Musks neuster Tesla-Coup ist auch für die Schweiz interessant

Elon Musk plant in der Nähe von Berlin ein neues Tesla-Werk. Davon könnten hiesige Zulieferer profitieren.

Tesla-Gründer Elon Musk: Sein neues Werk in der Nähe von Berlin schafft Tausende Arbeitsplätze. (AP/Keystone/Jae C. Hong)

Tesla-Gründer Elon Musk: Sein neues Werk in der Nähe von Berlin schafft Tausende Arbeitsplätze. (AP/Keystone/Jae C. Hong)

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Elon Musk wählte dieses Mal nicht die grosse Bühne in den sozialen Medien für eine besondere Ankündigung. Stattdessen gab der Gründer des US-Autobauers Tesla an der Verleihung des «Goldenen Lenkrads» des deutschen Magazins «Auto Bild» bekannt, dass er ein neues Produktionswerk in Deutschland bauen wird. Dort soll das SUV Model Y gefertigt werden, aber auch Batterien und Antriebe sollen dort hergestellt werden. Geplant ist die Eröffnung für das Jahr 2021. Tesla sind in der Schweiz die beliebtesten Elektroautos. Bis Ende September wurden rund 4250 Wagen immatrikuliert.

Das Werk soll in der Nähe des für seine starke Bauverzögerung bekannten Berliner Flughafens BER entstehen. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop rechnet durch die geplante Tesla-Fabrik in Brandenburg mit Tausenden neuer Jobs. «Zurzeit sind im Gespräch für die Factory in Brandenburg rund 6000, 7000 Arbeitsplätze», sagte sie im RBB Inforadio. Bislang werden die Tesla-Fahrzeuge im kalifornischen Freemont gefertigt. Ausserdem hat Musk einen Tag nach der Ankündigung des Baus einer Gigafactory in Berlin die Erlaubnis für den Produktionsstart der Gigafactory 3 in Shanghai erhalten.

Für Brandenburg sprechen laut Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer mehrere Gründe. «Deutschland ist für die Fertigung ein interessanter Standort», so Dudenhöffer. Zwar werde das Werk in Brandenburg angesiedelt, doch habe Berlin einen guten Klang, die Lohnkosten seien attraktiv, das Unternehmen könne mit Subventionen rechnen, und in der Nähe wird sauberer Strom produziert. Das sei für ein Unternehmen wie Tesla ein wichtiges Argument, so Dudenhöffer. Zum Beispiel stammt der Strom in Polen mehrheitlich aus Kohlekraftwerken, das passt nicht zu Tesla.

Ein wichtiges Argument dürfte ebenfalls sein, dass wichtige Zulieferer in der Nähe sind. Auch wenn das nicht unbedingt für die Schweizer Zulieferbranche gilt, dürfen sie auf Aufträge aus dem neuen Tesla-Werk hoffen. «In der Schweiz gibt es gute Maschinenbauer und viel Fachwissen zu Batterietechnologien», so Dudenhöffer. So könnten etwa Anlagenbauer wie Bühler profitieren.

Grosse Zulieferbranche

Laut der «Handelszeitung» könnten mehrere Schweizer Zulieferer dank dem Trend zu E-Autos zulegen. So würden Firmen wie GF, Autoneum, Schaffner, Feintool, Komax oder TE Connectivity ihre Produkte für die Autos selbst oder für die Produktionsanlagen der Wagen herstellen. Beispielsweise helfe die Technologie von Klebstoffhersteller Sika dabei, bei E-Autos Schweissnähte durch Klebstoffe zu ersetzen. So wird das Gewicht eines E-Mobils gesenkt. Ähnliches gelte für die Bündner Ems-Chemie bei den Autolacken.

Der Berliner Flughafen BER sollte seit 2011 in Betrieb sein, als nächster Eröffnungstermin gilt nun der Oktober 2020. Im neuen Tesla-Werk sollen ein Jahr später die Autos vom Band laufen. Die «Süddeutsche Zeitung» fragte daher Tesla-Gründer Musk, ob er nicht befürchte, dass die Fabrik vor dem Flughafen fertig sein könnte. «Ein bisschen gesorgt habe ich mich deshalb schon», witzelte der Tesla-Boss. Das Geschäft entwickelte sich zuletzt gut. Sein Unternehmen hat im dritten Quartal einen Gewinn erzielt. Der Umsatz ging aber trotz eines Rekords von 97’000 ausgelieferten Autos um 8 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar zurück.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels hiess es «Ein weiteres Produktionswerk ist zudem in China geplant. Für den Bau hat Musk vor wenigen Wochen die Genehmigung erhalten.» Die Firma hat die Produktion in der Volksrepublik jedoch bereits aufgenommen.

Erstellt: 13.11.2019, 17:35 Uhr

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