Platin stiehlt dem Gold den Glanz

Der Goldpreis erklimmt neue Höhen und wird für Händler und Investoren allmählich teuer. Platin erweist sich als vergleichsweise günstig.

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Gold setzt zu einem neuen Höhenflug an. Nach einem Rekordwert jenseits der 1900 US-Dollar je Feinunze Anfang September 2011 ist der Goldpreis bis Dezember um fast 20 Prozent auf 1549 Dollar abgesackt. Jetzt steht aber er wieder bei 1785 Dollar – das ist ein Plus von 15 Prozent, Tendenz steigend.

Der Grund für diese Achterbahnfahrt: «Im vierten Quartal 2011 kam der Goldpreis wegen Liquiditätsengpässen bei den Investoren stark unter Druck», sagt Edelmetallspezialistin Susanne Toren von der ZKB. Gemäss Statistiken der US-Aufsichtsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) wurde der Preisrückgang beim Gold im vierten Quartal des Vorjahres massgeblich von verlustreichen Termingeschäften getrie­ben. Diese Verluste haben zu Liquiditsengpässen geführt, insbesondere bei den Geschäftsbanken. Um die Liquidität sicherzustellen, haben viele von ihnen Goldanlagen veräussert.

Fundament für Preisrekorde

In diesem Jahr bleibt das Umfeld für weitere Goldengagements gut. «Die Eurokrise ist noch nicht gelöst und die aufstrebenden Märkte Asiens kaufen Gold mehr denn je», sagt Toren. Vor allem aus China sei in Zukunft mit einer noch stärkeren Nachfrage zu rechnen. Bereits jetzt ist das Land der grösste Goldabnehmer. Der Goldanteil an den Reserven der Chinesischen Zentralbank liegt bei rund zwei Prozent. Das erklärte Ziel sind zehn Prozent. Zudem haben die Notenbanken der asiatischen Wachstumsmärkte ihre Goldzukäufe im Jahresabstand auf 500 Tonnen vervierfacht. «Das Fundament für einen historisch hohen Goldpreis ist gut», resümiert Toren.

Doch diese Entwicklung hat auch Schattenseiten. Juweliere und Konsumenten können sich Gold zunehmend nicht mehr leisten. Vor allem indische und chinesische Paare, die sich eine Goldkette oder einen Ehering leisten wollen, weichen auf das günstigere Platin aus. Der Preis für Platin hat sich in den vergangenen Monaten ähnlich entwickelt wie jener für Gold, derzeit notiert das Edelmetall aber bei nur 1728 US-Dollar. Platin hat nie diese extreme Entwicklung der Höhen und Tiefen wie das Gold mitgemacht.

Platin als Alternative zu Gold

Im August 2011 wurde Gold zum ersten Mal seit 2008 teurer als Platin. Die Goldnachfrage der Schmuckhändler ist in der Folge weltweit um drei Prozent zurückgegangen, vermeldet der World Gold Council. Platin hingegen hat sich aufgrund der moderateren Preisentwicklung zu einer geeigneten Ausweichmöglichkeit entwickelt. Die Nachfrage nach diesem Edelmetall ist um 1,8 Prozent gestiegen, heisst es vom global tätigen Platinhändler Johnson Matthey.

Die steigende Nachfrage nach Platin kommt aber nicht nur von den Konsumenten, sondern auch aus der Industrie. Absolut gesehen sind die Automobilhersteller die weltweit grössten Platinkäufer – das Edelmetall wird zur Austattung von Katalysatoren gebraucht. Fast 60 Prozent der Platinnachfrage kommt aus dieser Branche. Und die Automobilhersteller vermelden nach wie vor steigende Absatzzahlen, die Nachfrage nach Platin bleibt also hoch.

Doch: Auch wenn Platin im Schnitt billiger als Gold ist, bleibt Letzteres aus Anlegersicht weiterhin der Renner. «In Krisenzeiten ist vor allem der Klassiker Gold gefragt und weniger Platin», meint ZKB-Analystin Toren. Denn auch auf dem Preis für Platin lastet ein potenzieller Aufwärtsdruck. Zuletzt kam es im südlichen Afrika, das 80 Prozent der weltweiten Platinbestände fördert, zu Produktionsausfällen. «Das stellt einen gewissen Unsicherheitsfaktor dar.»

Erstellt: 29.02.2012, 13:23 Uhr

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