Hintergrund

OLT Express und das Aasgeier-Phänomen

Kaum ist die deutsche Airline OLT Express am Boden, stürzen sich andere Airlines auf die frei gewordenen Strecken. Wer profitiert diesmal? Eine Fluggesellschaft aus dem Bodenseeraum drängt sich auf.

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Wieder ist eine europäische Airline gegroundet worden. Die deutsche Fluggesellschaft OLT Express, die auch den Flughafen Zürich anflog, ist seit Sonntag am Boden. Das Unternehmen bestand aus der 1958 gegründeten Ostfriesischen Lufttransport GmbH und der 2012 übernommenen Contact Air. Mehr als 500 Mitarbeiter wurden beschäftigt. Die Flotte der in Bremen beheimateten OLT Express umfasste 15 Flugzeuge, darunter zehn Jets des Typs Fokker 100.

Vom Grounding der deutschen Airline ist auch Swiss betroffen, die Codeshare-Verbindungen mit OLT Express anbot (Infos für betroffene Passagiere: siehe Box). Mit dem Wegfall der OLT-Flugzeuge setzt Swiss nun auch eigene Maschinen ein. Doch ihre Flotte ist bereits gut ausgelastet, weshalb es Raum für andere Wettbewerber gibt. Diese streiten sich nun um die Überreste des OLT-Kadavers, indem sie sich auf frei gewordene Flugstrecken stürzen. Das bei Groundings bekannte Aasgeier-Phänomen tritt wieder in Erscheinung.

Intersky liebäugelt mit Zürich–Dresden

So hat etwa die Bodensee-Airline Intersky ein Auge auf die frei gewordenen OLT-Flugstrecken ab Zürich geworfen. «Zürich–Bremen und Zürich–Dresden sind sehr interessant für uns», sagt Marketing- und Verkaufsleiter Roger Hohl auf Anfrage. «Eine davon würden wir gerne übernehmen.» Hohl macht keinen Hehl daraus, dass Intersky vor allem an Zürich–Dresden interessiert ist.

Nun sei man unter Hochdruck daran, zusätzliche Flugzeuge zu suchen und die entstehenden Kosten zu berechnen. In den nächsten Tagen wird entschieden, welche Route wann und womit bedient werden soll. Falls es tatsächlich Dresden sein wird, das OLT bisher im Codeshare mit Swiss bediente, ist man bei Intersky von einer Zusammenarbeit mit Swiss nicht abgeneigt. «Wir sind an Partnerschaften immer interessiert», so Hohl. Intersky sei jedoch noch nicht im Gespräch mit der Airline.

Die Verbindung nach Dresden würde gut zur Zürich-Strategie von Intersky passen, wie Hohl weiter erklärt. So startet die Bodensee-Airline diesen Sommer mit neuen Verbindungen nach Salzburg und Graz. Eine bisherige OLT-Strecke hat sich Intersky übrigens bereits unter den Nagel gerissen: Ab März fliegt die Airline neu zwischen Karlsruhe und Hamburg.

Helvetic Airways als grosser Profiteur?

Auch Helvetic Airways hat bei den OLT-Strecken bereits zugeschlagen: Wo OLT im Auftrag von Swiss flog, werden neu Flugzeuge von Helvetic und Swiss eingesetzt. Dies ist zum Beispiel zwischen Zürich und Warschau der Fall. Helvetic hat überdies einige Charterflüge von OLT Express für diesen Frühling übernommen – unabhängig von Swiss, wie Helvetic-Sprecher Tobias Pogorevc auf Anfrage sagt.

Bereits vor gut drei Monaten profitierte Helvetic Airways von einem Grounding, als es die Basler Airline Hello erwischte. Damals übernahm Helvetic einige Strecken ab der Schweiz. Ist sie nach dem erneuten Grounding einer benachbarten Airline nun die lachende Dritte? Pogorevc verneint: «So viele Strecken haben wir insgesamt nicht übernommen, dazu fehlen uns die Flugzeuge.» Die Routen von Hello würden auch nur temporär bedient, weil man zurzeit saisonbedingt genügend Kapazität habe. Im Sommer wäre dies kaum möglich.

Der Helvetic-Sprecher hält fest, dass die Airline nicht jedes Geschäft übernehme, sondern die Anfragen jeweils genau prüfe. Eine Aufstockung der Flotte sei jedoch zurzeit noch kein Thema für die Schweizer Airline, wie Pogorevc sagt. «Aber wir beobachten die Situation laufend.»

Erstellt: 31.01.2013, 17:37 Uhr

Swiss-Informationen für OLT-Passagiere

Am 27. Januar hat die deutsche Fluggesellschaft OLT Express ihren Flugbetrieb eingestellt. Dies wirkt sich auf Passagiere der Swiss aus, die auf einigen Strecken Maschinen von OLT einsetzte. Nicht betroffen ist, wer einen Swiss-Flug gebucht hat, der von OLT durchgeführt wird (zum Beispiel Zürich–Warschau–Zürich).

Nicht durchgeführt werden jedoch Swiss-Flüge mit den Nummern LX 4800-4815. Dies sind je drei Flüge auf den Strecken Zürich–Bremen und Zürich–Dresden. Swiss kontaktiert betroffene Passagiere und informiert über Ausweichmöglichkeiten. Denjenigen, die den Flug umbuchen oder stornieren möchten, wird empfohlen, nicht zum Flughafen zu gehen, sondern die Konditionen für Umbuchung und Rückerstattung des Flugtickets zu lesen.

Massgebend für die Umbuchung und Rückerstattung ist die Ticketnummer. An der 13-stelligen Nummer auf Flugbestätigung oder Bordingpass, beginnend mit 724, ist erkennbar, ob es sich um ein Swiss-Ticket handelt.

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