt kaum noch Wachstumspotenzial - und Wachstum ist sein erklärtes Ziel. Sortiment und Unternehmensphilosophie passen zudem gut zueinander: Tegut setzt stark auf regionale Verankerung und Beschaffung und eröffnet neue Filialen nur in einem Umkreis von maximal 150 Kilometern vom Zentrallager in Fulda. Mit über 20 Prozent ist der Bioanteil am Umsatz sehr hoch. Der 200-köpfige Kundenrat erinnert an die 100 Delegierten des Migros-Genossenschafts-Bundes.

Hinzu kommen persönliche Faktoren: Blunschi führte als Ex-Chef der Migros Basel lange den Ableger in Lörrach und kennt den deutschen Markt gut. Über Alnatura-Chef Götz Rehn hat er gar einen direkten Draht zu Tegut: Rehn gilt als enger Geschäftsfreund der Familie Gutberlet, die sich wie Rehn zu den Anthroposophen zählt. Der Alnatura-Chef und Thomas Gutberlet, der den Chefsessel 2009 vom Vater übernommen hat, sind jedoch keine weltfremden Idealisten: Beide haben in jungen Jahren die harte Managerschule von Nestlé durchlaufen. (wid/ta/sda)

Erstellt: 11.10.2012, 11:15 Uhr

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