Optimismus nach Gezerre um Bankgeheimnis

Nicht jede Schweizer Bank bewertet den Steuerstreit mit Deutschland gleich. Nach dem Nein zur Abgeltungssteuer sehen 49 Prozent der Institute die Lage positiv – allen voran Privat - und Kantonalbanken.

55 Prozent der Kantonalbanken denken, dass sie am Schluss von den Umwälzungen profitieren: Ein Velofahrer fährt an einer Filiale der Basler Kantonalbank vorbei.

55 Prozent der Kantonalbanken denken, dass sie am Schluss von den Umwälzungen profitieren: Ein Velofahrer fährt an einer Filiale der Basler Kantonalbank vorbei. Bild: Keystone

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Das Gezerre um das Schweizer Bankgeheimnis wird sich laut 49 Prozent der Banken, die an einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young teilgenommen haben, eher oder sehr positiv auf den Finanzplatz auswirken. 51 Prozent bewerten die Lage demzufolge eher oder sehr negativ.

Ernst & Young hat 120 Privatbanken, Kantonalbanken, regional tätige Gruppen und Schweizer Töchter ausländischer Konzerne befragt. Die Grossbanken kommen in der Studie Bankenbarometer, die am Donnerstag in Zürich präsentiert wurde, nicht vor.

Am pessimistischsten sind die Auslandsbanken, wo über ein Drittel davon ausgeht, dass der Steuerkonflikt für sie mehr Schlechtes als Gutes bereithält. Am wenigsten beeindruckt sind Privatbanken und Kantonalbanken, wo je 55 Prozent glauben, dass sie am Ende von den Umwälzungen profitieren werden.

Keine Bange wegen Deutschland

Die Idee der Abgeltungsteuer kam von den Banken selbst. 2010 zeigten die Branchenanalysen von Ernst & Young noch eine Euphorie unter den Banken. 2011 stelle sich die Ernüchterung ein, für 2012 zeigen nun die Zahlen, dass die Branche keine einheitliche Erwartung der Zukunft hat.

«Man sieht, was aus der Abkommensidee geworden ist», sagte Bankenspezialist Iqbal Khan von Ernst & Young. Den Banken nach der Ablehnung des Besteuerungsmodells in Deutschland Zweckoptimismus vorzuwerfen, hält Khan aber für verfehlt. Die Banken würden seiner Kenntnis nach auch nicht in Richtung automatischer Informationsaustausch als wünschenswerte Lösung umschwenken.

Keinen bedeutenden Abfluss

Das Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland nimmt die Branche relativ gelassen: Fast drei Viertel der Befragten beurteilen die deutsche Ablehnung Ende des vergangenen Jahres als positiv oder eher positiv. Ernst & Young führt dieses Ergebnis darauf zurück, dass die Umsetzungskosten für die Banken wegfallen und - allein durch die Besteuerung - weniger Gelder abfliessen.

Die Abgeltungsabkommen, die seit Anfang Monat mit Grossbritannien und Österreich gelten, löst bei den Banken wenig Furcht vor dem Verlust verwalteter Vermögen aus. Drei Viertel erwarten keinen «bedeutenden» Abfluss. Nach wie vor kompensieren viele Banken abfliessendes Geld unter dem Strich, indem sie Gelder aus Schwellenländern anziehen.

Positive Grundstimmung

Eine Mehrheit der Banken geht indessen von einer unveränderten oder eher positiven Entwicklung der weltweiten Finanzmärkte aus. Nur ein Viertel der Befragten erwartet eine Verschlechterung - weniger als halb so viel wie noch vor einem Jahr.

Unter Druck sehen die Banken die Vermögensverwaltung: 60 Prozent der Befragten beurteilen das Private Banking als den Geschäftsbereich mit den grössten Herausforderungen und dem stärksten Wettbewerbsdruck. Die Erwartung, dass vor allem kleinere Institute bald von grösseren geschluckt werden, ist etwas zurückgegangen. (sda)

Erstellt: 10.01.2013, 22:40 Uhr

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