Noch eine Elefantenhochzeit?

Nokia und Alcatel-Lucent wollen fusionieren. In Europa könnte so ein neuer Weltmarktführer im hart umkämpften Geschäft mit Technik für Telecomnetze entstehen. Doch es gibt noch ernsthafte Hindernisse.

Möglicherweise vor einer Grossübernahme: Nokia, Logo vor dem Hauptsitz in Espoo. (29. Januar 2015)

Möglicherweise vor einer Grossübernahme: Nokia, Logo vor dem Hauptsitz in Espoo. (29. Januar 2015) Bild: Roni Rekomaa/Lehtikuva/Reuters

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Für Nokia – vom Handypionier zum reinen Netzwerkausrüster mutiert – würde die Übernahme rund ein Jahr nach dem Verkauf der Handysparte an Microsoft die Rückkehr ins Rampenlicht bedeuten. Die Finnen bestätigten Gespräche über einen Zusammenschluss mit Alcatel-Lucent. Die Verhandlungen seien zwar fortgeschritten, könnten aber noch scheitern.

Es ist unklar, wie viel Nokia für Alcatel auf den Tisch legen würde. Den Firmen zufolge ist ein Aktiengebot im Gespräch. Alcatel-Lucent war zuletzt an der Börse gut 11 Milliarden Euro wert. Die Aktie von Alcatel-Lucent stieg zwischenzeitlich um 16 Prozent, während das Nokia-Papier um rund 7 Prozent nachgab.

Der Marktwert von Nokia liegt bei knapp 30 Milliarden Euro, und die Finnen hatten zuletzt Geldreserven von rund 7,7 Milliarden Euro. Mit einem Kombiangebot aus Geld und eigenen Aktien könnte Nokia eine Übernahme also finanziell stemmen.

Zusammen würden die beiden Davids des Netzwerksgeschäfts zu einem Goliath werden und beim Umsatz die Marktführer Ericsson und den chinesischen Huawei-Konzern übertreffen. Nokia hat auf dem riesigen amerikanischen Markt Nachholbedarf. Alcatel ist gut in den USA aufgestellt, wo Telecomriesen wie AT&T und Verizon zu den Kunden gehören.

Etatismus als Hürde

Allerdings machte die französische Regierung laut Medienberichten bereits deutlich, dass sie ein Mitspracherecht und Garantien für das Geschäft von Alcatel-Lucent haben wolle.

Das dürfte einen Deal erschweren. Denn die aktuellen Grössenverhältnisse von Nokia und Alcatel-Lucent machen Sparmassnahmen nach einem Zusammenschluss sehr wahrscheinlich. Die französische Regierung hat die Telekommunikationsindustrie zu einer Branche von nationalem Interesse ausgerufen und hat daher ein Auge auf einen möglichen Verkauf des Pariser Unternehmens.

Nokia hatte Ende vergangenen Jahres 54'600 Mitarbeiter im Netzwerkbereich und Alcatel-Lucent insgesamt gut 50'000. Der Nokia-Konzern erwirtschaftete einen Umsatz von 12,7 Milliarden Euro. Der Löwenanteil kommt aus dem Netzwerkgeschäft, die Handysparte hatte das Unternehmen an Microsoft verkauft.

Alcatel-Lucent hat mit 13,2 Milliarden Euro Erlöse in ähnlicher Grössenordnung. Der Konzern entstand aus einem Zusammenschluss zwischen Alcatel aus Frankreich und Lucent aus den USA. Nokia betrieb in der Netzwerktechnik früher ein Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens, übernahm 2013 jedoch den 50-Prozent-Anteil der Deutschen.

Konkurrenz aus China

Netzwerkausrüster liefern Technik für Telecomkonzerne. Dabei stehen etablierte westliche Anbieter unter verstärktem Druck aggressiver Rivalen aus China. Der europäische Rivale Ericsson hielt sich im vergangenen Jahr an der Spitze der Branche mit einem Umsatz von 25,1 Milliarden Euro. Die Schweden liefern sich aber schon seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Huawei aus China.

Vor allem mit dem wachsenden Datenverkehr über Smartphones brauchen die Telecomkonzerne immer neue Ausrüstung für ihre Netze. Für die nächsten Jahre kündigt sich ein grosses Geschäft mit dem nächsten Datenfunkstandard 5G an, der viel schnelleres Internet unterwegs ermöglichen soll. Allerdings ist es immer noch ein Markt mit wenigen Abnehmern und hartem Wettbewerb unter den Anbietern der Netztechnik. (rub/sda)

Erstellt: 14.04.2015, 10:39 Uhr

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