Novartis will Mäuse sparen

Wissenschaftskommission und Bundesrat wollen die gesetzlichen Regeln für Tierversuche anpassen. Zufall oder nicht: Der Schweizer Pharmariese prüft jetzt die Auslagerung von Tierexperimenten.

Keine Pharmaforschung ohne Tierversuche? Labormaus auf der Hand eines Forschers.

Keine Pharmaforschung ohne Tierversuche? Labormaus auf der Hand eines Forschers. Bild: Keystone

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Novartis prüft die Auslagerung von Tierversuchen. In Zusammenarbeit mit externen Experten und dem Novartis Venture Fund könnten in Zukunft universitätsnahe Unternehmen die Verträglichkeit von Pharmastoffen an Tieren im Auftrag von Novartis testen. Es gibt den Vorschlag, ob man das über ein Spin-Off mit der Finanzierung von Novartis umsetzen kann. Von den Verhandlungen betroffen sind rund 50 Mitarbeiter laut den jüngsten Angaben von Novartis Schweiz-Chef Pascal Brenneisen. «Wir befinden uns dazu in Konsultationsverhandlungen mit der Stadt Basel», sagte er in einem Interview mit der DRS-Radiosendung «Samstagsrundschau».

Novartis befürchtet Geheimnisverrat

Die Aussagen Brenneisens vom vergangenen Samstag kommen wohl nicht von ungefähr. Am selben Tag hat die Wissenschaftskommission des Nationalrates verlautet, das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit Tierversuchen lockern zu wollen. Denn der Bundesrat möchte wiederum die Offenlegung von Tierversuchen und eine strengere Regelung.

Die Nationalratskommission befürchtet aufgrund der Forderungen des Bundesrats Nachteile für Unternehmen und Personen, die an den Tierexperimenten beteiligt sind. Das reiche von der Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen bis hin zu tätlichen Angriffen auf Einrichtungen und Forscher. Im Sommer 2009 etwa hatten militante Tierschützer sogar die Jagdvilla des Novartis-Verwaltungsratspräsidenten Daniel Vasella in Tirol abgefackelt. Unter anderem wegen derartiger Vorfälle solle die Offenlegung nicht so weit gehen, wie dies der Bundesrat wolle. Im März dürfte das erneuerte Tierschutzgesetz in den Nationalrat kommen.

Kostenüberlegungen

Nicht mehr als ein «Feigenblatt» sei diese Debatte über die Gesetzesanpassung, findet ein Mitarbeiter des Department of Biomedicine (DBM) in Basel im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der Brancheninsider ortet ausschliesslich Kostenüberlegungen bei Novartis. Zu Recht, wie er meint: Seiner Ansicht nach seien Tierversuche unverzichtbar, um beispielsweise in der Krebsforschung Fortschritte zu erzielen. Doch Tierschützer würden der Forschung Steine in den Weg legen.

Zwei Probleme tun sich dabei auf: Einerseits fordern Tierschützer mindestens strengere Regeln für Tierversuche, wenn nicht gar deren Abschaffung. Andererseits führen strengere Regeln zu steigenden Kosten für die Pharmakonzerne, die sich in der Folge überlegen, Tierversuche auszulagern. Und das womöglich auch ins Ausland. «Bangalore und Singapur werden für die Industrieforschung immer attraktiver», warnt der DBM-Mitarbeiter vor einem Abzug. Immer neue Auflagen verzögerten die Forschungsergebnisse und machten die Forschung teurer. Das führe zu einer Situation wie in den Niederlanden, wo grosse Pharmagruppen ihre Forschungszweige bereits nach Asien ausgelagert haben. Dies sei billiger und weniger reglementiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.01.2012, 14:38 Uhr

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