Neue Postfinance-Gebühren treiben die Kunden zur Konkurrenz

Migros Bank und Valiant verzeichnen deutlich mehr Kontoeröffnungen. Die Postfinance soll dreistellige Millionenbeträge verloren haben.

Die Gebührenerhöhung der Postfinance kommt bei den Kunden nicht gut an. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Gebührenerhöhung der Postfinance kommt bei den Kunden nicht gut an. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Der Frust war gross bei vielen Kunden. Postfinance kündigte Anfang Oktober eine deutliche Gebührenerhöhung für das nächste Jahr an. Gehörte die Bank bislang zu den günstigsten Instituten, gibt es nun deutlich kostengünstigere Alternativen.

Viele Kunden wollen dabei nicht mitmachen und wechseln zur Konkurrenz. «Die Migros Bank registriert seit der Ankündigung der Gebührenänderung bei Postfinance einen deutlichen Anstieg von Konteneröffnungen», sagt ein Sprecher. Auch bei Valiant spürt man wachsendes Interesse. «Es gibt tatsächlich eine erhöhte Anzahl Kunden, die von Postfinance zu Valiant wechseln oder wechseln wollen», so ein Vertreter. Solche Fälle habe es schon vor der Gebühren-Ankündigung von Postfinance gegeben. Seither hätten sie aber merklich zugenommen.

Bedeutende Abflüsse bei Postfinance

Andere Institute wollen sich auf Anfrage nicht äussern. Die jüngst verzeichneten Zuflüsse scheinen aber auch jenseits von Migros und Valiant beachtlich zu sein. Bei einer Bank sollen die Kundeneinlagen um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag zugenommen haben, so eine Quelle. Davon sei ein schöner Teil wohl auf Postfinance zurückzuführen.


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Postfinance nennt keine konkreten Zahlen. «Wir veröffentlichen die Anzahl Kunden jeweils mit unseren Abschlüssen, allerdings wird der Effekt der Gebührenerhöhungen erst Anfang März 2019 ersichtlich sein», erklärt ein Sprecher. Eine Tendenz zeichne sich aber bereits ab. «Die Anzahl Kontosaldierungen hat gegenüber den Monaten vor der Ankündigung nur leicht zugenommen», so ein Sprecher.

Doch auch wenn der Vermögensabfluss tatsächlich so hoch ist, wie die Konkurrenz frohlockt: Im Vergleich zu den gesamten Kundenvermögen bei Postfinance von rund 120 Milliarden Franken hält er sich in Grenzen. Zudem dürfte man bei der Bank auch nicht zwingend darüber enttäuscht sein, weil sie wegen der niedrigen Zinsen mit Kundeneinlagen immer weniger verdient. Ausserdem: Auch wenn die Tarife nun steigen, gehört Postfinance noch immer nicht zu den teuersten Instituten – und auch die Banken, die jetzt profitieren, sind nicht zwingend preisgünstiger.

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«Ich bin mir bewusst, dass die neuen Preise unseren Kundinnen und Kunden verständlicherweise wenig Freude bereiten», so Postfinance-Chef Hansruedi Köng bei der Einführung der neuen Preise. Wegen der sinkenden Margen und des markanten Gewinnrückgangs könne es sich Postfinance aber nicht mehr leisten, Dienstleistungen zu Preisen anzubieten, welche die Kosten nicht decken. «Wir bieten jedoch Alternativen, mit denen unsere Kunden die neuen Gebühren teilweise vermeiden können», so Köng.

Das ist für viele Kunden nicht so einfach zu verstehen. Bei der Postfinance-Hotline melden sich derzeit viele Kunden, die wissen wollen, wie sie die gestiegenen Gebühren vermeiden können. Denn die Zusatzkosten lassen sich nicht mehr so einfach umgehen. Denn auch wer über ein Vermögen von mehr als 7500 Franken verfügt, muss ab dem nächsten Jahr eine Kontoführungsgebühr von 5 Franken pro Monat zahlen. Ausser er hält beim Institut Anlageprodukte über 25'000 Franken, eine Lebensversicherung oder eine Hypothek.


Video: An der Gewinnschraube drehen mit Stellenabbau

Im Juni kündigte Postfinance an, rund 500 Jobs zu streichen: Konzernchef Hansruedi Köng nimmt Stellung. Video: SDA


(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.11.2018, 10:35 Uhr

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