«Preis kann auf bis zu 50'000 Dollar steigen»

Der Kurs von Bitcoin geht derzeit durch die Decke. Die wichtigsten Antworten zur Rekordjagd der Kryptowährung.

Hype um die digitalen Münzen: Bitcoin.

Hype um die digitalen Münzen: Bitcoin. Bild: Dado Ruvic/Reuters

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Wieso steigt der Wert von Bitcoin derzeit stark an?
Am Dienstag knackte die digitale Währung Bitcoin zum ersten Mal die 10'000-Dollar-Marke. Heute steuerte sie auf 11'000 Dollar zu. An der führenden Kryptobörse Bitstamp lag der Preis für ein Bitcoin gegen 11.30 Uhr bei 10'733 US-Dollar. Angetrieben wird der Kurs von Spekulationen, dass die US-Börse CME noch dieses Jahr einen Future auf Bitcoin auflegt. Mit einem solchen Finanzprodukt hätten Investoren leichteren Zugang zu der virtuellen Währung und könnten auf steigende oder fallende Kurse wetten. Erteilt die US-Aufsichtsbehörde ihren Segen, könnte der Handel mit Bitcoin erstmals über den zentralen Abwicklungsmechanismus einer Börse laufen. Einige Experten rechnen in diesem Fall mit einem weiteren Höhenflug: «Der Preis kann auch noch bis auf 50'000 Dollar steigen, bevor es zu einer ernsthaften Korrektur kommt», sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi Trader laut Reuters.

Was ist ein Bitcoin?
Bitcoin steht für «digitale Münze»: Die Währung untersteht keiner Zentralbank, sondern wird von allen Nutzern kontrolliert. Den Wechselkurs bestimmen Angebot und Nachfrage. Neue Bitcoin werden durch sogenanntes «Mining» erzeugt. Dabei berechnen Computer mathematische Alghorithmen und verdienen dadurch Bitcoin. Je mehr Bitcoins im Umlauf sind, desto aufwendiger wird der Prozess des Schürfens. Mittlerweile sind nur noch Hochleistungsrechner dazu in der Lage. Die maximale Menge von Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück begrenzt. Dies soll einen gewissen Schutz gegen Inflation bieten, weil sie nicht unbegrenzt vermehrt werden können. Die Bitcoins werden an verschiedenen Onlinebörsen gehandelt, an denen sich die Kurse oft stark unterscheiden. Investoren können über Smartphone-Apps ein Depot eröffnen, Bitcoin kaufen und damit im Internet bezahlen.

Ist Bitcoin eine anerkannte Währung?
Bitcoin sind kein gesetzliches Zahlungsmittel, einzig Japan hat die Cyberwährung als solches anerkannt. Firmen und Organisationen können selbst entscheiden, ob sie die Währung akzeptieren. In der Schweiz sind das bislang sehr wenige. Grundsätzlich rückt die Währung in der Schweiz aber langsam ins Scheinwerferlicht: Im August besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann das sogenannte Crypto-Valley in Zug und traf sich mit Vertretern der Blockchain-Szene. Blockchains sind dezentralisierte Datenbanken, auf denen virtuelles Geld wie Bitcoins verwaltet werden kann. Im Januar nimmt Schneider-Ammann ausserdem an der ersten Crypto-Finance-Konferenz in St. Moritz als Redner teil.

Wer steckt hinter der Kryptowährung?
Bitcoin wurde 2008 von einer Person oder Personengruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt. Wer dahintersteckt, ist immer noch nicht klar. 2016 gab sich der Australier Craig Wright als Erfinder aus. Dies wurde allerdings nie bestätigt. Zuletzt gab es Spekulationen, dass Tesla-Gründer Elon Musk hinter der Internetwährung stecken könnte. Das behauptete zumindest ein Ex-Praktikant von Musks Firma SpaceX. Musk wies dies zurück: Ein Freund habe ihm zwar vor ein paar Jahren Bitcoins geschickt, aber «ich weiss nicht, wo sie sind», schreibt er auf Twitter.

Was sind die Risiken bei Bitcoin?
Zahlreiche Banker warnen derzeit vor einer Blase und stark schwankenden Kursen. Jack Bogle, Star-Investor und Gründer der Investmentgesellschaft Vanguard, etwa riet bei einer Veranstaltung in New York: «Meidet Bitcoin wie die Pest.» Bitcoin werfe keine Rendite ab wie Bonds oder Aktien. «Es gibt nichts, was für Bitcoin spricht, ausser die Hoffnung, dass man sie an jemanden verkaufen kann, der mehr dafür zahlt, als Sie dafür gezahlt haben.» Der Chef der US-Grossbank JP Morgan Chase bezeichnete Bitcoin als «Betrug». Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank Vitor Constancio sagte im September, Bitcoins seien keine Währung, sondern eine «Tulpe»: «Es ist ein Instrument für Spekulationen.» Er spielt damit auf die Spekulationsblase des 17. Jahrhunderts an, als niederländische Bürger wie im Wahn Tulpenzwiebeln kauften und mit ihnen spekulierten. Viele Menschen wurden sehr reich – dann kollabierte der Markt.

Sollte der Crash kommen, kann man darauf wetten?
Tatsächlich ist das seit kurzem möglich: Die Bank Vontobel hat nach eigenen Angaben die weltweit erste Short Mini-Future auf Bitcoin an die Börse gebracht. Damit könnten Anleger auf sinkende Kurse der Kryptowährung spekulieren. Neben Vontobel hat auch der Derivateanbieter Leonteq ein solches Zertifikat herausgebracht. Solche Produkte seien allerdings mit hohen Verlustrisiken verbunden und nur für sehr versierte Anleger geeignet, schreibt die Handelszeitung. Auch die Onlinebank Swissquote bietet mittlerweile Finanzprodukte im Bitcoin-Bereich an.

Was sagt die Schweizerische Nationalbank zur Konkurrenzwährung?
Zentralbanken würden die Entwicklung sehr intensiv beobachten, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan letzte Woche bei einem Event in Basel. Für ihn seien Bitcoin und andere Digitalwährungen aber eher ein Investment als eine Währung. Kryptowährungen könnten Jordan zufolge grosse Folgen für das Finanzsystem haben. Die Zentralbanken müssten das Thema deshalb genau im Auge behalten, zitiert ihn Reuters.

Was sind die Alternativen zu Bitcoin?
Mittlerweile gibt es mehr als 1300 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 303 Milliarden Dollar. Nach Bitcoin ist vor allem Ethereum bekannt. Diese hat einen Börsenwert von 46 Milliarden Dollar. Darauf folgen Bitcoin Cash und Ripple. Bitcoin wird oft auch als Einstieg in andere Cyberwährungen benutzt. Das bedeutet, wer etwa Ethereum oder Ripple kaufen will, muss zuerst Bitcoin erwerben und diese in die gewünschte Währung tauschen.


Video – Bitcoin durchbricht 10'000-Dollar-Marke

Die Internetwährung ist nicht mehr zu bremsen: Seit Jahresbeginn hat Bitcoin mehr als 900 Prozent gewonnen. (Video: Reuters) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.11.2017, 18:26 Uhr

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