NZZ-Gruppe mit tiefroten Zahlen

Die Schliessung der Druckerei in Schlieren hat der NZZ-Mediengruppe ein grosses Loch in die Jahresrechnung 2014 gerissen. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Die Schliessung verursacht hohe Kosten – Bis zu 125 Mitarbeiter verlieren ihren Job: NZZ-Druckerei in Schlieren. (25. November 2014)

Die Schliessung verursacht hohe Kosten – Bis zu 125 Mitarbeiter verlieren ihren Job: NZZ-Druckerei in Schlieren. (25. November 2014) Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit der Druckereischliessung in Schlieren ZH zusammenhängende Kosten verursachten der NZZ-Gruppe ein Defizit von 39,6 Millionen Franken. Aufwärts ging es hingegen bei den Abonnements. Mit den Medienkonsumenten erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 157,1 Millionen Franken und damit 3,4 Millionen Franken mehr als 2013, wie sie heute mitteilte.

Zu verdanken ist dieses Plus zum einen den Übernahmen der «Wiler Zeitung» und des «Alttoggenburger» in der Ostschweiz. In weit höherem Masse schlug sich indessen die Zunahme bei den digitalen Abonnements nieder. Allein bei der «Neuen Zürcher Zeitung» und der «NZZ am Sonntag» stieg die Zahl der Digitalabonnemente um 49 Prozent auf rund 16'600.

Die Kehrseite der Medaille bildete die Lage auf dem Inserate- und Werbemarkt, der den Konsumenten den Lesestoff subventioniert. Die Werbeeinnahmen bei der NZZ-Mediengruppe waren um 2 Prozent rückläufig. Im Vergleich zu den Jahren davor verlangsamte sich aber der Ertragsrückgang.

Ebenfalls rückläufig entwickelte sich der Druckertrag, der nach 62,3 Millionen Franken im Vorjahr 2014 noch 59,3 Millionen Franken erreichte. Das liege an den Überkapazitäten und am Preisdruck, hiess es im Communiqué.

Umsatzrückgang im Kerngeschäft gebremst

Insgesamt erwirtschaftete das Zürcher Medienhaus mit seinen vier Sparten einen Umsatz von 471,1 Millionen Franken und damit deutlich weniger als im Vorjahr. Damals hatten noch 482,4 Millionen in den Büchern gestanden. Grund war vor allem der Verkauf des Zustellgeschäfts 2013. Konzernchef Veit Dengler bilanzierte darum im Communiqué: «Wir haben den Umsatzverfall der letzten Jahre im Kerngeschäft gebremst».

Bei den Gewinnen der Sparten lag das Betriebsergebnis von Medien NZZ mit dem Flaggschiff «NZZ» 0,9 Millionen Franken im Minus nach 8,3 Millionen Gewinn im Vorjahr. Die Regionalmedien blieben mit einem Plus von 11,1 Millionen Franken hinter dem Ergebnis von 2013 (12,5 Millionen Franken) zurück.

Mit mediennahen Tätigkeiten verdiente der Konzern vor Zinsen und Steuern 7,2 Millionen Franken. Zu dieser Sparte war im Januar die Wirtschaftsauskunftsplattform Moneyhouse gestossen. Dafür verschwand das Zustellgeschäft.

Im Segment Fachmedien und Druck halbierte sich der Betriebsgewinn auf 2,6 Millionen Franken, wobei sich die Fachmedien erfreulich entwickelten. Der Zeitungs- und Akzidenzdruck litt hingegen stark unter Überkapazitäten und Preisdruck.

Darum schliesst die Gruppe Mitte Jahr ihr Druckzentrum in Schlieren. Maximal 125 Mitarbeitende stehen auf der Strasse – ein Sozialplan liegt vor. Die «NZZ» und ihre Sonntagsausgabe werden künftig von der Konkurrentin Tamedia gedruckt. Die NZZ-Druckereien in Winkeln SG und Adligenswil LU bleiben bestehen.

Umbau auf Kurs

Der Betriebsaufwand blieb mit 451,1 Millionen Franken praktisch gleich. Dabei sparte das Haus bei Material und Vertrieb, investierte aber in Redaktionen und Technik. Darum reduzierte sich der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern von 30,6 Millionen auf 20 Millionen Franken.

Überhaupt machte die Gruppe nach eigenen Angaben Fortschritte beim Umbau von einem traditionellen Zeitungsverlag in ein Medienunternehmen mit zielgruppenspezifischem Angebot auf allen Kanälen. Der Konzern will Wachstum über neue Produkte und Dienstleistungen im Inland und deutschsprachigen Ausland generieren.

Im Ausblick kündigt die Mediengruppe an, sie werde ihre Strategie mit Fokus auf das Kerngeschäft weiter vorantreiben. Die dafür nötigen Investitionen beeinflussten das operative Ergebnis auch 2015 negativ, würden aber in den Folgejahren Früchte tragen. (rub/sda)

Erstellt: 13.03.2015, 11:40 Uhr

Artikel zum Thema

«Wir sind kein Parteiblatt»

Interview Eric Gujer, der neue Chefredaktor der NZZ, grenzt sich von der SVP und ihren Forderungen ab. Mit Markus Somm an der Spitze der Zeitung wäre es «schwierig» geworden, sagt er. Mehr...

Eric Gujer neuer Chefredaktor der NZZ

Der Auslandchef wird Nachfolger von Markus Spillmann. Zudem: Die Onlinechefin der deutschen Zeitschrift «Stern» verantwortet bald die Digitalsparte. Mehr...

Geschichte als Hypothek

Analyse Die neue Führungsstruktur bei der «Neuen Zürcher Zeitung» signalisiert Abschied von Traditionen – mit ungewisser Zukunft. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Reif für die Insel: Die philippinische Insel Boracay ist wieder für Touristen geöffnet. Sie war wegen Umweltprobleme geschlossen worden. Viele Hotels und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang ins Meer geleitet haben. Hier ist die vulkanische Formation Williy's Rock auf der Insel zu sehen. (16. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Mark R. Cristino) Mehr...