Postfinance trickst weiter – jetzt sind die Neukunden dran

Auch neue Onlinekunden von Postfinance werden per Brief verhindern können, dass ihre Transaktionen analysiert werden. Doch speziell darauf hingewiesen werden sie nicht.

Will die Zahlungen der Kunden analysieren, um ihnen personalisierte Rabattangebote unterbreiten zu können: Postfinance. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Will die Zahlungen der Kunden analysieren, um ihnen personalisierte Rabattangebote unterbreiten zu können: Postfinance. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Die Pläne von Postfinance, mit Kundendaten Geld zu machen, haben in den letzten Wochen hohe Wellen geworfen. Dieses Wochenende ist es nun so weit: Die neue Onlinebanking-Plattform, die am Anfang der Debatte stand, geht in Betrieb. Ab heute Abend 17 Uhr bis Sonntag 19 Uhr bleibt das E-Banking wegen Umbaus geschlossen.

Wenn das neue Portal aufgeschaltet wird, soll den bestehenden Kunden die Möglichkeit geboten werden, die neuen Geschäftsbedingungen «wahlweise mit oder ohne Analyse ihrer Personendaten zu akzeptieren», wie es heisst. Ein Zugeständnis, das Postfinance erst auf Druck des Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür gemacht hat. Und eines, das jene Kunden nicht erfasst, die den neuen Bestimmungen bereits zugestimmt haben. Sie können die Datenanalyse nur verhindern, wenn sie dies Postfinance per Brief, E-Mail oder Nachricht im E-Banking-System ausdrücklich mitteilen.

Dieses Vorgehen stösst auf Kritik. Mehrere Betroffene, die sich aufgrund der Berichterstattung auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet meldeten, würden es begrüssen, wenn Postfinance die Geschäftsbedingungen gleich allen Kunden nochmals zur Zustimmung unterbreitete. Es scheint, dass sich viele Kunden nicht im Klaren waren, was genau sie mit den neuen Geschäftsbedingungen akzeptieren.

Die Brisanz unterschätzt

Postfinance will die Zahlungen der Kunden analysieren, um ihnen personalisierte Rabattangebote unterbreiten zu können. Etwa für ein Fitnessabo, wenn sich der Kunde aufgrund seiner Zahlungsbewegungen als Sportinteressierter herausstellt. Postfinance betonte stets, dass die Kunden dabei anonym blieben. Die Verantwortlichen haben dabei aber offensichtlich die Brisanz des Vorgehens unterschätzt, wie das Unternehmen nun einräumen musste: «Die Reaktionen der Kundinnen und Kunden in den vergangenen Wochen zeigen, dass in Bezug auf die Analyse von Personendaten zu Marketingzwecken und das Unterbreiten von Angeboten von Dritten ein gewisses Unbehagen besteht.»

Bei bestehenden Kunden ändert Postfinance das Vorgehen. Doch was ist mit Neukunden? «Kundinnen und Kunden, die sich nach dem 12. Oktober neu für E-Finance anmelden, müssen die neuen Teilnahmebedingungen inklusive der damit verbundenen Analyse ihrer Personendaten zu Marketingzwecken für die Unterbreitung von Angeboten von Dritten akzeptieren», schreibt Postfinance. Nur wer danach die Datenanalyse schriftlich ablehnt, kann dem entgehen.

Datenschützer argwöhnt

Mit diesem Prozedere zieht Postfinance abermals den Argwohn des Datenschützers Hanspeter Thür auf sich: «Für den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten liegt es auf der Hand, dass Postfinance die neue Regelung auch auf künftige Kunden anwendet und ihnen dieselben Möglichkeiten zum Widerspruch gegen die Analyse ihrer Daten gewährt», teilt dessen Sprecher Francis Meier mit. Im Klartext heisst das: Auch Neukunden müssen bei der Zustimmung zu den Geschäftsbedingungen die Wahl haben, ob sie die Datenanalyse gestatten oder eben nicht.

Stand Freitagabend war ein solches Entgegenkommen bei Postfinance kein Thema. Genauso wenig wie eine klare Anleitung in den Geschäftsbedingungen, wie die Kunden die Datenauswertung verhindern können. Dort steht lediglich, dass eine Abmeldung innerhalb von E-Finance möglich sei. Tatsächlich wird diese Möglichkeit aber erst ab nächstem April eingerichtet, wie Postfinance-Sprecher Johannes Möri einräumt: «Ab April, wenn die Angebote von Dritten voraussichtlich aufgeschaltet werden, wird auch eine Abmeldung in der entsprechenden Kachel innerhalb von E-Finance möglich sein.»

Ein zusätzlicher Hinweis, dass man sich per E-Mail, Brief oder per geschützter Nachricht im E-Finance von der Datenauswertung abmelden könne, «ist derzeit nicht vorgesehen».

Erstellt: 10.10.2014, 22:54 Uhr

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