Mr. Novartis geht

Mit seinem exorbitanten Lohn und dem Doppelmandat an der Spitze von Novartis exponierte sich Daniel Vasella wie nur wenige Schweizer Manager. Im Konzern stand er aber vor allem für etwas anderes.

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In der breiten Öffentlichkeit ist Daniel Vasella vor allem als Spitzenverdiener bekannt: Unzählige Male stand er in den Ranglisten der bestverdienenden Manager weit oben und wurde so für Kritiker von Abzocker-Löhnen zur Symbolfigur. Bei Novartis war Vasella dagegen vor allem Sinnbild für etwas: für den Erfolg.

Vasella war der erste Chef von Novartis – unter seiner Führung wuchsen die Sandoz und Ciba-Geigy zu einem Konzern zusammen. Im ersten Jahr nach der Fusion erzielte Novartis bei einem Umsatz von 36,2 Milliarden Franken und einen um die Fusionskosten bereinigten Gewinn von 2,3 Milliarden Franken. 1996 gehörte allerdings das später in die Syngenta ausgelagerte Agrarchemiegeschäft noch zu Novartis.

Starkes Wachstum

Unter der Führung von Vasella ist der Konzern inzwischen stark gewachsen. Im vergangenen Jahr hat Novartis bei einem Umsatz von rund 56 Milliarden Dollar einen Gewinn von 9,6 Milliarden Dollar ausgewiesen. Die Zahl der Mitarbeitenden des heutigen Novartis-Konzerns ist – trotz Totalumbau und Rationalisierung – mit über 120'000 Personen etwa gleich hoch wie unmittelbar nach der Fusion.

In der Öffentlichkeit wurde der wirtschaftliche Erfolg von Novartis unter der Führung von Vasella nicht immer wahrgenommen. Da er elf Jahre lang gleichzeitig Konzernchef und Verwaltungsratspräsident war, stand er oft nicht nur wegen seiner hohen Saläre, sondern auch wegen seiner Doppelrolle in der Kritik.

Die Kritik blitzte an Vasella aber ab, ja er verteidigte die exorbitanten Managerlöhne und sein Doppelmandat regelmässig. Auch im vergangenen Jahr ist Vasella für sein Arbeit als Verwaltungsratspräsident fürstlich entlöhnt worden: Die Entschädigung belief sich auf 13,1 Millionen Franken.

Arzt wird Marketingchef wird Konzernchef

In der Pharmaindustrie war Vasella ein Quereinsteiger. Der Bündner mit Jahrgang 1953 wuchs in Freiburg auf und studierte Medizin an der Universität Bern, wo er 1979 – mittlerweile verheiratet – promovierte. Nach verschiedenen Aufgaben als Arzt in der Schweiz trat er 1988 in den Dienst der Tochtergesellschaft von Sandoz in den USA ein. Innert vier Jahren wurde er unter anderem zu deren Marketingdirektor.

Zurück in der Schweiz, stieg Vasella 1995 zum Mitglied der Geschäftsleitung der Sandoz Pharma auf. Der ganz grosse Sprung gelang ihm bei der Fusion von Ciba und Sandoz zu Novartis 1996, als er Chef des neuen Konzerns wurde.

Hilfreich dabei war seine Verwandtschaft mit Sandoz-Präsident Marc Moret, dem Onkel seiner Frau. In einem Interview sagte Vasella ein paar Jahre später dazu, mit Moret verbinde ihn seine emotionale Bindung zu Freiburg. Seine Heimat sei dreigeteilt, die vererbte Identität Graubünden, die emotionale Verbundenheit mit Freiburg und der Arbeitsort Basel.

Übernahme von Alcon

Wichtige strategische Entscheide für Novartis hatte Vasella etwa zu fällen, als die Agrochemiesparte ausgegliedert und als Syngenta an die Börse gebracht wurde. Erheblich voran brachte Novartis auch der Kauf des deutschen Generikaherstellers Hexal im Jahr 2005, die Übernahme des US-amerikanischen Biotechunternehmens Chiron 2006 und der Kauf des Augenheilmittelspezialisten Alcon, der 2010 abgeschlossen wurde.

In der Ära Vasella wurde auch der Babynahrungsherstellers Gerber an Nestlé verkauft und die Beiligung am Pharmakonzern Roche ausgebaut: mittlerweile hält Novartis ein Drittel des Aktienkapitals des lokalen Mitbewerbers. Gescheitert sind 2004 dagegen Bemühungen zur Übernahme des Konkurrenten Aventis. (mw/sda)

Erstellt: 23.01.2013, 11:49 Uhr

SP-Nationalrat Cédric Wermuth wettert im Interview gegen Noch-Novartis-Präsident Daniel Vasella und blickt pessimistisch in die Zukunft. (Video: Keystone )

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