Nestlé-Chef zerpflückt Minder-Initiative

Peter Brabeck nutzte die Nestlé-Generalversammlung für eine Breitseite gegen die Abzockerinitiative. Auch bei der Masseneinwanderungsinitiative wittert der Manager Gefahren.

Spricht von Machttransfer ins Ausland: Peter Brabeck.

Spricht von Machttransfer ins Ausland: Peter Brabeck. Bild: Keystone

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Nestlé-Präsident Peter Brabeck befürchtet nach den jüngsten politischen Entwicklungen einen Machtverlust für die Schweiz in den Weltkonzernen und kurzfristigere Entscheidungen. Besonders kritisch ist Brabeck bezüglich der Abzockerinitiative.

«In unserem Fall werden fast zwei Drittel der stimmberechtigten Aktien von Personen gehalten, die ausserhalb der Schweiz wohnen», sagte Brabeck am Donnerstag während der Nestlé-Generalversammlung in Lausanne. Für die internationalen Konzerne führen die Verordnungen aus der Abzockerinitiative zu einem Transfer von Macht ins Ausland.

Gefahr der «Kurzsichtigkeit»

Aus der Initiative, die vom Schaffhauser Ständerat Thomas Minder lanciert worden war und der die Stimmbevölkerung vor gut einem Jahr zugestimmt hat, ergeben sich laut Brabeck weitere Probleme: Weil Verwaltungsräte künftig nur für ein Jahr gewählt würden, könnte es vermehrt zu «kurzsichtigen» Entscheidungen kommen.

Der Erfolg von Nestlé sei aber auf langfristigen Sichtweisen begründet, sagte Brabeck. Er selbst will sich 2017 zurückziehen, nachdem der Nahrungsmittelgigant in nächsten Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiern wird.

Vom Verwaltungsrat abgenickt

Aufgrund der Annahme der Abzockerinitiative musste Nestlé die Statuten überarbeiten. Die Änderung wurde an der Generalversammlung genehmigt, wie der Konzern mitteilte.

Die anderen Anträge des Verwaltungsrats wurden ebenfalls angenommen. Unter anderem hiessen die Aktionäre in einer - diesmal noch konsultativen - Abstimmung den Vergütungsbericht gut. Ausserdem genehmigten sie Jahresbericht, Konzernrechnung sowie die erhöhte Dividende von 2,15 Franken pro Aktie und bestätigten alle Verwaltungsräte, die sich zur Wiederwahl stellten.

Sämtliche Anträge seien «mit starken Mehrheiten» angenommen worden, teilte Nestlé mit. Für Angaben zu den genauen Abstimmungsergebnissen war der Konzern nicht erreichbar. An der Generalversammlung nahmen 2708 Aktionäre teil, die 66 Prozent der stimmberechtigten Aktien repräsentierten.

Ausländer entscheidend wichtig

Brabeck warnte nicht nur vor den Folgen der Abzockerinitiative, er fürchtet auch die Folgen des Ja zur Begrenzung der Einwanderung, welches das Stimmvolk am 9. Februar ausgesprochen hatte. Er glaube zwar daran, dass Lösungen gefunden würden, sagte er vor den Aktionären. «Ich verberge aber auch nicht eine gewisse Beunruhigung, was die mittelfristige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Schweiz betrifft.»

Nestlé habe in der Schweiz Mitarbeiter aus 90 Ländern, und der ungehinderte Zugang ausländischer Arbeitskräfte sei entscheidend für das Unternehmen. Trotz seiner Bedenken über die Folgen der Abstimmungsresultate bezeichnete sich Brabeck als feuriger Verfechter der direkten Demokratie. (mrs/sda)

Erstellt: 10.04.2014, 22:28 Uhr

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