Nun sitzt ihm auch sein Heimatland im Nacken

Der Druck auf Rupert Murdoch erhöht sich mit jedem Tag: In Grossbritannien muss er sich vor einem Untersuchungsausschuss erklären. Auch Australien – seine Heimat – plant ähnliche Schritte.

Medienmogul im Fokus der Medien: Rupert Murdoch steht unter Druck.

Medienmogul im Fokus der Medien: Rupert Murdoch steht unter Druck.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch sollte nach Ansicht des stellvertretenden Premierministers Nick Clegg in einer parlamentarischen Anhörung zu dem Abhörskandal bei «News of the World» Stellung nehmen. Es gebe grosse Fragen, die Murdoch beantworten müsse, sagte Clegg.

Der mit der Untersuchung betraute Ausschluss des Unterhauses hat Murdoch, seinen Sohn James und Rebekah Brooks, die ehemalige Chefin von «News of the World», für Mitte nächster Woche vorgeladen.

Gillard «geschockt»

Auch in seinem Heimatland Australien gerät Rupert Murdoch unter Druck: Ihm gehört der Grossteil der australischen Zeitungen, nun sollen die dortigen Medienrichtlinien und die Besitzverhältnisse auf dem Zeitungsmarkt untersucht werden.

Die australische Premierministerin Julia Gillard sagte, sie sei «geschockt und angewidert» von den Eingriffen in die Privatsphäre trauernder Familien in Grossbritannien.

Untersuchung gefordert

Im Presseclub des Landes sagte Gillard, sie sei «nicht überrascht», dass nun auch in Australien über die Medien und deren Rolle in der Demokratie diskutiert werde. Die australischen Grünen hatten zuvor eine parlamentarische Untersuchung zum australischen Mediensystem gefordert, in dem der Murdoch-Konzern News Corporation eine wichtige Rolle spielt.

Weniger Auswahl als in Grossbritannien

Grünen-Chef Bob Brown sagte im Sender ABC, es gebe auf dem australischen Zeitungsmarkt «weniger Auswahl» als in Grossbritannien. In vielen Städten gebe es nur zum Murdoch-Konzern gehörende Zeitungen zu kaufen.

Brown wirft Zeitungen von News Limited, der australischen Tochter von News Corp, eine Kampagne gegen sich und seine Partei vor.

Weitere Festnahme

Inzwischen hat die britische Polizeibehörde Scotland Yard im Zuge ihrer Ermittlungen zum Abhörskandal einen siebten Verdächtigen festgenommen.

Der 60-jährige Mann sei am Morgen in seiner Wohnung festgenommen, erklärte die Londoner Polizei. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.

Wegen des Abhörskandals hatte Murdoch die 168 Jahre alte "News of the World" geschlossen und schliesslich am Mittwoch sogar auf die Übernahme des britischen Fernsehsendes BSkyB verzichtet. (kle/sda/Dapd)

Erstellt: 14.07.2011, 12:04 Uhr

UBS entgeht saftiges Honorar

Wegen dem gescheiterten BSkyB-Deal mit Medienmogul Rupert Murdoch geht grossen Investmentbanken viel Geld durch die Lappen. Die fünf an dem Kauf beteiligten Geldhäuser sollten nach Daten von Thomson Reuters bei Abschluss eigentlich Beraterhonorare von insgesamt 90 Millionen Dollar einstreichen.

Davon dürften die Banken nur noch etwa zehn Millionen Dollar erhalten, wie am Donnerstag bekannt wurde. Die Berater von BSkyB waren Morgan Stanley, die UBS, und die Bank of America Merrill Lynch. Murdochs Konzern News Corp hatte die Deutsche Bank und JP Morgan angeheuert.

Der Medienmogul hatte wegen des Abhörskandals bei einer seiner britischen Zeitungen die geplante Übernahme des PayTV-Senders aufgegeben. Der Druck war zu gross, nachdem sich die Politik geschlossen gegen ihn stellte.

Für die 61 Prozent der Anteile am Sender, die News Corp nicht besitzt, wollte Murdoch zuletzt 12 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Die Aktien von BSkyB stiegen am Donnerstag an der Londoner Börse um 0,5 Prozent auf 709 Pence. (sda)

Bildstrecke

Artikel zum Thema

Murdoch gibt dem Druck nach

Der Medienmogul zieht sein Angebot für eine Komplett-Übernahme des britischen Fernsehsenders BSkyB zurück. Premierminister David Cameron fordert inzwischen strafrechtliche Massnahmen in der Abhöraffäre. Mehr...

Murdoch will seine Zeitungen los werden

Der Medienmogul Rupert Murdoch möchte sich laut einem Bericht von allen seinen Zeitungen in Grossbritannien trennen. Der Konzern sei auf der Suche nach möglichen Käufern. Bisher ohne Erfolg. Mehr...

Die Unterwelt im Dienst der Murdoch-Presse

Der Medien- und Polizeiskandal in London nimmt kein Ende. Gestern wurde bekannt, dass sich die Boulevardmedien ärztliche Informationen über die Erkrankung eines Kindes von Ex-Premier Brown beschafften. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...