Nächstes Jahr wird die Milch günstiger

Ab Neujahr sollen die Bauern 9 Rappen weniger pro Kilo Milch erhalten. Diesmal werden auch die Konsumenten profitieren: Rund 100 Millionen Franken sind bis zum April zu verteilen.

Die Bauern produzieren viel zu viel Milch – ab Neujahr bringt der Milchmann sie darum günstiger.

Die Bauern produzieren viel zu viel Milch – ab Neujahr bringt der Milchmann sie darum günstiger. Bild: Keystone

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In der Schweiz bahnt sich einer der grössten Preisabschläge seit Jahren an: 9 Rappen weniger sollen die Bauern ab 1. Januar 2009 für ein Kilo Milch erhalten. Diese Empfehlung gibt der neu gegründete Verein Schweizer Milch (VSM), in dem die Molkereien und die Organisationen der Milchbauern paritätisch vertreten sind. Der Abschlag tut weh – er liegt bei einem Milchpreis von derzeit rund 70 Rappen «im zweistelligen Prozentbereich». Es gibt also viel Geld zu verteilen. Der Dachverband der 27'000 Milchbauern, SMP, hat bereits ausgerechnet, was diese die Preisrunde kostet. Eine Senkung um 9 Rappen pro Kilo Milch beschert den Bauern einen Einkommensverlust von 300 Millionen Franken im Jahr.

Zu verteilen haben die Grossverteiler jedenfalls einiges. Nimmt man die 300 Millionen Franken des SMP als Basis, sparen die Milchverarbeiter allein von Januar bis April 120 Millionen Franken. Selbst wenn sie die tieferen Einstandspreise dem Detailhandel nicht voll weitergeben, dürften dort rund 100 Millionen Franken ankommen. Dieses Geld wollen Migros und Coop «wie in der Vergangenheit den Kundinnen und Kunden sicher weitergeben», betonen sie praktisch gleichlautend.

Weitere Preisrunde im Frühling

Wie stark die Preise der einzelnen Milchprodukte nach Neujahr fallen, können die Grossverteiler noch nicht sagen. Klar ist aber jetzt schon, dass der Abschlag bei wenig verarbeiteter Rohmilch (Past- und UHT-Milch) am grössten ausfällt und mit zunehmendem Verarbeitungsgrad abnimmt. Caffé Latte etwa dürfte kaum billiger werden, weil der Preis des Rohstoffs Milch sich hier marginal auswirkt.

Freuen dürfte die Konsumenten, dass die neue Organisation der Milchbranche, der VSM, gestern bereits eine weitere Preisrunde im Frühling angekündigt hat. Ende Jahr laufen Subventionen an die Verwerter aus. Zudem wollen die Milchfirmen spätestens im Mai ein neues Marktsystem mit einer Milchbörse einführen. Kurz: Die Milchfabriken wollen die Umstellung nutzen, um den Milchpreis Anfang Mai nochmals zu drücken.

Die Aussichten der Milchbauern, einen massiven Preissturz zu verhindern, sind schlecht. Sie produzieren zu viel Milch, rund 200 Millionen Kilo mehr Milch als im Vorjahr. Die Schwemme ist so arg, dass beispielsweise die dem Innerschweizer Milchverband ZMP angeschlossenen Bauern seit kurzem 5 Rappen pro Kilo für die Überschussverwertung zahlen müssen.

Milchbauernverband droht Spaltung

Zum anderen sind die Organisationen der Milchbauern heillos zerstritten. Ihr Dachverband SMP sagt, Marktanalysen hätten ergeben, dass aufs Neujahr höchstens ein Abschlag von 6 Rappen nötig sei. Dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, dürfte dem SMP jedoch schwer fallen.

Dem einst mächtigen Dachverband droht die Spaltung. Denn die meisten der im SMP organisierten regionalen Organisationen der Milchbauern haben sich jüngst der neu gegründeten Branchenorganisation Verein Schweizer Milch angeschlossen. Der Seitenwechsel ist schwer nachvollziehbar: Im VSM geben Verwerter wie Emmi, Cremo und die Migros-Tochter Elsa den Ton an, wie der angekündigte Abschlag von 9 Rappen zeigt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2008, 11:37 Uhr

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