Mit 10-Sekunden-Selfies zum Milliardengeschäft

Snapchat-Gründer Evan Spiegel plant den grossen Coup. Seine App, die auf den ersten Blick wenig bietet, soll bis zu 19 Milliarden Dollar schwer werden.

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Die App verspricht Diskretion. Ein Grund, warum zahlreiche Jugendliche Snapchat zum Versenden von Nacktselfies verwenden. Die Anwendung ermöglicht es, dass versendete Fotos nach zehn Sekunden automatisch gelöscht werden. Damit war sie aber immer wieder negativ in den Schlagzeilen. Im Herbst 2014 wurde bekannt, dass Hacker Fotos in grossen Mengen gesammelt haben.

Trotzdem könnte der Wert des Instant-Messaging-Dienstes rapide steigen. Denn die Firma sammelt derzeit wieder Kapital und würde nach der neuerlichen Kapitalrunde bis zu 19 Milliarden Dollar wert sein. Das berichtete Bloomberg unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Es würde dann auf den dritten Platz der wertvollsten Start-ups rücken, nach dem alternativen Taxidienst Uber und dem Smartphone-Hersteller Xiaomi. Warum ist die Anwendung so erfolgreich? Laut Manuel Nappo, Leiter der Fachstelle Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, spielt die Technologie eine Rolle. Das Prinzip von Snapchat sei gerade bei jungen Nutzern beliebt: «Die User hinterlassen wenig spuren und nutzen die App zum Beispiel zum Flirten», sagt Nappo. «Die Idee ist aber auch für Unternehmen nicht uninteressant, diese könnten in Zukunft von einer automatischen Löschfunktion profitieren.»

Mehr als Bilderaustausch

Mit dem Kapital will das Unternehmen in neue Geschäftsbereiche investieren. Neben möglichen Musikpartnerschaften will Snapchat auch eine Newsplattform lancieren. Ende Januar hat die Firma den Dienst Discover präsentiert. Die Nutzer des Messengers können dabei Kanäle von Medien wie CNN, ESPN, National Geographic, Vice und Comedy Central abonnieren. Der Dienst wird damit mit redaktionellen Inhalten erweitert. Discover soll sich optisch der App anpassen, unterscheidet sich aber klar vom ursprünglichen Snapchat-Metier und bietet Platz für neue Werbeeinnahmen.

Die Firma bietet neu auch die Übertragung von Geldbeträgen. Sie hat bereits im November 2014 den Dienst mit dem Namen Snapcash angekündigt. Nach Anmeldung der Kreditkarte im Snapchat-Konto können die Benutzer Geldbeträge an andere Nutzer senden. Der Dienst ist aber erst in den USA erhältlich. Laut Onlinefacts.de befürchten Kinderschützer nun aber, dass mit der Einführung von Snapcash verstärkt auch kinderpornografisches Material ausgetauscht werde. Mithilfe anonymer Prepaid-Kreditkarten könnten sich Pädophile über die Plattform mit Material eindecken.

«Nichts im Netz ist sicher»

Es erstaunte viele Experten, als Snapchat letztes Jahr eine Übernahme durch Facebook abgelehnt hat. Dass der App-Entwickler mit dem stetigen Wachstum nun aber zur Facebook-Konkurrenz wird, sei eher unwahrscheinlich. «Facebook ist zu gross und einflussreich», sagt Manuel Nappo. In der Zukunft würden kleinere Unternehmen wie Snapchat eher spezifische Bedürfnisse, wie das automatische Löschen von Daten, befriedigen.

Das 2011 gegründete Unternehmen ist bis anhin vor allem bei Teenagern in den USA beliebt. Snapchat lässt bei vielen Jugendlichen das Gefühl von Sicherheit aufkommen. Oft werden deshalb Nacktbilder verschickt. Laut Manuel Nappo werden die Hackerskandale aber keine grossen Effekte auf die Nutzerzahlen haben: «Viele User sind bereit, das Risiko einzugehen», so Nappo. «Nichts im Netz ist sicher. Wer nicht will, dass etwas in falsche Hände gelangt, verschickt es nicht.»

Erstellt: 28.02.2015, 09:59 Uhr

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