Hintergrund

Orascom-VR sitzt in der Falle

Der dramatische Kurszerfall der Orascom-Aktien wird zu einem Problem für die Verwaltungsräte. Denn sie werden zur Hälfte mit Aktien entschädigt.

Hat einen Buchverlust von bisher 2,6 Milliarden Franken hinnehmen müssen: Mehrheitsaktionär und VR-Präsident Samih Sawiris.

Hat einen Buchverlust von bisher 2,6 Milliarden Franken hinnehmen müssen: Mehrheitsaktionär und VR-Präsident Samih Sawiris. Bild: Reuters

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Die Misserfolgsgeschichte wurde bereits vielfach dokumentiert. Am 14. Mai 2008 ging die Orascom Development Holding AG an die Börse. Der Emissionspreis betrug 152 Franken pro Aktie. In der ersten Woche stieg der Kurs auf 161.25 Franken – seitdem fallen und fallen die Titel. Als Hauptgrund dafür gelten die politischen Unruhen in Ägypten. Der bisherige Tiefstand wurde letzten Freitag mit 7.30 Franken erreicht. Auslöser war der Entscheid der Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Orascom-Aktie aus ihrem Anlageuniversum zu kippen. Zwar besitzt Orascom als Hauptaktivum unbebautes Land in Ägypten, «ohne dieses Land würde der Wert der Aktie auf null sinken», so die ZKB.

«Das Geschäftsmodell von Orascom ist keines für Publikumsaktionäre», kommentierte darauf die «Finanz und Wirtschaft». Ein denkbar schlechtes Geschäft war der Börsengang auch für die Verwaltungsräte der Orascom. Wie aus den Geschäftsberichten zu entnehmen ist, beträgt die Entschädigung für Mitglieder des Verwaltungsrats 160'000 Franken und für den Präsidenten 185'000 Franken jährlich. Die Hälfte davon erfolgt in Form von Aktien.

Der einzige Trost

Zwar hat Mehrheitsaktionär und VR-Präsident Samih Sawiris mit knapp 18 Millionen Orascom-Aktien einen enormen Buchverlust von bisher 2,6 Milliarden Franken hinnehmen müssen. Aber das bedeutet für das Mitglied der reichsten ägyptischen Familie in erster Linie eine Prestigeeinbusse. Denn Sawiris denkt als Investor sehr langfristig.

Wesentlich schmerzhafter ist der Kurszerfall für die übrigen Verwaltungsräte. Der PR-Berater Franz Egle gilt als rechte Hand von Sawiris in der Schweiz. Er war bis 1998 Informationschef des Aussendepartements und Berater von Bundesrat Flavio Cotti. Der Partner bei der Zürcher PR-Firma Dynamics Group sitzt seit Anfang 2008 im Orascom-Verwaltungsrat. Franz Egle hielt Ende 2012 16'776 Aktien. Damit hat sein Paket aktuell bei einem Kurs von 7.75 Franken 130'000 Franken Wert. Beim Anfangskurs von 152 Franken wären es theoretisch 2,5 Millionen Franken. Einziger Trost: Seine Firma erhielt bis 2011 jährlich eine halbe Million Franken von Orascom für Kommunikationsaufgaben.

Aktienwert schrumpft

Ebenfalls im Verwaltungsrat ist seit 2008 Carolina Müller-Möhl. Die frühere Nestlé- und heutige NZZ-Verwaltungsrätin besitzt 10'276 Aktien. Ihre Titel wären beim Börsengang fast 1,5 Millionen Franken mehr wert gewesen. Von 2008 bis vergangenen Juli war auch Luciano Gabriel Mitglied des siebenköpfigen Verwaltungsrates. Der CEO der PSP Swiss Property Group, einer der grössten Immobiliengesellschaften der Schweiz, hat 9656 Aktien. Sie sind heute knapp 70'000 Franken wert, 2008 wären es 1,467 Millionen Franken gewesen. Etwa im gleichen Rahmen bewegt sich das Aktienpaket von Jean-Gabriel Pérès, CEO von Mövenpick Hotels & Resorts.

2011 trat der britisch-amerikanische Doppelbürger und Direktor von Montpellier Asset Management, Nicholas Cournoyer, dem Orascom-Verwaltungsrat bei. Als Investor hat er gleich 605'000 Aktien gekauft. Der Wert seines Aktienpakts ist mittlerweile von 21 auf 4,7 Millionen Franken geschrumpft.

Orascom-Sprecher Till Leisner sagte auf Anfrage, dass «solche Entschädigungsmodelle auch von anderen Unternehmen eingesetzt werden und deshalb zeitgemäss sind». Urs Klingler, Entlöhnungsexperte und Gründer der gleichnamigen Zürcher Beratungsfirma, beurteilt jedoch Aktien als Entschädigung kritisch: «Der Einfluss des Verwaltungsrats auf den Aktienkurs ist sehr begrenzt.» Bei stark steigenden Kursen würden die Mitglieder ungerechtfertigt profitieren und umgekehrt – wie im Fall Orascom – «in der Falle sitzen». Hoch rechnet Klinger den Orascom-Verwaltungsräten an, dass sie bis heute keine Aktien verkauft hätten. «Das hätte natürlich eine negative Signalwirkung auf die Analysten gehabt», so Klingler. Tausende Orascom-Aktien haben hingegen in den vergangenen Monaten die ZKB, die UBS und die LB Swiss Investment abgestossen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2013, 07:39 Uhr

Die Aktien des Orascom-Verwaltungsrats verlieren an Wert. (Zum Vergrössern der Grafik auf das Bild klicken)

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