Milchstreit eskaliert: Migros verlässt Branchenorganisation

Der Knatsch um den Milchpreis erhält ein neues Kapitel. Die Migros macht nicht mehr mit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) ist eine Macht. In ihr haben sich Milchproduzenten und Milchverarbeiter sowie einzelne Detailhändler zusammengeschlossen. Quartalsweise legt sie den Richtpreis fest, den die Bauern für ihre Lieferungen erhalten. Doch seit einiger Zeit herrscht dicke Luft. Die Landwirte verlangen mehr Geld für ihre Milch, weil der anhaltend tiefe Preis Tausende von ihnen in den Ruin treibe, wie sie argumentieren. Der Handel aber gibt nicht nach.

Zuletzt ist der Streit eskaliert. Nachdem die Branchenorganisation Milch im Mai den Richtpreis nicht erhöht hatte und Coop ankündigte, für jeden Liter Milch 3 Rappen mehr an die Bauern zu bezahlen, rief eine Gruppe von Landwirten zu einem Boykott der Migros auf.

Nun hat die Migros genug. Sie verlässt die Branchenorganisation. Der Detailhändler begründet den Schritt in einem Communiqué damit, dass verschiedene Akteure in der Branchenorganisation Milch die Diskussion um den Milchpreis für ihre Partikularinteressen genutzt und sich wiederholt nicht an Abmachungen gehalten hätten. Dass ihr im Streit um den Milchpreis der schwarze Peter zugeschoben wurde, passt ihr gar nicht. Die Migros und ihre Molkerei Elsa bezeichnen sich selbst «als einzigen grossen Verarbeiter, der konsequent den Richtpreis zahlt».

Coop ist auf die Industrie angewiesen

Aktuell liegt der Richtpreis für sogenannte A-Milch, also Milch der höchsten Wertschöpfungsstufe, bei 65 Rappen pro Kilogramm. Mit diesem Betrag können Milchbauern aber nur gerade die Fremdkosten bezahlen, wie sie monieren. Die eigene Arbeit sei damit noch nicht bezahlt. Laut dem Schweizerischen Bauernverband beträgt der tatsächlich bezahlte Preis für A-Milch gerade einmal 61 Rappen.

Die Migros hält in ihrer Mitteilung denn auch fest, dass sie weiterhin einen Milchpreis bezahlen werde, der höher sei als der durchschnittlich ausbezahlte Preis für Molkereimilch.

Stellt sich die Frage, wer den Bauern mehr bezahlt, Migros oder Coop. Diese Frage kann nicht beantwortet werden. Während die Migros darauf insistiert, überdurchschnittliche Milchpreise zu bezahlen, ist Coop darauf angewiesen, dass die milchverarbeitende Industrie die 3 Extra-Rappen den Bauern auch wirklich weitergibt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.06.2017, 15:54 Uhr

Artikel zum Thema

Bauern kämpfen für besseren Milchpreis

Die Bauern sollen einen fairen Preis für ihre Milch erhalten, fordert der Bauernverband. Und kündigt Kampfmassnahmen an, sollte die Milchbranche dieser Forderung nicht nachkommen. Mehr...

Trotz Milchschwemme 2 Millionen Kilogramm Milch importiert

Eigentlich gibt es in der Schweiz zu viel Milch auf dem Markt. Dennoch hat ein Frischkäsehersteller aus der Ostschweiz diesen Sommer Milch importieren müssen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Lange Nase: Tänzer zeigen eine Episode ihres Stücks vor dem Opernhaus in Sydney. (22. August)
(Bild: EPA/DAVID MOIR ) Mehr...