Ohne die Scheichs wird niemand CS-Boss

Wer sich innerhalb der Credit Suisse im Falle eines Schuldeingeständnisses in den USA Chancen auf den Topjob ausrechnen kann.

Kommt es hier bald zu veränderungen? Sitz der Credit Suisse in New York.

Kommt es hier bald zu veränderungen? Sitz der Credit Suisse in New York. Bild: Keystone

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Brady Dougan ist seit sieben Jahren operativer Chef der Schweizer Grossbank Credit Suisse. Der Amerikaner überstand in dieser Zeit mehrere Krisen. Nun steht Dougans CS womöglich vor einem Schuldeingeständnis wegen Steuer­betrugs in den USA. Dies könnte das Ende für den CEO bedeuten.

Eine Ablösung wäre hart für Brady Dougan. Der Amerikaner stammt aus dem Investmentbanking und hatte nichts mit dem Schweizer Bankgeheimnis und dessen Steuertricks zu tun. Doch Dougans Spitzenjob macht ihn für alles Wichtige im Konzern verantwortlich. Zudem hatte Dougan vor dem US-Senatsausschuss Ende Februar seine Glaubwürdigkeit strapaziert, indem er die Schuld für die Steuerfehler einer kleinen Truppe von CS-Angestellten in die Schuhe schieben wollte.

Aus Sicht von Urs Rohner, dem Präsidenten der Bank, wäre ein Entscheid gegen Dougan ein Befreiungsschlag. Dougan wäre kein Bauernopfer, mit ihm müsste ein Schwergewicht gehen. Ein CS-Sprecher wollte sich gestern nicht zu möglichen Managerwechseln äussern.

Nur interne Kandidaten

Am Freitag hatte Rohner von den Aktionären der Bank das Vertrauen ausgesprochen erhalten. Zudem hat Rohner seinen Verwaltungsrat in den letzten Jahren mit neuen Mitgliedern bestückt. Dass sich nach dem Ausscheiden der Schwergewichte Walter Kielholz und Peter Brabeck jetzt eine Mehrheit gegen den Ex-Wirtschaftsanwalt Rohner stellen und ihn ablösen würde, gilt als wenig wahrscheinlich.

Muss tatsächlich Brady Dougan für das Amerika-Debakel geradestehen: Wer folgt auf ihn? Infrage kommen sollen ausschliesslich interne Kandidaten mit Know-how im Investmentbanking, das weiterhin den Grossteil der Bank ausmache, sagt eine CS-Quelle. Das bedeutet, dass erneut kein Schweizer das Rennen machen würde. Alle Schweizer, die infrage kämen, stammen aus der Vermögensverwaltung. Dort warten drei auf die Chance, ganz nach oben zu gelangen. Christoph Brunner, Leiter des Private Banking Schweiz, werden Ambitionen auf die Stelle des globalen Chefs des Wealth Managements nachgesagt. Barend Fruithof, der seit Jahren das Firmenkundengeschäft führt, ist der Favorit für die Topstelle der zukünftigen CS Schweiz. Thomas Gottstein, der vor kurzem in die Geschäftsleitung des Private Bankings gelangte, wäre ein Investmentbanker. Ihnen allen steht Hans-Ulrich Meister vor, der einst als Hoffnungsträger galt und nach umstrittenen Projekten und dem Auftritt vor der US-Senatskommission etwas ins Abseits ­geriet.

Einflussreiches Katar

Die Favoriten für den Dougan-Job sind die beiden Leiter des Investmentbankings. Der eine ist Eric Varvel (51), ein Amerikaner, der das Aktiengeschäft verantwortet und daneben für die Region Asien zuständig ist. Varvel gehört seit 2008 zur obersten operativen Führung und ist seit über 20 Jahren für die Grossbank tätig. Das besondere Plus von Varvel ist, dass er im Verwaltungsrat der Börse von Katar sitzt. Katars Staatsfonds ist der einflussreichste Aktionär der CS. Ohne Einverständnis der Scheichs wird niemand neuer CS-Konzernchef.

Der zweite Kandidat heisst Gaël de Boissard. Der 47-jährige Franzose arbeitet seit 13 Jahren bei der CS. De Boissard leitet das Zinsgeschäft, das die CS reduzieren möchte, und verantwortet die Region Europa und Mittlerer Osten. Weil er erst vor kurzem in die Konzernleitung aufgestiegen ist, käme eine Berufung aber eher überraschend.

Finanzchef als Alternative

Falls VR-Präsident Urs Rohner keinen angelsächsisch geprägten Investmentbanker mehr auf dem operativen Chefsessel haben möchte, wäre sein Finanzchef eine Alternative. David Mathers stammt aus England und hat zusammen mit Dougan in den letzten Jahren entscheidende Projekte aufgegleist. Unter Mathers Führung läuft ein Milliarden-Kostenprogramm. Die globale Infor­matik wird neu aufgestellt, vieles wird in Billigländer oder an externe Lieferanten ausgelagert. David Mathers stünde für einen reibungslosen Stabwechsel. Doch er gilt auch als Dougans engster Vertrauter.

Es bleiben die Chefs der Vermögensverwaltung in den USA, Philip Vasan, in Asien, das vom Italiener Francesco de Ferrari geführt wird, sowie Robert Shafir, der mit Meister die globale Bereichsleitung innehat. Beide wären eine grosse Überraschung als Dougan-Ersatz. Shafir ist wie Meister durch den Senatsauftritt belastet. Zudem ist er mit 56 sogar ein Jahr älter als Dougan.

Erstellt: 13.05.2014, 06:46 Uhr

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