Nissan-Präsident festgenommen

Carlos Ghosn ist die schillernde Figur der Autoindustrie, jetzt werden schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Der 64-Jährige steht im Verdacht, sein eigenes Einkommen in den Jahresabschlüssen zu niedrig angesetzt zu haben: Carlos Ghosn am WEF in Davos. (23. Januar 2018) Bild: Issei Kato/Reuters

Der 64-Jährige steht im Verdacht, sein eigenes Einkommen in den Jahresabschlüssen zu niedrig angesetzt zu haben: Carlos Ghosn am WEF in Davos. (23. Januar 2018) Bild: Issei Kato/Reuters Bild: Keystone

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Der Präsident des japanischen Autobauers Nissan, Carlos Ghosn, ist am Montag in Japan festgenommen worden. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK. Ghosn soll Steuern hinterzogen und Firmengelder veruntreut haben.

Nissan hatte kurz zuvor Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen seinen Verwaltungsratspräsidenten Ghosn bestätigt. Der Manager habe unter anderem «mehrere Jahre lang zu niedrige Einkünfte angegeben». Das habe eine interne Untersuchung ergeben. Ghosn soll demnach auch Firmengelder privat verwendet haben. Der Verwaltungsrat solle nun so schnell wie möglich über die Entlassung von Ghosn entscheiden.

So will er den Konzernchef am Donnerstag feuern. Denn die Staatsanwaltschaft Tokio ermittelt wegen Steuerhinterziehung und falscher Buchführung gegen den 64-Jährigen, der auch Chef des französischen Autobauers Renault ist. Dessen Aktie verlor zwischenzeitlich mehr als 12 Prozent an Wert.

Eine interne Untersuchung von Nissan habe ergeben, dass Ghosn auch Firmengeld für private Zwecke missbraucht habe, teilte der Konzern mit. Massgeblich in den Missbrauch von Firmengeldern soll auch der «repräsentative Direktor» Greg Kelly verwickelt sein. Demnach gingen Nissan-Mitarbeiter monatelang vertraulichen Hinweisen eines Whistleblowers nach.

Ghosn wurde am Montagabend Ortszeit von Tokioter Staatsanwälten verhört. Sowohl Nissan als auch die Staatsanwaltschaft haben für den späten Abend Ortszeit eine Pressekonferenz angekündigt.

Ghosn leitet Nissan seit 1999. Damals rettete der französische Autobauer Renault die japanische Nummer zwei aus finanziellen Schwierigkeiten. Der in Brasilien geborene Ghosn kam nach Japan und übernahm die Leitung von Nissan. Er wurde dort als «Cost Cutter» bekannt, weil er massive Einsparungen umsetzte. Doch damit brachte er Nissan auf die Erfolgsspur zurück. Er galt bisher als der einzige Ausländer, dem es wirklich gelungen ist, einen japanischen Grosskonzern erfolgreich zu führen.

Ghosn versteuerte plötzlich 30 Prozent weniger Einkommen

In den vergangenen Jahren stolperte Nissan allerdings immer wieder. Das Unternehmen meldete unter anderem falsche Abgas- und Benzinverbrauchswerte für mehrere Modelle. Darunter auch solche, die von Mitsubishi für Nissan gebaut wurden. Ghosn nutzte die Krise, Mitsubishi unter die Kontrolle von Renault-Nissan zu bringen. Er hält in der Allianz der drei Unternehmen die Fäden in der Hand.

Ghosn versteuerte 2016 ein Einkommen von 1,089 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 8,5 Millionen Euro. In den Jahren zuvor jeweils etwa gleich viel. 2017 jedoch nur noch 735 Millionen Yen, 5,7 Millionen Euro, etwa 30 Prozent weniger. Das dürfte das Interesse der Staatsanwaltschaft und der Finanzbehörden geweckt haben. Für japanische Konzernchefs sind allerdings auch 5 Millionen Euro unvorstellbar hohe Summen.

Ghosn wurde in Japan bisher als Sanierer von Nissan wegen seines Erfolgs respektiert, gemocht haben ihn die Japaner nie. Er entliess hochqualifizierte Ingenieure und Facharbeiter. Das ist unter grossen japanischen Konzernen eigentlich tabu. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.11.2018, 10:10 Uhr

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