Pensionskassen schätzten Risiken nicht richtig ein

Martin Senn, Chef der Zurich-Gruppe, fürchtet, dass einige Pensionskassen Verluste erleiden, weil sie keine Währungsabsicherung vorgenommen haben.

«Für Pensionskassen, die ihre Währungsrisiken nicht abgesichert hatten, war der SNB-Entscheid eine böse Überraschung»: Martin Senn, Chef der Zurich-Gruppe. Foto: Keystone

«Für Pensionskassen, die ihre Währungsrisiken nicht abgesichert hatten, war der SNB-Entscheid eine böse Überraschung»: Martin Senn, Chef der Zurich-Gruppe. Foto: Keystone

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Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank dürfte einige Pensionskassen auf dem falschen Fuss erwischt haben. Das sagt der Chef des Versicherungskonzerns ­Zurich, Martin Senn. «Für Pensionskassen, die ihre Währungsrisiken nicht abgesichert hatten, war der SNB-Entscheid eine böse Überraschung», meinte er an einem Medienanlass am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Sein eigener Konzern hingegen sei nur am Rand betroffen. Zurich habe sich gegen schwankende Devisenkurse abgesichert. Das entspreche einem professionellen Risikomanagement für Versicherer und sei in der Branche üblich. Auf die Absicherung zu verzichten, sei nach der Einführung des Mindestkurses gar nie zur Debatte gestanden.

Dieses Praxis steht im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Firmen, die sich allein auf den Mindestkurs verlassen haben.

Die Aktionäre müssen deshalb auch nicht um ihre Dividende bangen. «Der SNB-Entscheid hat keinen Einfluss auf unsere Fähigkeiten, eine attraktive Dividende zu zahlen», sagte Senn. Der Grossteil der Zurich-Investoren stamme aus dem Ausland. Diese könnten sich dank des Kursgewinns sogar über eine indirekte Dividendenerhöhung freuen.

Anders sieht es bei der Altersvorsorge aus. Pensionskassen investieren einen Teil der Gelder in ausländische Wertschriften. Die haben seit letzter Woche wegen des schwächeren Euros stark an Wert verloren. Dazu kommen Einbussen an der Schweizer Börse. Laut Schätzungen des Beratungsunternehmen Towers Watson haben die Schweizer Pensionskassen über 30 Milliarden Franken verloren. Im Schnitt büssten die Schweizer Pensionskassen laut Towers Watson rund 4 Prozent ihres Vermögens ein. Der durchschnittliche Deckungsgrad dürfte ebenfalls um rund 4 Prozent zurückgegangen sein.

Mit Blick auf die demografische Entwicklung müssten laut Zurich-Chef Senn die Diskussionen über das Pen­sionsalter eigentlich neu aufgerollt werden. «Wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir mit 65 oder 66 in Pension gehen. Richtiger wäre es, über ein Rentenalter von 70 oder älter zu sprechen.» Politisch sei das aber fast nicht durchzusetzen. Wenn man den Tatsachen ins Auge schaue, sei eine Anpassung jedoch unumgänglich. Ein heute geborenes Baby habe eine Lebenserwartung von über 90 Jahren. Seine Kinder würden im Schnitt über 100 Jahre alt.

Einen Stellenabbau in der Schweiz wegen des erstarkten Frankens plant ­Zurich nicht. Der Konzern habe seine Hausaufgaben gemacht. Im Zug eines Restrukturierungsprogramms hat der Versicherer weltweit 670 Stellen abgebaut, 300 Kündigungen wurden ausgesprochen. An den Wirtschaftsstandort Schweiz glaubt Senn weiterhin, allerdings mit Abstrichen. «Die Schweiz ist weltweit das wettbewerbsfähigste Land. Die Tendenz ist aber abnehmend.» Es brauche Massnahmen der Politik, um die Attraktivität für globale Konzerne zu erhalten. Senn fordert den garantierten Zugang zum europäischen Wirtschaftsraum, eine zügige Umsetzung der Unternehmenssteuerreform und insgesamt weniger administrative Hürden.

Erstellt: 23.01.2015, 21:45 Uhr

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