ÖV profitiert von Air-Berlin-Pleite

Das Ende von Air Berlin bringt unerwartete Gewinner hervor – auch in der Schweiz.

Stellte Ende Oktober den Betrieb ein: Airline Air Berlin.

Stellte Ende Oktober den Betrieb ein: Airline Air Berlin. Bild: Lennart Preiss/Keystone

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Nach der Pleite von Air Berlin explodieren die Preise auf den ehemaligen Routen der Airline. Auf vielen Strecken, auch aus der Schweiz, ist die Lufthansa nun konkurrenzlos unterwegs und setzt die Preise. Vor allem Zürich–Düsseldorf und Zürich–Berlin Tegel sind betroffen. Stichproben zeigen, dass sich die Preise auf diesen Routen verdoppelt, wenn nicht verdreifacht haben.

In der Not steigen viele Gäste auf andere Transportmittel um. Davon profitiert etwa die Deutsche Bahn: «Wir haben deutlich mehr Buchungen auf den bisherigen innerdeutschen Strecken von Air Berlin», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Auch aus der Schweiz seien die Buchungszahlen seit der Betriebseinstellung von Air Berlin am 27. Oktober klar gestiegen. Auf der Verbindung Zürich–Düsseldorf um 5,1 Prozent und auf der Verbindung Zürich–Berlin um 4,6 Prozent, so der Sprecher.

SBB: Deutlich mehr Buchungen nach Deutschland

«Auch die SBB verzeichnen für Reisen von und nach Deutschland aktuell einen sehr positiven Buchungsverlauf, der deutlich über dem Vorjahr liegt», teilt auch SBB-Sprecher Reto Schärli mit. «Wir führen dies aber nicht direkt und allein auf teurere Flugpreise zurück.» Die grenzüberschreitenden Verbindungen würden jeweils in Kooperation mit den Partnerbahnen betrieben, so Schärli.

Die Deutsche Bahn geht aufgrund der deutlich gestiegenen Buchungszahlen derweil davon aus, dass ein Teil der bisherigen Air-Berlin-Fluggäste zukünftig auf ihre Züge wechseln werde, so der DB-Sprecher. Dies betreffe insbesondere Geschäftsreisende.

Ob die Preise durch die höhere Nachfrage gestiegen seien, sei nicht pauschal zu sagen, so der Sprecher. Ticketpreise seien in zwei Kategorien aufgeteilt: Flex- und Sparpreise. Nur bei den Spartickets würden sich die Preise verändern, da diese nachfragebasiert sind und mit zunehmender Auslastung steigen. Flexpreise haben zu einem bestimmten Tag immer den gleichen Preis.

Flixbus profitiert von Pannen

Neben der Bahn könnten auch Fernbusse von der Air-Berlin-Pleite profitieren. Flixbus, die Reisen aus der Schweiz nach Deutschland anbietet, will sich hierzu zwar nicht direkt äussern. Die konkreten Auswirkungen der Airline-Pleite würden sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, sagt Sprecher David Krebs. Allerdings habe Flixbus in der Vergangenheit Anstiege verzeichnet, wenn andere Verkehrsmittel ausgefallen seien.

Die Sperrung der Rheintalstrecke im August und September dieses Jahres etwa habe zu einem Buchungsanstieg von 10 bis 20 Prozent geführt, so Krebs. Besonders Verbindungen aus der Schweiz in Richtung Baden-Württemberg seien vermehrt gebucht worden. Auch der Piloten-Streik Ende 2016 habe zu einer Buchungssteigerung von rund zehn Prozent geführt.

Easyjet setzt auf steigende Ticketpreise

Im Luftverkehr profitiert von der Pleite Air Berlins vor allem der einstige Rivale Easyjet: Der Billigflieger setzt auf steigende Ticketpreise und will damit die Kosten der Übernahme von Air-Berlin-Teilen abfedern.

Die Briten peilen vor allem Wachstum in der deutschen Hauptstadt an. «Wenn wir in den nächsten Wochen grünes Licht aus Brüssel bekommen, werden wir die Nummer 1 in Berlin», sagte Easyjet-Deutschland-Chef Thomas Haagensen zuletzt der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte die EU-Kommission den Deal genehmigen, will Easyjet bis Herbst 2018 bis zu 25 Flugzeuge in Berlin-Tegel stationieren. Bisher betreibt die Airline zwölf Maschinen in Schönefeld nahe Berlin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2017, 14:02 Uhr

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