Mit Nikolaus Senn geht ein Charakterkopf

Der ehemalige Präsident der Bankgesellschaft starb kurz nach seinem 88. Geburtstag. Legendär sind seine Duelle mit Martin Ebner.

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Nikolaus Senn wurde am 22. Oktober 1926 in Herisau geboren. Seine Herkunft hat er nie verleugnet und nie abgelegt: Appenzeller, bodenständig, knorrig, kein smarter Banker. Legendär sind seine Auftritte als Präsident der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) in den 90er-Jahren. Damals, als der Financier Martin Ebner zum Sturm auf die Traditionsbank ansetzte und Senn die Schweissperlen auf die Stirne trieb. Damals, als die Aktionäre zu Tausenden ins Hallenstadion pilgerten, um das Spektakel zwischen Senn und dem Herausforderer live mitzuerleben.

Senn war in dieser Phase weit mehr als nur der Präsident der Zürcher Grossbank. Er war die SBG schlechthin, Repräsentant des Grosskapitals, der antrat, dem frech auftrumpfenden Jungbanker Ebner die Knöpfe einzutun. Da der geschliffen auftretende Ebner, dort der Polterer von Herisau. Der temperamentvolle Senn dachte nicht daran, als Moderator durch die Generalversammlungen zu führen. Er war Platzhirsch, Wortführer. Wer eine ihm nicht genehme Meinung äusserte, wurde umgehend abgekanzelt. Senn war eine Wucht – verbal, aber auch körperlich. Kein Wunder, hatte er in jungen Jahren auf hohem Niveau Eishockey gespielt.

Kritiker nannte er Fundamentalisten

Senn war ein Wirtschaftsführer von altem Schrot und Korn. Er pflegte nicht nur eine eigene Meinung zu haben, er äusserte sie auch. Kritiker, die in den 80er-Jahren die Geschäftstätigkeiten der SBG in Südafrika anprangerten, qualifizierte er als Fundamentalisten ab. Man könne «in guten Treuen verschiedener Auffassung sein, mit welchen Mitteln auf die Abschaffung der Apartheid hingearbeitet werden soll», argumentierte er in einem Interview des «Tages-Anzeigers».

Selbst nach seinem Rücktritt aus dem SBG-Verwaltungsrat im Jahr 1996 mischte er sich immer wieder mit Genuss in die öffentliche Debatte ein. So zog er einst über den ebenfalls aus Herisau stammenden Bundesrat Hans-Rudolf Merz her. Dieser sei zwar ehrlich und gescheit, aber nicht stark. Er ändere seine Meinung je nach Gesprächspartner, gab Senn zum Besten.

Heftige Kritik an Ospel

Selbst seine späteren Nachfolger in der Bank kriegten ihr Fett ab. Nachdem die UBS in die Krise rutschte, warf er ihnen vor, sie hätten ihre Sorgfaltspflichten in Bezug auf die Kontrolle der Unterstellten verpasst. Die Bonuszahlungen an den damaligen UBS-Präsidenten Marcel Ospel kritisierte er als ungerechtfertigt.

Zu Senns Zeiten wurden nicht einfach im Topmanagement grosse Boni ausgeschüttet. In guten Geschäftsjahren kriegten zu Weihnachten alle Mitarbeitenden eine Tausendernote zugesteckt. «Egal ob Putzfrau oder Kadermitglied, alle bekamen gleich viel», erzählte Senn vor einigen Jahren einem Journalisten der «Zürichsee-Zeitung». Am Sonntag schlief er nach langer Krankheit zu Hause in Herrliberg ein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2014, 21:29 Uhr

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