Mit der Scheidung zum chinesischen Traumhaus

Um die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen zu kontrollieren, hat die chinesische Regierung Restriktionen beschlossen. Doch Interessenten sind schlau und greifen zu unkonventionellen Mitteln.

Viele Menschen in Shanghai wohnen in Büroräumen: Ein Hochhaus im Zentrum der chinesischen Metropole.

Viele Menschen in Shanghai wohnen in Büroräumen: Ein Hochhaus im Zentrum der chinesischen Metropole. Bild: Reuters

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Die Nachfrage nach Immobilien in China ist so gross wie lange nicht mehr. Im Juni kletterten die Preise auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Seit 2010 versucht die Regierung das Problem in den Griff zu bekommen. Um die ständig steigenden Immobilienpreise zu stoppen, wurden verschiedene Massnahmen ergriffen.

So wurde die Zahl der Wohneinheiten beschränkt, die eine Person besitzen darf, die Zinsen für Immobilienkredite erhöht, eine Kapitalsteuer von 20 Prozent auf alle Verkäufe erhoben und eine Obergrenze für den Kaufpreis definiert. Je nach Region sind die Massnahmen unterschiedlich.

Regulierung umgehen

Doch diese Massnahmen greifen nicht. Brancheninsider nennen dafür eine Reihe von Gründen, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Offenbar haben einzelne Käufer, Immobilienentwickler und auch örtliche Politiker Möglichkeiten entdeckt, die strengeren Regulierungen für den Immobilienmarkt in China zu umgehen.

Um mehrere Häuser oder Wohnungen kaufen zu können, lassen sich glückliche Paare scheiden. Andere treten vors Standesamt, bloss um an eine Wohnung zu gelangen. Die Zahlen sprechen für sich: In Shanghai ist die Scheidungsrate im Jahr 2012 um 14 Prozent gestiegen. 2011 zog sie lediglich um drei Prozent an.

Im Büro wohnen

Er habe erlebt, dass ein Ehepaar die Scheidung bei den Behörden eingereicht habe, um mehrere Wohnungen kaufen zu können. Das Paar lebe jedoch immer noch zusammen. Dies erzählt ein chinesischer Immobilienmarkler, der bei Shanghai Haiyu Property Consultancy arbeitet, dem «Wall Street Journal».

Ein anderer Weg, um die Kontrollen zu umgehen, ist die Nutzung der Büroräume als Wohnung. In einem Gebäude mit 28 Stockwerken in Shanghai würde nur rund die Hälfte des Gebäudes als Büro genutzt, schreibt die Zeitung und verweist auf eine Mieterin namens Adele Cheng.

Papiere gefälscht

Auch Dokumentenfälscher verdienen durch die Restriktionen grosses Geld. Laut Maklern zahlen Wohnungskäufer Fälschern bei Bedarf über 7500 Franken für die notwendigen Papiere. Diese werden dann den Kontrolleuren der Regierung vorgelegt.

Zurzeit könnten die Mauscheleien im Wohnungsmarkt für China Glück im Unglück bedeuten. Die chinesische Konjunktur schwächelt, die Wirtschaft legte im zweiten Quartal 7,5 Prozent zu, in den ersten drei Monaten des Jahres waren es noch 7,7 Prozent. Ein stabiler Immobilienmarkt ist da ein Lichtblick – wenn auch ein kleiner. (wid)

Erstellt: 15.07.2013, 16:35 Uhr

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