Presseschau: Es wird eng für Zuppiger

Die Reaktionen der Schweizer Zeitungen auf die schweren Vorwürfe gegen Bundesratskandidat Bruno Zuppiger fallen eindeutig aus.

Droht ihm schon vor dem grossen Auftritt der Abgang? 
Bundesratskandidat Bruno Zuppiger betritt das FDP-Fraktionszimmer vor dem Hearing zu den Bundesratswahlen. (6. Dezember 2011)

Droht ihm schon vor dem grossen Auftritt der Abgang? Bundesratskandidat Bruno Zuppiger betritt das FDP-Fraktionszimmer vor dem Hearing zu den Bundesratswahlen. (6. Dezember 2011) Bild: Keystone

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«Mit einer Bundesratskandidatur kaum vereinbar», urteilt die «Neue Zürcher Zeitung» in ihrer heutigen Ausgabe. Von «Zuppigers Leiche im Keller» ist da die Rede und: «Die ‹Weltwoche› bringt Unschönes an den Tag». Das ist noch zurückhaltend ausgedrückt. Der «Tages-Anzeiger» geht in seinem Kommentar noch weiter: «Gelingt es Zuppiger in den nächsten Tagen nicht, die Vorwürfe zu entkräften, ist er aus dem Rennen – und zwar zu Recht.» Kritisiert wird auch die Parteileitung der SVP, und zwar dafür, dass sie – trotz Wissen um die Sache – die Fraktion im Dunkeln liess.

Der «Landbote» fragt, ob am Ende Exponenten der SVP hinter der Aufdeckung der Geschichte stecken. Dies, weil ausgerechnet die SVP-nahe «Weltwoche» die Sache ins Rollen brachte. Das Blatt zitiert einen SVP-Parlamentarier, der nicht beim Namen genannt werden will: «Mit der Publikation eines solchen Artikels will man offenbar den eigenen Mann demontieren.» Der «Tages-Anzeiger» mutmasst diesbezüglich in die gleiche Richtung: «Haben SVP-Chef Toni Brunner und Chef-Stratege Christoph Blocher den aussichtsreichsten Bundesratskandidaten der Partei bewusst ins Messer laufen lassen?»

Alte Geschichten

Die «Aargauer Zeitung» hat zudem noch weitere alte Geschichten ausgegraben. Verwiesen wird auf eine Angelegenheit von Mitte der 90er-Jahre, als Zuppiger den Zürcher Gewerbeverband leitete. «Damals soll er Gelder zweckentfremdet und auch bei der Abrechnung von Spesen und Sitzungsgeldern nicht gerade sorgfältig gehandelt haben», so die AZ. Diese Vorwürfe habe damals der Zürcher FDP-Politiker Ernst Cincera erhoben. Eine externe Revision habe Zuppiger allerdings entlastet. Der «Landbote» wiederum zitiert Politiker, die Zuppiger als «Mischler» bezeichnen und man habe gehört, dass er «mit Exponenten der SVP Zürich ‹Lämpen› gehabt habe.

«Seine Wahlchancen dürften (…) gesunken sein», beschreibt die AZ die neue Ausgangslage für die Bundesratswahl vom nächsten Mittwoch. «Der aussichtsreichste Kandidat droht destabilisiert aus dem Rennen zu fliegen», so der «Landbote». Und noch klarer: «Faktisch tritt die SVP jetzt nur noch mit Jean-François Rime an, der kaum Chancen hat», schreibt der «Tages-Anzeiger». Und ganz einfach der «Blick»: «Wars das schon für Zuppiger?» (cpm)

Erstellt: 08.12.2011, 08:16 Uhr

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