Neue Millionen-Klage gegen die UBS

Die UBS ist mit einer happigen Forderung im Zusammenhang mit dem Schneeballsystem des US-Börsenmaklers Bernard Madoff konfrontiert. Ein Insolvenzverwalter fordert von der Grossbank 555 Millionen Dollar.

Die UBS habe trotz Hinweisen mit einem Betrüger zusammengearbeitet: US-Börsenmaklers Bernard Madoff.

Die UBS habe trotz Hinweisen mit einem Betrüger zusammengearbeitet: US-Börsenmaklers Bernard Madoff.

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Der Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard doppelt nach: Kurz vor Ablauf einer Verjährungsfrist erhöht er die Forderung gegenüber der UBS um eine weitere halbe Milliarde Dollar. Insgesamt verlangt er von der Grossbank nun 2,5 Milliarden Dollar. Gemäss einer Mitteilung vom Dienstag hat Picard zu den bisherigen 23 Fällen von mutmasslichem Finanzbetrug und Fehlverhalten, die er der UBS zur Last legt, deren 26 neue hinzugefügt.

Picard wirft im Zusammenhang mit der auf ein Schneeballsystem beruhenden Investitionsgesellschaft von Bernard Madoff verschiedenen Banken vor, sie hätten die betrügerische Vorgehensweise des Milliardenbetrügers gekannt oder kennen müssen. Der Treuhänder reichte deshalb etwa auch eine Klage über 9 Milliarden Dollar gegen die britische Grossbank HSBC ein, von JP Morgan Chase fordert er 6,4 Milliarden Dollar.

UBS weist Vorwürfe von sich

Die UBS weist die Vorwürfe Picards von sich. Bereits am Montag, als bekannt wurde, dass die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) eingelenkt hat und dem Madoff-Sachverwalter eine halbe Milliarde Dollar zahlt, hat sie die Behauptungen Picards als falsch und unbegründet bezeichnet.

Was Picard gegen die UBS vorbringe, entbehre jeder Grundlage. Die Grossbank betonte zudem, dass ihre Fonds, die in Madoffs Gesellschaft investiert waren, auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden aufgesetzt worden seien und sie daher keine Verantwortung gegenüber den entsprechenden Anlegern trage.

Aura der Legitimation

Picard argumentiert genau umgekehrt wie die UBS: Für ihn hat die Bank mehreren so genannten Feeder-Fonds eine «Aura der Legitimation» verliehen, indem sie etwa als deren Depotbank aufgetreten sei, lautet einer seiner Vorwürfe.

Mit nicht veröffentlichter Haftungsfreistellungsvereinbarungen habe die Bank zudem die rechtliche Verantwortung umgangen und Madoff als Zwischenverwahrer der Feeder-Fonds eingesetzt, obwohl sie vor ihm gewarnt hätte sein müssen. So genannte Feeder-Fonds sind Dachfonds, die ihr Vermögen in Anteile eines einzigen Wertpapierinvestmentfonds anlegen.

Den Druck, den der Madoff-Sachverwalter derzeit aufsetzt, zeigt Wirkung. Nachdem am Montag die UBP in einen Vergleich eingewilligt hatte, wurde am Dienstag bekannt, dass die Familie des Unternehmers Carl Shapiro ebenfalls 625 Millionen Dollar überweist. Damit hat sich die Summe, die Picard im Namen der Betrugsopfer eingesammelt hat, binnen zweier Tage fast verdoppelt und beträgt 2,6 Milliarden Dollar.

Aktienkurs bleibt stabil

Kaum Auswirkung hatte die Ausweitung der Klage gegen die UBS jedoch auf den Aktienkurs der Grossbank: In Händlerkreisen hiess es zwar, die neuen Forderungen könnten schon zu einem Thema auf dem Aktienmarkt werden. Mit einem Kursminus von 0,1 Prozent am Mittwochmorgen gegen 10.30 Uhr reagierte der Markt allerdings kaum auf Picards Ankündigung.

Analysten sahen die Lage denn auch ziemlich gelassen: Es sei unwahrscheinlich, dass UBS die volle Summe zahlen werden müsse. Zudem sei nicht einmal klar, ob der Insolvenzverwalter mit seinen Vorstössen gegen die Grossbank Erfolg haben könnte. Möglicherweise laufe das Ganze auf einen aussergerichtlichen Vergleich hinaus. (pbe/sda)

Erstellt: 08.12.2010, 10:58 Uhr

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