Outsourcen, offshoren, schönreden

Die Kosten der Schweizer Banken müssen um 25 bis 30 Prozent runter, Tausende Stellen verschwinden. Wie steht es um die Credit Suisse, die nächste Woche ihren Quartalsbericht vorstellt?

Muss weiter sparen und Stellen streichen: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan. (Juli 2011)

Muss weiter sparen und Stellen streichen: Credit-Suisse-Chef Brady Dougan. (Juli 2011) Bild: Reuters

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Bis zu 10'000 Stellen weltweit bei der UBS, 1000 Stellen bei Julius Bär. Wenn kommende Woche die Credit Suisse ihren Quartalsbericht vorstellt, sind alle gespannt, wie viele CS-Banker nach den harten Sparanstrengungen noch übrig sind. Und ob CEO Brady Dougan halbwegs konkrete Angaben macht, wie viele Credit-Suisse-Angestellte bis Ende 2013 ihren Schreibtisch räumen müssen.

Unter Experten ist unbestritten, dass die Schweizer Banken ihre Kosten weiter massiv senken müssen. Laut dem Beratungsunternehmen McKinsey um 25 bis 30 Prozent. Von der gleichen Grössenordnung gehen auch andere Unternehmensberatungsfirmen aus. Im Hinblick auf den bevorstehenden Arbeitsplatzabbau in der Schweizer Bankenwelt sprach Ex-UBS-Chef Oswald Grübel im «Tages-Anzeiger» von bis zu 20'000 Banker-Stellen. Andere Experten geben sich optimistischer. Allerdings nur geringfügig.

Der Abzug unversteuerter Kundenvermögen, der massive Einbruch bei den Kommissionen, sinkende Zinsmargen und vieles mehr haben dafür gesorgt, dass die einst üppigen Margen der Schweizer Banken dahingeschmolzen sind. «Der Kostendruck ist enorm», sagt Bankenexperte Thomas Romer von PricewaterhouseCoopers. Da die Personalkosten den Hauptanteil der Aufwendungen ausmachen, sei klar, dass die Banken weiter Personal abbauen, sagt Romer. Die Zauberworte heissen Outsourcing und Offshoring – logischerweise in Länder mit erheblich geringeren Lohnkosten.

Neue Stellen in Schottland

Die diesbezüglichen Ideen gehen mittlerweile über die Verlagerung von IT-Dienstleistungen nach Indien weit hinaus. IT, Controlling und «verarbeitende Funktionen» können auch nach Osteuropa oder Edinburgh verlagert werden. Die CS hat bereits HR-Funktionen nach Krakau ausgelagert.

Andere Banken haben die Entwicklung und Pflege ihrer Software längst an externe Dienstleister ausgelagert. Vontobel und Raiffeisen nutzen wie viele andere Banken die Software von Avaloq. Die auf Bankensoftware spezialisierte Schweizer Firma will in Edinburgh 500 neue IT-Jobs schaffen, während sie in Zürich und Zug 120 Stellen gestrichen hat. Eine andere Möglichkeit, Kosten zu sparen, sieht PWC-Experte Romer in der Auslagerung von Backoffice und Buchhaltungsfunktionen und der Datenverwaltung.

Personalabbau bei CS bisher moderat

Die Credit Suisse hat bereits im Juli angekündigt, bis Ende 2013 eine weitere Milliarde Franken einsparen zu wollen. Bei Gesamtbetriebskosten von insgesamt 22,5 Milliarden im Jahr 2011 ist das nicht wenig. Besonders wenn man bedenkt, dass die Bank ihre Kosten bereits um zwei Milliarden gesenkt hat. Gelingt es der CS, die zusätzliche Milliarde bis Ende 2013 einzusparen, käme das einer Kostensenkung von rund 15 Prozent gleich.

Die CS legt grossen Wert darauf zu betonen, dass dies nicht mit einem Personalabbau von 15 Prozent gleichzusetzen sei. Man sei sehr bemüht, auf andere Weise effizienter zu werden, teilt die Bank mit. Tatsächlich ist es der CS gelungen, die Kosten von 10,3 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2011 auf 9,3 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2012 zu reduzieren. Das entspricht einer Einsparung von zehn Prozent. Abgebaut wurden jedoch nicht 5000 (zehn Prozent von ehemals 50'700 Mitarbeitern), sondern lediglich 2500 Stellen.

Gelingt es der CS, die laufenden Kosten bis Ende 2013 tatsächlich um eine weitere Milliarde zu senken, hat sie damit bereits 15 Prozent ihrer Kosten eingespart. Will die Grossbank jedoch die von Experten empfohlene Reduktion der Kosten um 30 Prozent erreichen, wird sie weiter kräftig sparen müssen. Auch wenn sie das sehr geschickt anstellt und rhetorisch in Watte packt, wird sie um einen spürbaren Stellenabbau nicht herumkommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.10.2012, 12:22 Uhr

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