Migros-Kaffeekapseln sind in Deutschland viel billiger

Für die Nespresso-Klone Café Royal bezahlen Kunden in der Schweiz bis zur Hälfte mehr als ihre deutschen Nachbarn – der Unterschied ist laut Konsumentenschutz überrissen.

Aus Alu statt aus Plastik: Die Café-Royal-Kapsel bleibt teurer. Foto: PD

Aus Alu statt aus Plastik: Die Café-Royal-Kapsel bleibt teurer. Foto: PD

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Die Migros produziert ihre Kaffeekapseln für Nespresso-Maschinen zwar im Inland. Die Fabrik steht in Birsfelden im Baselbiet, einen Steinwurf entfernt von der deutschen Grenze. Verkauft werden sie aber auch im Nachbarland. Dort sind die Kapseln der Migros wie in der Schweiz unter der Marke Café Royal erhältlich. Allerdings viel günstiger als in den Supermärkten der Migros.

Der Aufschlag, den die Migros-Kunden bezahlen, ist happig: Das Zehnerpack Café Royal Caramel kostet in Schweizer Läden 4.50 Franken. Bei deutschen Händlern wie Rewe sind die zehn Kapseln für 2.79 Euro erhältlich, was zu aktuellen Wechselkursen rund 3 Franken sind. Schweizer Kunden bezahlen somit 50 Prozent mehr als ihre deutschen Nachbarn für den gleichen Inhalt. Denselben Preisunterschied gibt es bei den Kapseln mit Vanille-Aroma. Beim Café Royal Lungo ist der Schweizer Aufpreis mit 36 Prozent etwas tiefer.

Die in Deutschland erhältlichen Kapseln sind bereits aus Aluminium. Auch in der Schweiz wechselt die Migros ab kommender Woche sukzessive von Plastik auf das als hochwertiger geltende Alu. Der Kaffee bleibt der gleiche. Durch die Umstellung gebe es Produktionsvorteile, welche die Migros in der Schweiz in Form von Preis­senkungen an die Konsumenten weitergebe, sagt Sprecher Patrick Stöpper. Allerdings stellt der Grossverteiler lediglich einen Abschlag von 1 bis 3 Prozent in Aussicht. Damit bleiben die gleichen Kapseln in der Schweiz deutlich teurer als in Deutschland.

Die Migros schöpfe die Kaufkraft der Schweizer Kunden ab, um das Auslandsgeschäft voranzutreiben.

Warum müssen die Migros-Kunden viel mehr bezahlen? «Die allgemeine Markt- und Preisstruktur im deutschen Detailhandel hat eine andere Kalkulation als in der Schweiz zur Folge», sagt Sprecher Stöpper. Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz hat dafür kein Verständnis. Nur ein beschränkter Preisaufschlag wegen höherer Ladenmieten und gesetzlicher Vorschriften sei in der Schweiz gerechtfertigt. «10 bis 15 Prozent Mehrpreis im Vergleich zum Ausland sind erklärbar. Der Rest ist überrissen», sagt Stalder. Die Migros schöpfe die Kaufkraft der Schweizer Kunden ab, um das Auslandsgeschäft voranzutreiben. «Die Schweizer Migros-Kunden subventionieren das Geschäft in Deutschland. Dort hätten höhere Preise im Markt keine Chance.»

Die Industriebetriebe der Migros sind zum Wachstum im Ausland verdammt: Die inländischen Absatzkanäle sind beschränkt. Nicht nur beim Kaffee ist deshalb das Geschäft ausserhalb der Schweiz ausschlaggebend für steigende Umsätze. Die Betriebe beliefern über 50 Länder mit Schokolade, Biskuits, Kosmetik und anderen Produkten. 2019 stiegen die Einnahmen der Migros Industrie insgesamt allerdings nur um 0,7 Prozent – dank der Verkäufe im Ausland.

Nestlé schlägt weniger drauf als die Migros

Im Inland will sich die Migros derweil bei seinen Kunden wieder als Anbieter mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis in Erinnerung rufen. Dieses schon vom Gründer Gottlieb Duttweiler gemachte Versprechen kaufen der Migros offenbar viele Kunden nicht mehr ab. Im Kerngeschäft mit den Supermärkten verlor der orange Riese jedenfalls zuletzt Marktanteile an die deutschen Discounter Lidl und Aldi. Die Migros versucht mit Preissenkungen bei beliebten Produkten wieder mehr Kunden anzuziehen – bislang mit mässigem Erfolg. In den Läden ihrer zehn regionalen Genossenschaften ging der Umsatz im abgelaufenen Jahr um 1,4 Prozent zurück. Die im Vergleich zum Ausland viel teureren Kaffeekapseln passen nicht zum Bestreben der Migros-Präsidentin Ursula Nold, «das beste Sortiment zu fairen Preisen anzubieten».

Mit dem Schweizer Aufschlag steht die Migros nicht allein da. Auch das Original verlangt in Deutschland weniger als auf dem Heimmarkt. Der Aufschlag, den Nestlé für Nespresso-Kapseln von Schweizer Kunden verlangt, ist aber deutlich geringer als bei der Migros. Das zeigt eine Stichprobe. Die Kapsel Caramelito kostet im Schweizer Nespresso-Onlineshop 0.57 Franken, in Deutschland 0.47 Euro. Das entspricht einem Plus von rund 12 Prozent und liegt im Bereich der laut Konsumentenschutz erklärbaren Differenz.



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Erstellt: 18.01.2020, 20:06 Uhr

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