Ohne Drohung geht nichts

Als besondere Grosszügigkeit der Swisscom ­sollten die Kunden die Anpassungen der Roamingtarife nicht verstehen. Auch wenn sich der Anbieter den Schritt etwas kosten lässt.

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Die hohen Roamingkosten für die Handynutzung im Ausland sind aus Konsumentensicht seit Jahren ein Ärgernis. Auf der politischen Agenda kamen sie nicht voran. Die aktuellsten Vorstösse im Parlament für eine fixe Preisobergrenze wurden 2011 ein­gereicht. Dies, nachdem die EU bereits vier Jahre mit fest­gelegten Höchstpreisen den Anbietern die Tarife buchstäblich durchgegeben und alljährlich ­abgesenkt hatte.

Die Schweizer Anbieter begannen zwar, die Preise nach unten zu korrigieren und Zusatz­optionen zu offerieren, mit denen sich die Kosten fürs Telefonieren und den Internetzugriff im Ausland senken lassen. In einem Bericht vom letzten ­November kam das Bundesamt für Kommunikation dennoch zum Schluss, dass Schweizer Telecom­kunden im europäischen Ausland für alle bezogenen Leistungen deutlich höhere Preise zahlen als ihre EU-Nachbarn. Bezeichnend für den lahmen Wett­bewerb im Telecommarkt ist, dass es der Swisscom – dem ehemaligen Monopolunternehmen – gelang, hier die Preisführerschaft zu übernehmen. Und dass der grösste Druck nicht von den Konkurrenten ­ausging, sondern von der Politik und der Drohung, Höchsttarife nach dem EU-Vorbild einzuführen.

Der jüngste Schritt der Swisscom, das Roaming nun in die bestehenden Abos zu packen, also als ­bereits enthaltene Leistung anzusehen, kommt nicht überraschend. Bereits letztes Jahr rühmte sich der Anbieter damit, Abos anzubieten, bei denen das ­Roaming in der EU zu einem grossen Teil inbegriffen sei. Und rund die Hälfte des Datenverkehrs im ­EU-Ausland werde wegen dieser Inklusiveinheiten ohnehin nicht mehr verrechnet.

Als besondere Grosszügigkeit der Swisscom ­sollten die Kunden die Anpassungen nicht verstehen. Auch wenn sich der Anbieter den Schritt durchaus etwas kosten lässt. Der Telecomkonzern hat bereits die Erfahrung gemacht, dass Flatrate-Angebote, bei denen nicht mehr nach Minuten und Datenvolumen abgerechnet wird, die Nutzung fördern und den ­Umsatz pro Kunde am Schluss steigern können.

Erstellt: 19.02.2015, 23:34 Uhr

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