Migros reagiert beim Pferdefleisch

Die Tierquälerei bei der Produktion in Kanada und Argentinien hat auch bei der Migros Konsequenzen.

«Wir werden unseren Lieferanten mit diesen Bildern konfrontieren», sagt Migros-Mediensprecher Naef: Verladen von Pferden auf einen Transporter in Argentinien.

«Wir werden unseren Lieferanten mit diesen Bildern konfrontieren», sagt Migros-Mediensprecher Naef: Verladen von Pferden auf einen Transporter in Argentinien. Bild: Tierschutzbund Zürich/Keystone

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Eine Woche nach der Ausstrahlung eines «Kassensturz»-Beitrags und der Publikation eines Artikels im TA zur tierquälerischen Produktion von Import-Pferdefleisch haben die meisten Schweizer Detaillisten ihr Angebot Pferdefleisch aus den Regalen entfernt. Bei Volg, Denner, Aldi und Lidl findet man gar kein Pferdefleisch mehr, Spar hat jenes aus Argentinien zurückgezogen, lässt die vom kanadischen Produzenten Bouvry Exports bezogenen Produkte aber vorläufig im Sortiment.

Auch bei der Migros ist das Pferdefleisch von Bouvry weiter im Angebot. Nachdem der Grossverteiler vor einer Woche noch alle Vorwürfe als unberechtigt zurückgewiesen hatte, geht auch die Migros laut Mediensprecher Urs-Peter Naef inzwischen der Sache nach. «Die Videoaufnahmen haben auch uns nicht kaltgelassen», sagt er. «Wir werden unseren Lieferanten mit den Bildern konfrontieren. Er muss uns aufzeigen können, dass solche Bilder in seinem Betrieb nie mehr möglich sein werden. Sollten wir keine Verbesserung erreichen, werden wir die Verbindung abbrechen.»

Migros-Delegation in Kanada

Migros bezieht ihr Pferdefleisch über die Schweizer Fleisch-Grosshandelsfirma Skin Packing SA. Das Pflichtenheft von Skin Packing für Bouvry, auf das sich die Migros bisher abstützte, erfüllt laut York Ditfurth vom Tierschutzbund Zürich (TSB) keineswegs Schweizer- oder EU-Tierschutzvorschriften. Die Migros will sich deshalb jetzt selber vor Ort kundig machen: Gestern flog eine Delegation nach Kanada zum Audit bei Bouvry.

Bei Coop hat man schon vor einer Woche das ganze Charcuterie-Angebot an Pferdefleisch aus dem Sortiment genommen, verkauft jedoch weiter Frischfleisch aus Frankreich und Polen. Nach Kontakt mit dem TSB, der auch die Pferdefleischproduktion im polnischen Coop-Schlachthof anzweifelt, will Coop möglichst schnell ganz auf Importe aus Frankreich umstellen.

Aktiv geworden ist auch das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET). Am Wochenende hatte Direktor Hans Wyss angekündigt, er werde seine Amtskollegen in den Produktionsländern mit den schrecklichen Bildern aus Argentinien, Kanada, Mexiko und den USA konfrontieren. Von den Schweizer Importeuren verlangt er eine Stellungnahme und die Überprüfung der Einhaltung der für die Schlachthöfe geltenden Bestimmungen. Gestern informierte eine Delegation des TSB das Bundesamt bei einem Treffen in Bern über seine Recherchen. «Die BVET-Leute haben uns dabei allerdings gesagt, dass sie ohne Support der EU so gut wie keinen Einfluss auf die Abläufe in Übersee haben», sagt Ditfurth.

Ikea nimmt Fleisch aus Sortiment

Reagiert hat inzwischen auch der grösste Schweizer Pferdefleischimporteur GVFI International. Zustände, wie in den Videos gezeigt, «werden von der GVFI nicht akzeptiert und erfüllen in keiner Weise die Anforderungen an die Lieferpartner», heisst es in einer Medienmitteilung vom letzten Freitag. Entsprechende Ermittlungen seien eingeleitet worden. Vorsorglich habe die GVFI den argentinischen Lieferanten Lamar einstweilen aus dem Lieferantenstamm genommen.

Der Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch trifft die Ikea härter als bisher angenommen: In insgesamt 24 Ländern werden die populären Köttbullar nicht mehr verkauft. Vorausgegangen war ein Bericht aus Tschechien über Spuren von Pferdefleisch in den Ikea-Fleischbällchen. Nicht vom Stopp betroffen sind Norwegen, die Schweiz und Russland. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2013, 07:46 Uhr

Briten lassen Burger liegen

Nach dem Skandal um Pferdefleisch in Hackfleischprodukten ist der Verkauf von Burgern in Grossbritannien in 43 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens Kantar Worldpanel hervor. Der Absatz von Fertiggerichten insgesamt ging seit dem Ausbruch des Pferdefleisch-Skandals am 15. Januar um 13 Prozent zurück, heisst es in der Erhebung. Dagegen habe sich der Skandal nicht auf die Auswahl der Läden ausgewirkt.

Die Konsumenten gingen weiterhin bei betroffenen Supermarktketten wie Tesco, Iceland oder Aldi einkaufen. Der Skandal hatte in Irland und Grossbritannien seinen Anfang genommen. Vor allem in Tiefkühlspeisen mit Hackfleischanteil wie Burger, Lasagne oder Fleischbällchen wurden zum Teil erhebliche Anteile von Pferdefleisch statt Rind gefunden. Viele Supermärkte musste einen Teil ihres Sortiments aus den Regalen nehmen. (sda)

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