Paris ermittelt wieder gegen Genfer Bank

Reyl & Cie stand im Zentrum der Schwarzgeld-Affäre um den französischen Politiker Cahuzac. Nun ermittelt die Pariser Justiz wegen weiterer Steuerbetrugsfälle gegen die Bank.

Soll nicht deklarierte Konten verwaltet haben: Hauptsitz der Bank Reyl & Cie in Genf. (Archivbild)

Soll nicht deklarierte Konten verwaltet haben: Hauptsitz der Bank Reyl & Cie in Genf. (Archivbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen über die Aktivitäten der Genfer Bank Reyl & Cie eingeleitet. Ihr wird vorgeworfen, nicht deklarierte Konten französischer Politiker zu verwalten und so Steuerbetrugsfälle vertuscht zu haben. Die Bank bestreitet die Vorwürfe.

Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt und wurden am 31. Mai eröffnet. Sie beziehen sich auf den Verdacht der «Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung», wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete. Sie beruft sich auf die französische Justiz, die eine entsprechende Meldung der Zeitung «Le Monde» bestätige.

Reyl & Cie dementiert

Die aufgenommenen Ermittlungen sind Folge der Aussagen von Pierre Condamin-Gerbier, ein Ex-Kadermitglied von Reyl. Er verfügt nach eigenen Angaben über eine Liste mit den Namen von rund 15 französischen Ministern und Ex-Ministern vom linken und vom rechten Lager, die in der Schweiz ein Konto haben sollen.

Die Bank Reyl & Cie dementierte die Vorwürfe. In einer Medienmitteilung schrieb die Bank am Freitag, dass «nach zahlreichen, von den Medien vermittelten Vermischungen und Behauptungen», die auf Falschaussagen beruhen würden, die Reyl Gruppe erneut bekräftige, dass sie keine Konten französischer Politiker führe.

«Es gibt noch andere Cahuzacs»

Das Institut stand bereits im Zentrum der Schwarzgeld-Affäre um den ehemaligen Budgetminister Frankreichs, Jérôme Cahuzac. Cahuzac hatte den Besitz eines geheimen Auslandskontos eingeräumt, nachdem er darüber zuvor monatelang die Öffentlichkeit belogen hatte. Die Affäre hatte ihn schliesslich zum Rücktritt von seinem Ministerposten gezwungen.

Am Donnerstag hatte Condamin-Gerbier gegenüber einer französischen Parlamentskommission ausgesagt, Cahuzac sei nur ein «Bauernopfer», es gebe «andere Cahuzacs». Condamin-Gerbier wird nach eigenen Angaben mit dem Tode bedroht. Er habe deshalb Anzeige erstattet.

Condamin-Gerbier war in der Schweiz der Chef der dortigen Sektion der konservativen französischen Partei UMP, insbesondere während des Wahlkampfs für die Präsidentschaftswahl 2007, die damals Nicolas Sarkozy gewann. 2009 gab er seinen Posten ab. (fko/sda)

Erstellt: 14.06.2013, 19:33 Uhr

Spanischer Ex-Schatzmeister mit Konto in der Schweiz

In der Korruptionsaffäre der spanischen Regierungspartei PP hat die Justiz ein weiteres millionenschweres Konto in der Schweiz entdeckt. Das Konto war im Jahr 2007 mit gut 25 Millionen Euro (30,7 Millionen Franken) gefüllt und gehörte dem früheren PP-Schatzmeister Luis Bárcenas.

Die Informationen seien durch ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz ans Licht gekommen, teilte der zuständige Ermittlungsrichter am Freitag mit. Schon vor Monaten war bekannt geworden, dass Bárcenas ein Konto mit 22 Millionen Euro in der Schweiz geführt hatte.

In einer Vernehmung am 25. Februar gab er laut spanischen Medienberichten an, insgesamt bis zu 38 Millionen Euro auf Konten in der Schweiz untergebracht zu haben.

Das neue Konto wurden den Angaben zufolge ab Oktober 2009 nicht mehr benutzt. Es wurde bei den Ermittlungen zur sogenannten Gürtel-Affäre entdeckt, einem Schmiergeldskandal um die konservative PP von Ministerpräsident Mariano Rajoy, zu dem seit 2009 ermittelt wird.

Bárcenas ist zugleich auch die Schlüsselfigur in einer weiteren Affäre, bei der seit Ende Januar wegen möglicher schwarzer Kassen der Partei ein Ermittlungsverfahren wird. Die spanische Justiz vermutet einen Zusammenhang zwischen beiden Skandalen und entschied daher Ende März, beide Verfahren dem gleichen Ermittlungsrichter zu übergeben. (sda)

Artikel zum Thema

Ein Banker droht der Pariser Elite

Hintergrund Pierre Condamin-Gerbier, französischer Vermögensverwalter in Genf, gilt als Hauptquelle von Frankreichs Steuerfahndern. Nun kündigt er an, Namen prominenter Steuerhinterzieher zu publizieren. Mehr...

Aktivisten besetzten Genfer Bank in Paris

Die Bank Reyl & Cie, die das geheime Konto des Ex-Ministers Cahuzac verwaltete, bekommt die Wut der Franzosen zu spüren: Demonstranten haben die Pariser Filiale gestürmt – zwölf Personen wurden verhaftet. Mehr...

Cahuzac gibt auf

Der zurückgetretene Budgetminister kehrt nicht ins französische Parlament zurück. Bei den Sozialisten wächst derweil die Kritik: Der Nationalversammlungspräsident beklagt eine «Paparazzi-Demokratie». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Welttheater Splitter

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Auch ein Rücken kann entzücken: Ein Elefant zeigt sich im Joburg Zoo in Johannesburg nicht gerade von der besten Seite (18. August 2017).
(Bild: Kim Ludbrook) Mehr...