Neuer Geldsegen für Novartis-Chefs

Konzernchef Joe Jimenez und Präsident Daniel Vasella erhielten 2011 deutlich mehr Lohn. Dieses Jahr fährt der Pharmakonzern einen Sparkurs.

Trotz Patzer: 15,7 Millionen bekam Konzernchef Joe Jimenez (links) letztes Jahr, 13,5 Millionen Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella.

Trotz Patzer: 15,7 Millionen bekam Konzernchef Joe Jimenez (links) letztes Jahr, 13,5 Millionen Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella. Bild: Keystone

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Novartis befindet sich seit zwei Monaten in einem Tief. In den Zahlen des vergangenen Jahres hat sich dies zwar nur bedingt niedergeschlagen. Ausgestanden sind die Rückschläge der jüngsten Zeit allerdings noch nicht. Begonnen hat das Ungemach mit unerwarteten Nebenwirkungen eines Blutdruckmittels. Später fing das Unternehmen wegen Mängeln in mehreren Werken in den USA eine Rüge der Gesundheitsbehörde FDA ein und musste die dortige Produktion vorübergehend einstellen. Die beiden Vorfälle führten dazu, dass der Pharmakonzern im vierten Quartal 2011 über 1 Milliarde Dollar abschreiben musste.

Trotz dieser Patzer erhalten Verwaltungsrat (VR) und Geschäftsleitung mehr Lohn. Im Vergütungsbericht wird der Abschreiber zwar in der Beurteilung der Leistung des Managements erwähnt; aber die übrigen Ziele, so heisst es, seien erreicht oder gar übertroffen worden. Für Konzernchef Joe Jimenez schlägt sich das in einem Jahressalär von 15,7 Millionen Franken nieder. Das sind 2,8 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Allerdings arbeitete er 2010 lediglich elf Monate als Konzernchef, weil er die Nachfolge von Vasella erst im Februar antrat.

Novartis überflügelt Roche

Auch VR-Präsident Daniel Vasella verdient nochmals mehr. Er bekommt für 2011 eine Vergütung von 13,5 Millionen Franken. Dies sind 2,3 Millionen mehr als 2010. Damals erhielt er jedoch zusätzlich eine Einmalzahlung von 12 Millionen Franken für die Altersvorsorge. Im Lohn Vasellas nicht enthalten ist eine Abgeltung für das mehrjährige Konkurrenzverbot, dass der Verwaltungsrat mit Vasella 2010 ausgehandelt hat. Dem Vernehmen nach wird diese «marktgerechte Vergütung» nach Erfüllung des Vertrags ausbezahlt. Wie viel Vasella dafür erhält, legt das Unternehmen nicht offen. Der 58-jährige Bündner verfügt mittlerweile über 3,3 Millionen Novartis-Aktien, die zum gestrigen Kurs einen Wert von knapp 168 Millionen Franken aufweisen. Novartis überflügelt damit Konkurrent Roche: Konzernchef Severin Schwan erhielt 2010 einen Lohn von 11,4 Millionen Franken, Präsident Franz Humer 10 Millionen. Ihre Löhne für 2011 werden nächste Woche veröffentlicht.

Ebenfalls beträchtlich sind die Löhne jener Topmanager, die neu zu Novartis gestossen sind. So erhält Kevin Buehler, Chef der Augenmittelsparte Alcon, 7,9 Millionen Dollar. Er sitzt erst seit vergangenem April in der Geschäftsleitung: Die von Nestlé zugekaufte Alcon wurde damals vollständig von Novartis übernommen. Wird Bühlers Lohn auf zwölf Monate hochgerechnet, hätte er rund 10,5 Millionen Dollar verdient. Ein Grossteil seines Salärs wurde ihm in Aktien und Optionen ausbezahlt. So besitzt er nach knapp neun Monaten bei Novartis schon fast so viele Aktien wie Jimenez, der seit April 2007 an Bord ist. Bei den Optionen hat Buehler seinen Chef bereits überflügelt. Offensichtlich wollte der Pharmakonzern Bühler nach der Alcon-Übernahme unbedingt halten, um Unruhe bei der zugekauften Firma zu vermeiden.

Keine Freude an diesen Beträgen hat die Genfer Anlagestiftung Ethos. Sowohl Vasellas Lohn als auch die variable Vergütung der Geschäftsleitung sei sehr hoch, sagt Sprecher Vinzenz Mathys. Angesichts der hohen Saläre verlangt Ethos, dass künftig jährlich über die Löhne abgestimmt wird und nicht wie von Novartis vorgesehen alle drei Jahre. Der Pharmakonzern ist diesbezüglich eine Ausnahme. Einen kleinen Erfolg konnte Ethos dennoch verbuchen. Die Basler sind nach jahrelangen Diskussionen auf die Forderung der Anlagestiftung eingetreten und weisen die Löhne neu nach Markt- und nicht mehr nach Steuerwerten aus. Das Ergebnis des vergangenen Jahres interessierte gestern insgesamt weniger als der Ausblick für das laufende Jahr. Viele Beobachter erwarteten, dass es Novartis trotz auslaufender Patente wichtiger Medikamente gelingen sollte, Umsatz wie Gewinn in diesem Jahr zu halten. Bei Letzterem wird das Unternehmen das Ziel aber voraussichtlich verfehlen. Das Management geht davon aus, dass die Marge geringfügig unter dem Niveau von 2011 liegen wird.

Der Sparkurs geht weiter

Finanzchef Joe Symonds betonte im Gespräch mit dem TA, dass dies noch immer eine beachtliche Leistung sei. Schliesslich müsse Novartis einen Umsatzausfall von 2,6 Milliarden Dollar aufgrund auslaufender Patente kompensieren. Neben dem umsatzstärksten Produkt Diovan verlieren weitere Medikamente den Patentschutz und werden deshalb durch Generika konkurrenziert. Finanzchef Symonds bezeichnet das Pharmageschäft trotzdem als gesund. Er verweist dabei auf jüngere Produkte: Die seit 2007 lancierten Medikamente erzielten 2011 einen Umsatz von 9,2 Milliarden Dollar, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 41 Prozent.

Symonds machte an der gestrigen Telefonkonferenz deutlich, dass Novartis auch in diesem Jahr an der Sparschraube drehen wird. Weitere Entlassungen seien keine geplant, sagte Jimenez. Allerdings hatte der Amerikaner bereits vor Jahresfrist ein Sparprogramm ausgeschlossen. Trotzdem kündete der Pharmakonzern 2011 den Abbau von über 3000 Stellen an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2012, 22:05 Uhr

Geschäftszahlen Novartis 2010/2011. (Bild: TA-Grafik mr / Quelle: Novartis)

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