Mit Apple Pay zu McDonald’s

Was taugt das neue Bezahlsystem von Apple? Was die Tests eines Tech-Magazins und von «Forbes» brachten – und bei welcher Transaktion Apple Pay scheiterte.

Das Bezahlen per Apple Pay mit dem Smartphone funktioniert auch in den USA noch nicht überall. Foto: Jordan Strauss (Keystone)

Das Bezahlen per Apple Pay mit dem Smartphone funktioniert auch in den USA noch nicht überall. Foto: Jordan Strauss (Keystone)

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Erste Testversuche in den USA zeigen, dass Apple Pay technisch noch Lücken aufweist. Doch ein Flop ist nahezu ausgeschlossen, da sich Apple auf das konventionelle, von den Banken und Kreditkarten dominierte Zahlsystem abstützt und so von ihnen getragen wird. Dutzende von Finanz- und Konsumexperten haben Apple Pay diese Woche zum ersten Mal in der Einkaufswelt ausgetestet. Ihre Erfahrungen sind gemischt.

Das Tech-Magazin «ZDNet» machte sich auf zu McDonald’s und verglich das Bezahlsystem von Apple mit jenem von Google. Fazit: Apple Pay und Google Wallet funktionierten in etwa gleich gut. Allerdings misslang dem Tester, dreimal in Folge mit Apple Pay zu zahlen, weil die Schnellimbisskette aus Sicherheitsgründen mehr als eine Transaktion auf einmal unterbunden hatte.

Schnell und sicher, aber noch mit Mängeln

Apple Pay ist zudem erst mit einer beschränkten Zahl von Detaillisten und Banken verbunden. Dies liess Zahlungsversuche in mehreren Fällen scheitern, was heisst, das ­Apple erst noch eine kritische Schwelle überwinden muss, bevor es die Nutzer wirklich für sich gewinnt. Andere Anbieter sind bisher an dieser Schwelle der Massennutzung gescheitert.

Auch der Feldversuch durch das «Forbes»-Magazin zeigt, dass Apple Pay an sich schnell und sicher funktioniert, aber noch Mängel aufweist. Nur 11 von 14 Zahlversuchen gingen problemlos über die Bühne. Ein Problem besteht darin, dass in mehreren Läden das NFC-Lesegerät nicht kundenfreundlich aufgestellt ist. In diesen Fällen muss das iPhone dem Verkäufer übergeben werden, um den Zahlvorgang einzuleiten, womit die stets betonte Schwerelosigkeit der Transaktion dahin ist.

Auch tun sich Banken teilweise noch schwer, die Zahlungen richtig zu erfassen. Die Bank of America etwa musste Transaktionen korrigieren, weil Kunden doppelt belastet wurden. Eine weitere Hürde bilden die Kundenkarten von Starbucks und anderen Ketten. Apple Pay verarbeitet sie bisher noch nicht. Kunden müssen sie zusätzlich einlesen lassen, damit sie honoriert werden.

Grössere Sicherheit

Solche Unannehmlichkeiten werfen die Frage auf, ob Apple tatsächlich das Bezahlsystem auf den Kopf stellen kann. Die Tests dieser Woche zeigen, dass andere Bezahlsysteme etwa von Google oder von Square nicht entscheidend unterlegen sind, sich aber trotzdem nicht voll durchsetzen konnten. Ob es ein wesentlicher Vorteil ist, statt einer Kreditkarte ein iPhone aus der Tasche zu ziehen, bleibt aus Sicht der Testpersonen offen. Sicher ist aber, dass die Sicherheit der Transaktionen höher ist. Dies deshalb, weil die Karteninformationen weder beim Verkäufer noch bei Apple gespeichert werden, sondern nur bei der Bank oder der Kartenfirma. Nur der Fingerabdruck des Nutzers gibt diese Informationen frei.

Dies ist in einem Land wie den USA, wo 40 Prozent der Kunden einen Kartenmissbrauch erleben, wohl der grösste Vorteil von Apple Pay. Doch auch diese Sicherheitsvorkehrung hat eine Kehrseite: Wegen des Fingerabdrucks kann nur der Eigentümer eine Transaktion vornehmen. Dagegen kann eine Kreditkarte von Freunden und ­Familie mitbenutzt werden.

Apple macht süchtig

Marktforscher geben ferner zu bedenken, dass das Konsumverhalten sich verändert, je leichter der Zahlvorgang gemacht wird. Wenn nur ein Fingerabdruck nötig ist, könne das unüberlegte Einkäufe noch mehr begünstigen. Schliesslich verstärke Apple mit dem Bezahlsystem seinen Klammergriff um die Kunden. Wer alle Geräte vom gleichen Konzern habe und nun auch Apple Pay übernehme, gibt ein Experte des «Wall Street Journal» zu bedenken, werde sich kaum mehr je ausklinken können.

Erstellt: 24.10.2014, 06:15 Uhr

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