Private verloren viel Geld mit UBS-Fonds

Ein 81-jähriger Winterthurer investierte vier Fünftel seines Vermögens in einen Dachfonds der UBS. Fünf Jahre später waren rund 40'000 Franken weg. Schuld sei die Kreditkrise, sagt die UBS.

Abgewichen: Die Absolute Return Funds der UBS versprechen eine positive Rendite in jedem Marktumfeld. Foto: Michael Buholzer (Reuters)

Abgewichen: Die Absolute Return Funds der UBS versprechen eine positive Rendite in jedem Marktumfeld. Foto: Michael Buholzer (Reuters)

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Die Farbprospekte kommen stets überzeugend daher. So stand in der Produktbeschreibung des von der UBS ver­triebenen Fonds unter dem Stichwort «Hauptvorteile» zu lesen: «Der Fonds kann in jedem Marktumfeld Renditepotenzial generieren.» Und weiter: «Starke Marktbewegungen können ab­gefedert werden.»

Das zumindest war die Idee der so­genannten Absolute Return Funds: ­positive Rendite in jedem Marktumfeld, selbst in schlechten Börsephasen. Es kam anders, als es sich die Banker vorgestellt, und anders, als sie es ihren Kunden weisgemacht hatten. Die Finanzkrise brachte Verluste statt Renditen.

«Der UBS vertraut»

Diese bittere Erfahrung machte nicht nur die Swatch Group, die mit einem Absolute Return Fund der UBS 25 Millionen Franken oder mehr als die Hälfte ihrer Investition verlor. Diese Erfahrung mussten auch viele Kleinanleger machen. Adolf Joder * war einer von ihnen. 2005 steckte er 187'674 Franken oder 80 Prozent seines Vermögens in einen Ab­solute Return Fund der UBS – auf Empfehlung seiner UBS-Beraterin, sagt seine Tochter. Von Geld habe er, ein pensionierter Mechaniker, nicht viel verstanden. «Er hat der UBS einfach vertraut.»

Im Sommer 2008 hatte die Anlage bereits um die 20 Prozent des Einstiegswerts verloren. Damals erfuhr die Tochter von ihrem Vater, dass praktisch sein ganzes Vermögen in diesem einen Fonds steckte. Dadurch beunruhigt, kontaktierte sie die UBS-Beraterin. Diese ­verwies darauf, dass Joder eigentlich in Aktien investieren wollte und im Be­ratungsgespräch geäussert habe, er brauche das Geld nicht. Auf diese Aus­sagen stützt sich die UBS auch in der ­späteren Korrespondenz.

Im Mai 2010 starb Adolf Joder. Im September beschlossen die Erben, den Fonds mit rund 40'000 Franken Verlust zu verkaufen. «Seitens der UBS gab es kein Wort des Bedauerns, nichts», sagt die Tochter. Sie hätte kein Problem mit der Geschichte, wenn jemand von der Bank eingestehen würde, dass das Produkt die Erwartungen nicht eingelöst habe und wenn die Bank einen Teil des Schadens übernommen hätte. «Die Bank schiebt aber alles auf die Kunden und die Finanzkrise ab.»

Mit dieser Kritik konfrontiert, sagt die UBS heute: «Das Anlageziel konnte im Zuge der Finanzkrise leider nicht ­erreicht werden.» Dieses Risiko bestehe bei allen Anlagelösungen und werde den Kunden gegenüber offen kommuniziert. Die Produktbeschreibung hielt in der Tat fest, dass der Fonds keine Garantie biete. Und: «Es ist durchaus möglich, dass er phasenweise eine negative Performance erzielt.» Von einem Absturz des Fonds von 20 und mehr Prozent war allerdings nie die Rede. Auch wurde der von der UBS empfohlene «Anlage­horizont von typischerweise drei Jahren» mehr als erfüllt, ohne dass sich der Fonds in dieser Zeit erholt hätte. Die UBS verweist auf die Finanzkrise: «Auch wenn das Anlageziel eines Absolute ­Return Fonds eine positive Wertentwicklung in unterschiedlichen Marktumfeldern ist, kann er sich Ereignissen wie in der Kreditkrise nicht entziehen.»

Schwer nachvollziehbar ist, dass eine Beraterin der UBS 80 Prozent des Vermögens eines Kunden in ein einziges Anlageprodukt steckt. Die Bank erklärt dies damit, dass der Absolute Return Fund als Dachfonds konzipiert gewesen sei mit einer breiten Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Währungen. Auch seien unterschiedliche Anlagestile zum Einsatz gekommen, konzipiert durch interne, voneinander un­abhängige Portfoliomanagement-Teams, ergänzt durch externe Verwalter. Die Bank hält deshalb fest: «Der Fonds ­eignete sich somit aus Produzentensicht klar als eine umfassende Anlagelösung zur Vermögensverwaltung.»

Wohl bezeichnet die UBS die Wertverluste des Fonds als «sehr bedauerlich».Einen Fehler am Produkt schliesst die Bank aber auch im Rückblick aus. Die Wertverluste seien auf die Kreditkrise zurückzuführen.

Gescheiter als die Banker

Anderer Meinung ist ein langjähriger UBS-Kunde, der seine eigene Erfahrung mit einem Investment in einen Absolute Return Fund der Grossbank gemacht hat. Er steckte – ebenfalls auf Anraten seines UBS-Betreuers – im Herbst 2006 100 000 Franken in ein solches Produkt. Skeptisch wie er war, verfolgte er aber die Entwicklung der Anlage täglich über die UBS-eigene Homepage. Im Frühling 2007 sackte der Wert des Fonds erstmals unter 100 Prozent ab. «Am 16. August 2007 um circa 15.30 Uhr zog ich die Reissleine bei einem Kurs von 97,5 Prozent», erinnert sich der kritische An­leger. Er war zur Überzeugung gelangt, dass es sich beim UBS-Fonds um eine «Mogelpackung» handelte.

Es folgte in einer Zürcher UBS-Filiale eine Besprechung, zu der extra ein ­«Director, Distribution UBS Investment Funds» aus Basel angereist kam. Der Kunde – bestens dokumentiert – verwies auf grosse Fondspositionen von Freddie Mac und Fannie Mae – US-amerikanische Hypothekargesellschaften, die tief im Geschäft mit verbrieften Krediten engagiert waren. Der Anleger äusserte gegenüber den UBS-Vertretern den Verdacht, dass der Absolute Return Fund ein «mögliches Auffangbecken für Altlasten aus dem Investmentbanking» sei. Die Bank wies in einem Schreiben an den Kunden den Vorwurf zwar zurück, bestätigte aber indirekt, dass der UBS-Fonds An­lagen im US-Hypothekenmarkt enthielt: «Der überwiegende Teil des Portfolios hat keinen Bezug zu US-Hypotheken, sondern tätigt Investitionen von hoher Qualität.» Verschickt wurde der Brief Ende August 2007, als sich die Kreditkrise in den USA selbst für Laien ab­zuzeichnen begann.

Im gleichen Schreiben verteidigte die Bank ihre Absolute-Return-Strategie und teilte dem Kunden mit: «Wir bedauern sehr, dass Sie Ihren Fonds bereits verkauft haben.» Auch das war eine Fehleinschätzung. Der Kunde war keinen Tag zu früh ausgestiegen – mit einem minimalen Verlust. Auch dieser Fonds verlor in der Folge weiter massiv an Wert.

* Name geändert

Erstellt: 08.05.2014, 07:41 Uhr

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