Ohne Prämie würden Zürcher Uber-Fahrer Geld verlieren

20 Franken pro Fahrt erhalten die Zürcher Chauffeure des US-Fahrdienstes. Ohne diese Subvention ginge es gar nicht, wie ein Beispiel zeigt. Die Taxifahrer nervts, das Seco nimmt erstmals Stellung.

Ein Geschäftsmodell sorgt für Aufregung: Die App des Fahrdienstes Uber (18. Juni 2014).

Ein Geschäftsmodell sorgt für Aufregung: Die App des Fahrdienstes Uber (18. Juni 2014). Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Zürcher Taxifahrer sind empört: Erst vor wenigen Wochen ist der US-Fahrdienst Uber mit seinem Taxidienst UberX gestartet, und schon machen die tiefen Preise Schlagzeilen. 30 bis 40 Prozent billiger will der Fahrdienst sein, bei dem man den Chauffeur per App herbeiruft und die Gebühr per GPS-Lokalisierung über die in der App hinterlegte Kreditkarte abgebucht wird. Tatsächlich ist UberX deutlich billiger als das Taxi – eine Fahrt von Schlieren an die ETH Hönggerberg kostet 25 Franken statt 43 Franken.

Die tiefen Preise kommen allerdings nur zustande, weil Uber das Angebot subventioniert, wie «10vor10» herausgefunden hat. Zwar müssen die selbstständigen Fahrer, die über die Uber-App an die Kundschaft vermittelt werden, 20 Prozent des Fahrpreises an die Plattform abliefern, gleichzeitig erhalten sie aber für jeden angenommenen Auftrag bis zu 20 Franken Prämie. Nur so rechnet sich das Geschäft für die Fahrer.

Ohne Prämie würden Uber-Fahrer Geld verlieren

Laut dem Zürcher Taxiverband muss ein Taxifahrer mit Kosten von rund 45 bis 50 Prozent des Umsatzes auf Basis des staatlich festgelegten Höchstpreises pro Fahrt rechnen – je nach Automodell, Versicherungen etc. Auf der Strecke Schlieren–Hönggerberg, bei welcher das offizielle Taxi 43 Franken kostet, wären das 21.50 Franken. Der Rest ist Lohn. Geht man davon aus, dass die Kostenstruktur bei den UberX-Fahrern grundsätzlich dieselbe ist, würden sie bei der gleichen Strecke ohne die Prämie sogar Geld verlieren. Schliesslich behält der Fahrer von den 25 Franken Fahrpreis nur 20 Franken – der Rest geht an Uber.

Trotz der Aufregung in der Branche verstösst das Vorgehen gegen keine Gesetze. Preisüberwacher Stefan Meierhans sagte gestern gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Für zu tiefe Preise bin ich nicht zuständig.» Und auch die Wettbewerbskommission ortete keinen Verstoss: «Wenn ein neues Unternehmen mit tieferen Preisen die alteingesessenen Anbieter herausfordert, dann nennen wir das Wettbewerb», sagte Patrik Ducrey. Einzig das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das über das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb wacht und damit für Dumpingpreise zuständig wäre, konnte auf Anhieb keine konkrete Auskunft geben.

«Der Taxiverband wird zu gegebener Zeit rechtliche Schritte einleiten»

Nun hat sich der Chefjurist der Behörde über den Fall gebeugt. Fazit: «Es wäre fahrlässig, sich auf Anhieb zur Lauter- oder Unlauterkeit dieses komplexen Geschäftsmodells zu äussern», richtet Sprecherin Antje Bärtschi aus. Eine vertiefte Abklärung kommt für das Seco allerdings auch nicht infrage. Dafür sei man nicht zuständig. Grund: «In erster Linie sind die Taxiunternehmen betroffen – und nicht die Öffentlichkeit, deren Interessen das Seco wahrnehmen muss», sagt Bärtschi. Eine allfällige vertiefte Prüfung müsste laut Seco ein von den betroffenen Taxiunternehmen beauftragter Anwalt vornehmen.

Ob der Zürcher Taxiverband das tut, ist allerdings unklar. Er will sich offiziell noch nicht einmal zu Uber äussern. Immerhin teilt Präsidentin Marianne Ben Salah mit: «Der Taxiverband wird zu gegebener Zeit rechtliche Schritte einleiten.»

Erstellt: 03.07.2014, 17:17 Uhr

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