Migros steigt ins Geschäft mit Handy-Zahlungen ein

Bargeld, Karte oder Smartphone? Für viele ist die dritte Variante nicht viel mehr als eine technische Spielerei. Doch die Anbieter kämpfen heute um jeden User – um morgen an den Zahlungsgebühren zu verdienen.

Zahlen mit dem Handy: Nur wer zuerst genug Nutzer auf seine App bringt, wird an der Kasse Erfolg haben.

Zahlen mit dem Handy: Nur wer zuerst genug Nutzer auf seine App bringt, wird an der Kasse Erfolg haben. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Unerwartet hat die Migros-Bank heute Montag bekannt gegeben, dass sie im Zukunftsmarkt der Handyzahlungen ins Rennen steigt. Ihr Angebot nennt sich Mobile Pay P2P. Wer es nutzen will, braucht nicht Kunde der Bank zu sein. Es reicht, wenn man die App aufs Smartphone lädt, sich registriert und dann die Zahlung auslöst, die der angegebenen Kreditkarte oder dem Paypal-Konto belastet wird. Oder man nutzt – noch niederschwelliger – den Service ohne Registrierung über eine Website. Hat der Empfänger die App nicht installiert, gibt man seine Handynummer an. Dann erhält er einen Link und kann sein Bank-, Post- oder Paypal-Konto für die Gutschrift angeben.

Antreten gegen die Grossen

Die Migros-Bank ist der dritte Schweizer Anbieter mit einer mobilen Bezahlmöglichkeit. Im April lancierte der Finanzdienstleister SIX-Group Paymit. Das ist eine gemeinsame Lösung der Finanzbranche, die allen Banken offensteht. Als Zugpferd machen die Grossbank UBS und die Zürcher Kantonalbank mit, vergangene Woche sind drei weitere Kantonalbanken und die Raiffeisen-Gruppe dazugestossen. Schon 2014 hatte der Telecomkonzern Swisscom sein Tapit lanciert. Und demnächst will Postfinance mit einer eigenen Lösung folgen. Zudem stehen internationale Giganten wie Apple, Facebook und Google vor der Tür, die ebenfalls den Zahlungsverkehr mit Mobile-Payment-Lösungen revolutionieren wollen.

Swisscom bezog von Beginn weg den Detailhandel mit ein. Man kann mit Tapit im Coop, bei McDonald's, am Kiosk und anderswo zahlen. Bloss interessiert die App kaum jemanden. Swisscom-Chef Urs Schaeppi zeigte sich bislang entsprechend unzufrieden mit dem Echo.

Zuerst Nutzer sammeln

Paymit und die Migros-Bank fahren eine andere Strategie. Sie setzen auf Netzwerkeffekte, das heisst das Peer-to-Peer-Modell (P2P), das Whatsapp zum Erfolg verhalf. Im Laden kann man mit den beiden Apps (noch) nicht bezahlen. Zuerst sammelt jeder Anbieter möglichst viele Nutzer. Diese Nutzer laden Kollegen und Freunde (Peers) ein, auch mitzumachen, zum Beispiel, wenn eine Rechnung fürs gemeinsame Abendessen aufgeteilt wird. Es kostet ja nichts, ist irgendwie cool und womöglich sogar nützlich. Und bald heben die Zahlen, so die Hoffnung, richtiggehend ab. In Dänemark gelang es der Danske Bank, innerhalb von anderthalb Jahren 1,6 Millionen User für ihre Mobile-Payment-Lösung zu gewinnen.

«Es würde wohl niemand für ein Peer-to-Peer-Payment bezahlen. Die Leute gewöhnen sich mit der App aber an die Möglichkeit, mit dem Smartphone Geld zu überweisen», sagt Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern. Bei Paymit und Mobile Pay P2P übernehmen die Banken sogar die betragsabhängigen Kreditkartengebühren, die beim Empfänger einer Zahlung anfallen.

Später an Transaktionsgebühren verdienen

Wenn eine gewisse Masse an Personen erreicht ist, kann der Anbieter die inzwischen gewonnene Marktmacht ausspielen und seine App im E-Commerce und im stationären Handel durchsetzen. «Da wird man dann als Anbieter auch Geld verdienen», so Dietrich.

Das zeigt ein Blick in die Jahresrechnung der SIX-Group. Sie bezeichnet sich als Marktführerin bei der Verarbeitung von Kartentransaktionen in der Schweiz und verbuchte im Jahr 2014 bei den Payment Services Gesamterträge von 938,2 Millionen Franken.

Noch ist unklar, wer sich durchsetzen wird

Platz bietet der Markt einem, vielleicht zwei Anbietern. Wer wird das Rennen machen? Tapit von Swisscom lahmt trotz frühem Start. Die Ende April lancierte Branchenlösung Paymit hingegen läuft gut. Damit können Kleinbeträge an andere Personen überwiesen werden, sofern sie die App auch installiert haben. Allein die UBS habe Mitte Juli schon mehr als 70'000 Downloads verzeichnet, berichtete neulich die «Schweiz am Sonntag».

Trotz spätem Start sind die Chancen von Mobile Pay P2P intakt. Indem die Plattform der Migros-Bank auch Zahlungen über Paypal erlaubt, holt sie internetaffine Nutzer an Bord. Und hinter der Bank steht der Migros-Konzern, der daran interessiert ist, die Transaktionsgebühren an den Migros-Kassen zu reduzieren.

Twint von Postfinance wiederum soll Mitte August in die App-Stores kommen, wie der «SonntagsBlick» berichtet. Zu Beginn kann man damit in Läden zahlen, ab Herbst soll P2P dazukommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2015, 19:11 Uhr

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